Sicherheit

DeepSeek und Alibaba: US-Behörden werfen China KI-Diebstahl vor

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

NSA, CISA und FBI werfen sechs chinesischen KI-Firmen in einer gemeinsamen Warnung vor, US-Modelle im industriellen Maßstab kopiert zu haben. Betroffen seien Varianten von Claude, GPT, Gemini und Grok, angezapft über gefälschte Konten und Proxy-Dienste seit Ende 2024. China weist die Vorwürfe zurück und verweist auf technologische Eigenständigkeit.

Ein Kopiergerät druckt Blätter mit dem DeepSeek-Logo aus einer Vorlage mit den Logos von Anthropic, OpenAI und Google, eine Lupe in US-Flaggenfarben schwebt darüber. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Drei US-Sicherheitsbehörden nennen erstmals gemeinsam sechs chinesische KI-Firmen als systematische Modell-Kopierer.
  • DeepSeek, Moonshot AI, Alibaba, MiniMax, StepFun und Z.AI sollen betroffen sein.
  • Methoden reichen von gefälschten Nutzerkonten bis zu getarnten Proxy-Diensten, den sogenannten Transferstationen.
  • Alibaba soll Ende 2025 Claude-4-Varianten und GPT-5 für die Qwen-Modellfamilie genutzt haben.
  • Peking weist die Vorwürfe zurück – wenige Wochen vor geplanten Gesprächen zwischen Trump und Xi Jinping.
  • Die Behörden empfehlen US-Anbietern, Antworten auf verdächtige Anfragen gezielt zu verändern.

Die US-Behörden NSA, CISA und FBI werfen sechs chinesischen KI-Unternehmen in einer gemeinsamen Sicherheitswarnung vor, US-Spitzenmodelle in industriellem Maßstab zu kopieren. Die Warnung vom 8. September nennt DeepSeek, Moonshot AI, Alibaba, MiniMax, StepFun und Z.AI und beziffert den Abfluss auf Milliarden Tokens über Millionen Anfragen seit Ende 2024. China weist die Vorwürfe zurück.

Advisory nennt Methoden und betroffene Modelle

Die als AA26-251A veröffentlichte Warnung beschreibt sogenannte Destillation: Firmen extrahieren über massenhafte Abfragen das Antwortverhalten fremder Modelle, um damit eigene Systeme zu trainieren. Betroffen seien mehrere Varianten von Anthropics Claude, OpenAIs GPT, Googles Gemini und xAIs Grok. Die sechs genannten Unternehmen hätten dafür gefälschte Nutzerkonten, massenhaft gekaufte Premium-Abonnements und getarnte Proxy-Dienste eingesetzt, die von den Behörden als „Transferstationen” bezeichnet werden. Einzelne Kampagnen liefen demnach Tage bis Monate und umfassten tausende bis Millionen Anfragen pro Wissensdomäne. Die DeepSeek zugeschriebene Kampagne reiche bis mindestens Ende 2024 zurück und gelte damit als eine der am längsten laufenden. Konkrete Token- und Kampagnenzahlen für jedes einzelne Unternehmen sind unabhängig nicht verifiziert. Als Beispiel nennt die Warnung zusätzlich Alibaba: Der Konzern habe Ende 2025 Antworten von Claude 4, Claude Opus, Claude Sonnet und GPT-5 genutzt, um die Programmierfähigkeiten, den Kundendialog sowie die Bild- und Charaktererstellung seiner Qwen-Modellfamilie zu verbessern. Die Kampagnen bildeten laut Advisory nicht nur eine Ergänzung, sondern den Kern der KI-Entwicklungsstrategie der genannten Firmen.

Moonshot-Fall erhält behördliche Bestätigung

Bereits im Juli hatte ein Berater des Weißen Hauses Moonshot AI vorgeworfen, sein Modell Kimi K3 durch Destillation von Anthropics Fable entwickelt zu haben – das Unternehmen wies das damals unter Verweis auf nur fünfzehn Tage zwischen Fable- und K3-Start zurück. Die neue Advisory bestätigt den Fall nun mit technischen Details auf Behördenebene: Kimi K3 stamme demnach aus Fable-Ausgaben, das ältere Modell Kimi K2 aus Antworten von GPT-4o. Anders als der frühere Regierungsberater sprechen NSA, CISA und FBI nun gemeinsam und mit technischen Belegen – ein Schritt, der die Vorwürfe von einer politischen Aussage zu einer amtlichen Sicherheitswarnung aufwertet. Ähnliche Streitigkeiten gab es zuvor bereits zwischen Anthropic und Alibaba um Claude Code, wo versteckter Tracking-Code chinesische Nutzer identifizieren sollte, während Alibaba seinen Mitarbeitenden das Tool parallel verbot. Die neue Warnung reiht beide Fälle nun offiziell in ein größeres Muster ein, das mit Wissen der chinesischen Regierung betrieben werde.

