Die USA und China haben sich am 20. September 2026 erstmals auf einen offiziellen Dialogkanal für sicherheitsrelevante KI-Vorfälle geeinigt. US-Finanzminister Scott Bessent und Chinas Vizepremier He Lifeng verhandelten dafür acht Stunden im New Yorker Hauptquartier von JPMorgan Chase. Das Format soll beide Länder künftig warnen, sobald ein KI-System eine nationale Sicherheitsschwelle überschreitet.
Bessent skizziert Meldemechanismus für KI-Vorfälle
Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, soll der neue Kanal Vorfälle abdecken, die die nationale Sicherheit beider Staaten berühren – etwa Fehlfunktionen oder Missbrauch fortgeschrittener KI-Systeme. Bessent bezeichnete das Ziel als „gemeinsame Vision gemeinsamer Ziele und gemeinsamer Bedrohungen”. Technische Details zur Umsetzung nannte er nicht; die chinesische Seite äußerte sich bislang nicht öffentlich zu den Einzelheiten. Bessent selbst wertete das Treffen im Nachgang als Erfolg. US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer ordnete es als Fortsetzung der Gespräche ein, die Trump und Xi im Mai in Peking begonnen hätten. Damals sei über ein gemeinsames Handelsgremium gesprochen worden, das nun als „Board of Trade” operativ werde. Der KI-Dialog ist damit der erste offizielle Austauschmechanismus dieser Art zwischen den beiden größten KI-Nationen der Welt, seit sich die Rivalität zwischen ihren KI-Industrien 2022 verschärft hatte. China hatte zuvor mit der World AI Cooperation Organization bereits einen eigenen multilateralen Rahmen mit 29 weiteren Staaten geschaffen, an dem die USA nicht beteiligt sind.
Gipfel in Washington bringt erstes US-Treffen seit 2017
Das Treffen zwischen Bessent und He Lifeng bereitete den Gipfel zwischen Trump und Xi vor, der am Mittwoch, den 26. September, mit Xis Ankunft auf der Luftwaffenbasis Joint Base Andrews beginnt. Der eigentliche Gipfel folgt am Donnerstag in Washington samt Staatsbankett – das erste Treffen eines chinesischen Staatschefs auf US-Boden seit 2017. Neben dem KI-Dialog ging es bei den Gesprächen auch um den im Oktober in Busan vereinbarten Zollwaffenstillstand, der am 10. November ausläuft und nun verlängert werden könnte. Beide Seiten diskutierten zudem zollfreie Warengruppen wie Agrarprodukte, Energieträger und Medizinprodukte sowie den Zugang zu seltenen Erden. Auf der weiteren Agenda standen laut Teilnehmerkreisen zudem kritische Mineralien sowie geopolitische Themen wie der Krieg in der Ukraine und die Lage um Taiwan. Zeitgleich zu den KI-Gesprächen hatte Trump erst wenige Tage zuvor mit der neuen Bundesbehörde AI Force eine eigene KI-Aufsicht ohne bindende Regeln angekündigt – eine Politik, die dem nun international ausgehandelten Transparenzformat gegenübersteht.
Chip-Exportkontrollen bleiben ausgeklammert
Anders als bei früheren Gesprächsrunden standen Exportkontrollen für KI-Chips und Fertigungsausrüstung diesmal nicht auf der Agenda. Das Thema bleibt ein Streitpunkt zwischen beiden Regierungen: Erst Anfang September hatten US-Behörden sechs chinesischen KI-Firmen vorgeworfen, amerikanische Modelle im industriellen Maßstab kopiert zu haben – ein Vorwurf, den Peking zurückweist. Zugleich bauen beide Mächte ihre eigenen Exportregime weiter aus; auch China plant eigenen Angaben zufolge Kontrollen für seine leistungsfähigsten Modelle, wodurch sich laut Beobachtern ein technologischer Rüstungswettlauf um Frontier-KI verfestigt. Kongressabgeordnete beider Parteien in Washington hatten zuletzt wiederholt gefordert, das Tempo der KI-Entwicklung gesetzlich zu bremsen – ein Anliegen, dem Trump bislang eine Absage erteilt hat. Sicherheitsforscher bezweifeln zudem, ob ein informeller Austausch im Ernstfall schnell genug greift. Beobachter werten den neuen Meldemechanismus deshalb eher als begrenzten Vertrauensschritt denn als umfassende Entspannung. Bestätigt ist bislang nur, dass sich beide Delegationen auf das Prinzip eines Austauschs geeinigt haben; konkrete Schwellenwerte, Fristen oder eine zuständige Institution nannte keine der beiden Seiten öffentlich.
Entscheidend wird, ob aus dem Prinzip binnen der kommenden Wochen ein funktionierender Mechanismus mit klaren Meldeschwellen wird – oder ob es bei einer symbolischen Geste vor dem Gipfel bleibt. Bestätigt Xi Jinping die Vereinbarung am Donnerstag, wäre es das erste Mal, dass die beiden größten KI-Mächte formal zusagen, einander vor riskanten KI-Entwicklungen zu warnen, statt nur getrennt voneinander aufzurüsten.


