Qualcomm und der Cloud-Anbieter AWS haben eine mehrjährige Partnerschaft für kundenspezifische KI-Chips und optische Rechenzentrums-Vernetzung angekündigt. Amazon erhält im Gegenzug Optionsscheine auf bis zu 25 Millionen Qualcomm-Aktien, deren volle Ausübung an Einkäufe von bis zu 60 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2036 gekoppelt ist. Damit sichert sich Qualcomm einen der bislang größten Aufträge eines westlichen Cloud-Betreibers für sein noch junges Rechenzentrumsgeschäft.
Chips und optische Vernetzung ergänzen das Portfolio
Im Zentrum der Kooperation stehen maßgeschneiderte Beschleuniger für KI-Inferenz – also das Ausführen bereits trainierter Modelle im laufenden Betrieb. Hinzu kommen optische Verbindungen mit bis zu 1,6 Terabit pro Sekunde für die Vernetzung der AWS-Rechenzentren. Qualcomm bringt dafür seine Erfahrung mit Signalprozessoren und Hochgeschwindigkeits-Schnittstellen aus dem Mobilfunkgeschäft ein. Die Ankündigung von Qualcomm beschreibt die Zusammenarbeit als mehrgenerationig. Sie soll Effizienz und Leistung künftiger KI-Infrastruktur steigern.
Qualcomm-Chef Cristiano Amon erklärte, wachsende KI-Nachfrage erfordere Fortschritte sowohl bei Rechenleistung als auch bei Vernetzung, um mehr Leistung bei höherer Effizienz zu liefern. AWS-Vizepräsident Prasad Kalyanaraman kündigte an, die Partnerschaft liefere leistungsfähigere, effizientere und kostengünstigere Infrastruktur für AWS-Kunden. Die Kooperation ergänzt Qualcomms bereits im Juni vorgestellte Beschleuniger-Reihe Dragonfly AI300 sowie eine separate Vereinbarung mit Meta über die Dragonfly-Prozessorlinie C1000.
Ganz neu ist die Geschäftsbeziehung zwischen beiden Konzernen nicht: AWS bietet bereits seit 2023 Cloud-Instanzen an, die auf Qualcomms älteren Cloud-AI-100-Chips laufen. Die neue Vereinbarung hebt die Zusammenarbeit nun von einzelnen Instanztypen auf eine mehrjährige, gemeinsam entwickelte Chip- und Netzwerk-Architektur.
Optionsscheine koppeln Bonus an Milliardenkäufe
Amazon erhält im Rahmen der Vereinbarung Optionsscheine auf bis zu 25 Millionen Qualcomm-Aktien zu einem Ausübungspreis von 161,26 Dollar, die bis zum Jahr 2036 laufen. Ein erster Anteil von 3,75 Millionen Aktien ist bereits an anfängliche Kaufzusagen gebunden, die übrigen Optionsscheine vesten schrittweise mit dem tatsächlichen Einkaufsvolumen. Volle Ausübung setzt Amazon-Käufe von Server-Chips, Netzwerktechnik und weiteren Qualcomm-Leistungen im Umfang von bis zu 60 Milliarden Dollar voraus. Mehrere Wirtschaftsmedien nennen diese Zahl unter Berufung auf Börsenunterlagen, Qualcomm selbst beziffert sie in der eigenen Ankündigung nicht – die Angabe gilt damit als unabhängig nicht verifiziert. Eine feste Abnahmegarantie ist das ohnehin nicht, sondern ein an Meilensteine gekoppeltes Anreizmodell.
Die Optionsscheine vesten in Stufen, sobald bestimmte vertragliche Meilensteine erreicht sind – etwa der formale Abschluss einzelner Liefervereinbarungen und tatsächlich getätigte Käufe. Die Struktur ähnelt damit anderen milliardenschweren Rechenleistungs-Deals der Branche: Auch Amazon selbst hatte seine KI-Investitionsprognose zuletzt auf 220 Milliarden Dollar angehoben, weil die AWS-Nachfrage die verfügbaren Kapazitäten übersteigt. Für Qualcomm bedeutet das Modell einen finanziellen Anreiz, den Auftrag tatsächlich in Umsatz umzuwandeln, statt sich auf eine reine Ankündigung zu verlassen.
Börse reagiert mit deutlichem Kurssprung
Die Qualcomm-Aktie legte am Tag der Ankündigung laut mehreren Berichten deutlich zu. Die genauen Angaben schwanken zwischen rund vier und zehn Prozent, je nach Messzeitpunkt zwischen vorbörslichem Handel und Handelsschluss. Das Analysehaus Rosenblatt Securities bestätigte im Anschluss sein Kaufrating mit einem Kursziel von 235 Dollar. Mehrere Marktbeobachter werteten den AWS-Auftrag als einen der bislang deutlichsten Belege dafür, dass Qualcomm im Geschäft mit KI-Rechenzentren neben dem lange dominierenden Anbieter Nvidia Fuß fassen kann.
Der Vorstoß reiht sich in einen breiteren Trend ein: KI-Inferenz läuft zunehmend nicht mehr allein über Nvidia-Grafikchips. Auch das chinesische Labor DeepSeek entwickelt einen eigenen Inferenz-Chip, um Kosten zu senken und Abhängigkeiten zu verringern. Anders als DeepSeek baut Qualcomm dabei nicht für den Eigenbedarf, sondern positioniert sich als externer Zulieferer für Hyperscaler wie AWS.
Offen bleibt, wie sich die Qualcomm-Chips zu AWS’ eigenen Prozessorlinien Trainium und Graviton verhalten, die Amazon seit Jahren parallel für Training und allgemeine Rechenlast entwickelt. Weder Qualcomm noch AWS haben ein konkretes Verfügbarkeitsdatum für die ersten gemeinsamen Chips genannt. Der nächste Meilenstein dürfte die erste tatsächlich ausgelieferte Chip-Generation sein – erst dann zeigt sich, ob aus der Ankündigung reale Bestellungen werden.


