Sicherheit

Anthropic-Forscher Coxon warnt vor KI-Wettlauf

2 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Der 27-jährige KI-Forscher Jacob Coxon hat Anthropic verlassen und wirft dem Unternehmen sowie OpenAI vor, ein gefährliches Tempo bei der Entwicklung von Superintelligenz in Kauf zu nehmen. Anthropics Alignment-Lead Evan Hubinger räumte daraufhin ein, das Risiko eines KI-bedingten Aussterbe-Szenarios binnen zehn Jahren auf über zehn Prozent zu schätzen. Der Fall verstärkt eine wachsende Debatte über das Entwicklungstempo führender KI-Labore.

Eine Figur legt einen Stift ab und geht durch eine offene Tür davon, während sich hinter ihr eine Treppe spiralförmig immer schneller nach oben dreht Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Jacob Coxon arbeitete drei Jahre an Pretraining-Modellen bei OpenAI und Anthropic, bevor er die Branche verließ.
  • Coxon nennt den Wettlauf zur Superintelligenz ein hubristisches Vabanque-Spiel privater Unternehmen.
  • Alignment-Lead Evan Hubinger bestätigt: Er hält die Gefahr eines tödlichen KI-Versagens für über zehn Prozent binnen zehn Jahren.
  • Coxon unterscheidet beide Firmen: OpenAI unterschätze laut ihm die Tragweite, Anthropic kenne sie, fühle sich aber zum Wettlauf gezwungen.
  • Eine offizielle Stellungnahme von Anthropic zu Coxons Rücktritt blieb bislang aus.
  • Coxon schlägt eine koordinierte, befristete Bremse bei Fähigkeits-Verbesserungen der Modelle vor.

Der Pretraining-Forscher Jacob Coxon kündigte am 8. September 2026 bei Anthropic und verließ die KI-Branche. In einem vielbeachteten Beitrag auf der Plattform X wirft er OpenAI und Anthropic vor, ohne ausreichende Kontrolle auf selbstverbessernde Superintelligenz zuzusteuern. Kurz danach bestätigte Alignment-Chef Evan Hubinger öffentlich eine Wahrscheinlichkeit von über zehn Prozent für ein tödliches KI-Versagen binnen zehn Jahren.

Coxon nennt den Wettlauf ein hubristisches Vabanque-Spiel

Coxon arbeitete nach eigenen Angaben drei Jahre lang an Pretraining-Modellen, zunächst bei OpenAI, zuletzt bei Anthropic. In seinem Beitrag schreibt er, beide Unternehmen rasten direkt auf selbstverbessernde Superintelligenz zu und „riskieren unser aller Leben”. Er begründet seinen Schritt damit, dass kommende Systeme sich selbst weiterentwickeln und binnen kurzer Zeit ganze Branchen umwälzen könnten. Bereits am Morgen nach der Veröffentlichung hatte sein Beitrag Berichten zufolge rund 19,1 Millionen Aufrufe erreicht.

Zwischen seinen beiden früheren Arbeitgebern unterscheidet Coxon deutlich. Bei OpenAI hätten viele Mitarbeitende die zivilisatorische Tragweite noch nicht verinnerlicht, schreibt er. Bei Anthropic seien die Risiken intern zwar gut verstanden – das Unternehmen fühle sich aber gezwungen, im Wettlauf mitzuhalten, weil sonst ein weniger vorsichtiger Konkurrent zuerst ins Ziel komme. Diese Logik nennt er ein hubristisches Vabanque-Spiel, das kein privates Unternehmen im Alleingang entscheiden dürfe. Als Ausweg schlägt er eine koordinierte, befristete Bremse bei Fähigkeits-Verbesserungen vor sowie eine stärkere Einbindung externer Aufsicht bei Entscheidungen mit zivilisatorischer Tragweite.

Alignment-Chef Hubinger bestätigt zweistelliges Risiko

Innerhalb weniger Stunden reagierte Evan Hubinger, der bei Anthropic die Abteilung für Alignment-Wissenschaft leitet, in einem eigenen Beitrag. Er bestätigte Coxons Einschätzung ausdrücklich und erklärte, er halte die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen KI-Versagens persönlich „für über zehn Prozent innerhalb des nächsten Jahrzehnts”. Anthropic bemühe sich nach seinen Worten zwar ernsthaft um Sicherheit, verfüge aber noch nicht über einen Plan, mit dem sich Superintelligenz zuverlässig kontrollieren lasse.

Die Wortmeldung reiht sich in eine wachsende Zahl von Warnungen aus der Branche ein. Anthropic selbst hatte erst am 16. August in seinem zweiten Risikobericht die Einschätzung eines katastrophalen Fehlausrichtungsrisikos von „sehr gering” auf „gering” angehoben. OpenAI-Chefwissenschaftler Jakub Pachocki forderte kurz zuvor in einem Essay verbindliche, unabhängig geprüfte Sicherheitsschwellen für alle Labore. Bereits im Juli hatten mehr als 1.200 Beschäftigte großer KI-Firmen im Aufruf Pacing the Frontier eine international koordinierte Tempokontrolle verlangt. Eine offizielle Stellungnahme von Anthropic zu Coxons Rücktritt lag bei Redaktionsschluss nicht vor.

Entscheidend wird, ob aus einzelnen Rücktritten und Warnungen koordinierte Schritte der Branche entstehen, oder ob der Wettlauf zwischen den Laboren genau die Dynamik fortsetzt, die Coxon kritisiert. Anthropic bereitet Berichten zufolge parallel einen Börsengang vor, was den öffentlichen Druck erhöht, Sicherheitsbedenken glaubwürdig zu adressieren, ohne das Entwicklungstempo zu bremsen, auf dem ein Teil des Investoreninteresses beruht.

Häufige Fragen

Wer ist Jacob Coxon?

Ein 27 Jahre alter Forscher, der drei Jahre lang an Pretraining-Modellen arbeitete, zunächst bei OpenAI, zuletzt bei Anthropic, bevor er am 8. September 2026 kündigte.

Was macht Coxon jetzt?

Er hat nach eigenen Angaben die KI-Industrie vollständig verlassen. Über eine konkrete neue Tätigkeit ist bislang nichts bekannt.

Wie hat Anthropic offiziell reagiert?

Eine offizielle Unternehmensstellungnahme lag bei Redaktionsschluss nicht vor. Öffentlich geäußert hat sich bislang nur Alignment-Chef Evan Hubinger persönlich.

Worin unterscheidet sich Coxons Kritik an OpenAI und Anthropic?

Er wirft OpenAI vor, die zivilisatorische Tragweite noch nicht verinnerlicht zu haben. Anthropic kenne die Risiken zwar genau, verzichte aber trotzdem auf eine Bremsung, weil man einem weniger vorsichtigen Konkurrenten nicht das Feld überlassen wolle.

Welche konkreten Vorschläge macht Coxon?

Er fordert eine koordinierte, befristete Pause bei Fähigkeits-Verbesserungen sowie eine stärkere Einbindung externer Aufsicht bei Entscheidungen mit zivilisatorischer Tragweite.

Quellen (4)
  1. Jacob Coxon auf X
  2. Evan Hubinger auf X
  3. CNBC: Anthropic researcher says AI has more than 10% chance of 'killing all humans' after colleague quits
  4. Forbes: Anthropic Alignment Lead Issues Warning About AI Killing Humans As Researcher Resigns

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