Peking weist Vorwürfe zurück

China weist die Vorwürfe zurück. Außenamtssprecherin Mao Ning erklärte wörtlich: „Wir lehnen es ab, unbegründete Anschuldigungen zu akzeptieren”, und verwies auf technologische Eigenständigkeit als Grundlage der chinesischen KI-Entwicklung. Das Ministerium rief beide Länder stattdessen zu verstärkter Zusammenarbeit auf. Die namentlich genannten Unternehmen selbst äußerten sich zunächst nicht auf Presseanfragen. Die Warnung erscheint wenige Wochen vor für September geplanten Gesprächen zwischen der Regierung von Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping, bei denen KI-Governance als Thema erwartet wird. Den betroffenen US-Anbietern empfehlen die Behörden zudem, verdächtige Kontenmuster und Abfrage-Verhältnisse zu überwachen, Antworten auf mutmaßliche Destillationsversuche gezielt zu verändern und Erkenntnisse anbieterübergreifend zu teilen. Für IT-Verantwortliche in Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Zugänge zu chinesischen KI-Diensten könnten in den kommenden Monaten strenger geprüft oder zusätzlich dokumentiert werden, sollten US-Anbieter die Empfehlungen umsetzen.

Entscheidend wird, ob aus der Warnung konkrete Konsequenzen folgen – etwa neue Exportbeschränkungen oder Einträge auf US-Handelslisten – oder ob sie vorerst eine politische Geste bleibt. Bislang haben weder das US-Handelsministerium noch das Außenministerium angekündigt, die Advisory mit Sanktionen zu unterlegen. Offen bleibt zudem, wie US-Anbieter die empfohlene gezielte Antwortverfälschung technisch umsetzen, ohne reguläre Nutzer aus China pauschal zu benachteiligen.

Häufige Fragen

Was bedeutet "KI-Destillation" in diesem Zusammenhang?

Beim Distillation-Verfahren werden über massenhafte Abfragen die Antworten eines fremden KI-Modells gesammelt und genutzt, um ein eigenes, oft günstigeres Modell zu trainieren. Die US-Behörden werten den beschriebenen Umfang als systematischen Know-how-Abfluss statt als übliche Forschungspraxis.

Welche Beweise legt die Advisory konkret vor?

Genannt werden Methoden wie gefälschte Konten, massenhaft gekaufte Abonnements und Proxy-Dienste sowie Beispiele einzelner Firmen, etwa Alibabas Nutzung von Claude- und GPT-5-Antworten für die Qwen-Modelle. Exakte Tokenzahlen je Unternehmen veröffentlichen die Behörden nicht.

Wie haben die betroffenen Unternehmen reagiert?

DeepSeek, Moonshot AI, Alibaba, MiniMax, StepFun und Z.AI äußerten sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht einzeln zu den Vorwürfen. Chinas Außenministerium wies die Anschuldigungen insgesamt zurück.

Welche Folgen könnte die Warnung für Unternehmen in Deutschland haben?

Direkte regulatorische Schritte richten sich zunächst an US-Anbieter, nicht an europäische Nutzer. Setzen US-Firmen die empfohlenen Gegenmaßnahmen um, könnten aber auch hiesige Nutzer chinesischer KI-Dienste künftig genauere Prüfungen ihrer Zugänge bemerken.

Droht den genannten chinesischen Firmen jetzt eine Sanktion?

Die Advisory selbst enthält keine Sanktionsankündigung. Frühere Fälle wie die Moonshot-Vorwürfe vom Juli zeigen aber, dass US-Regierungsvertreter bei bestätigtem Technologiediebstahl mit Entity-List-Einträgen oder Sanktionen gedroht haben.

Quellen (3)
  1. CISA/NSA/FBI Advisory AA26-251A
  2. Bloomberg: US Says Alibaba, DeepSeek Have 'Systematically' Siphoned AI Models
  3. China hits back at US claims of 'malicious' AI distillation ahead of planned Trump-Xi talks

Dein KI-Update für die Arbeitswoche

Einmal pro Woche das Wichtigste aus der KI-Welt – plus ein Praxis-Tipp zum direkt Ausprobieren. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.

← Zurück zum Blog