In Shanghai haben 29 Staaten unter Führung Chinas eine neue internationale Organisation für Künstliche Intelligenz gegründet. Die World AI Cooperation Organization (WAICO) soll globale KI-Standards setzen und richtet sich vor allem an Länder, die sich von westlichen Regelwerken ausgeschlossen sehen. Einen Tag später eröffnete Staatschef Xi Jinping erstmals persönlich die parallel stattfindende World AI Conference.
Wang Yi unterzeichnet Gründungsabkommen der Organisation
Chinas Außenminister Wang Yi unterzeichnete das Gründungsabkommen am 16. Juli in Shanghai, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet. UN-Generalsekretär António Guterres nahm an der Zeremonie teil. Zu den namentlich bestätigten Gründungsmitgliedern zählen neben China auch Russland, Pakistan, Kasachstan, Indonesien und Laos; insgesamt unterzeichneten 29 Staaten die Urkunde. Die Organisation erhält ihren Sitz in Shanghai und tritt als unabhängige zwischenstaatliche Organisation auf, losgelöst von bestehenden UN-Gremien.
Das Gründungsdokument sieht vor, dass die WAICO internationale Kooperation und globale Steuerung im Bereich KI fördert. Die Technologie solle dadurch sicher, fair und nützlich bleiben und der gesamten Menschheit zugutekommen. Die Organisation verpflichte sich den Grundsätzen der UN-Charta sowie einem „menschenzentrierten Ansatz” mit breiter Konsultation, heißt es weiter. Eine vollständige, offiziell veröffentlichte Liste aller 29 Unterzeichnerstaaten liegt bislang nicht vor; mehrere Berichte nennen zusätzlich Belarus, Serbien, Kuba, Venezuela sowie afrikanische und weitere asiatische Staaten als Gründungsmitglieder. Peking ordnet die Gründung offiziell seiner bereits 2023 vorgestellten Global AI Governance Initiative zu, mit der Xi Jinping internationale öffentliche Güter und Kapazitätsaufbau für Entwicklungsländer im KI-Bereich zusagte.
Xi Jinping wirbt für multipolare KI-Ordnung
Bei der Eröffnung der World AI Conference am 17. Juli hielt Xi Jinping laut Al Jazeera fest, KI-Entwicklung dürfe nicht der Alleingang eines einzelnen Staates sein, sondern brauche internationale Zusammenarbeit. Weiter warnte er davor, den Begriff der nationalen Sicherheit im KI-Bereich überzustrapazieren oder die Sicherheit eines Landes über die anderer zu stellen. Xi forderte zudem Gesetze, technische Überwachung, Frühwarnsysteme und Notfallmechanismen, damit KI dauerhaft unter menschlicher Kontrolle bleibe. Das offizielle Motto der Konferenz laute „Intelligent Partners, Co-create the Future”, ein Hinweis auf den kooperativen Anspruch der Veranstaltung.
Es war der South China Morning Post zufolge die erste Rede eines chinesischen Präsidenten zur Eröffnung der seit 2018 laufenden Konferenz. In den Vorjahren übernahm Premierminister Li Qiang diese Aufgabe. Die Rede fiel zudem in eine angespannte Phase der amerikanisch-chinesischen Beziehungen. Kurz zuvor hatte US-Präsident Donald Trump Peking in einer Fernsehansprache vorgeworfen, für die „größte Kompromittierung von Wahldaten der Geschichte” verantwortlich zu sein.
Westliche Techkonzerne bleiben dem Gipfel fern
Große US-Technologiekonzerne blieben dem Shanghaier Gipfel nach übereinstimmenden Berichten weitgehend fern, wie unter anderem PYMNTS und The Next Web schreiben. Die WAICO positioniert sich damit außerhalb etablierter Rahmenwerke wie den OECD-KI-Prinzipien, dem EU-KI-Gesetz und dem G7-Hiroshima-Prozess. Peking wirbt bei Entwicklungsländern gezielt mit günstigen, offenen KI-Modellen und einer formalen Mitsprache bei künftigen Regeln. Ein solches Angebot haben die von den USA und der EU geprägten „Trusted Partner”-Rahmenwerke nach Einschätzung mehrerer Berichte bislang nicht in vergleichbarer Form gemacht.
Parallel zur Konferenz stellte Huawei mit dem Atlas 950 SuperPoD ein neues Rechenzentrums-System vor, das nach Unternehmensangaben ohne US-amerikanische Halbleiter auskommt. Die zeitliche Nähe von Techdemonstration und WAICO-Gründung unterstreicht, dass China Governance-Anspruch und technologische Unabhängigkeit von US-Chips als zusammenhängende Ziele behandelt und beides bewusst auf derselben Bühne präsentierte. An der Eröffnungszeremonie nahmen neben Guterres auch der kasachische Präsident Kassym-Schomart Tokajew und der thailändische Regierungschef Anutin Charnvirakul teil. Das verlieh dem Gipfel zusätzliches diplomatisches Gewicht jenseits der eigentlichen Unterzeichnerstaaten.
Entscheidend wird, ob die WAICO über die Gründungszeremonie hinaus reale Standards durchsetzt oder eine Parallelstruktur ohne breite Wirkung bleibt. Offen ist auch, ob Volkswirtschaften außerhalb der ursprünglichen 29 Gründerstaaten beitreten – einen Zeitplan für weitere Beitritte hat die Organisation bislang nicht genannt.


