KI-Wirtschaft

Qualcomm: Amazon erhält Kaufoptionen für 60-Milliarden-Deal

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Qualcomm liefert dem Cloud-Anbieter AWS künftig maßgeschneiderte KI-Chips und macht Amazon im Gegenzug zum potenziellen Aktionär mit Optionsscheinen auf bis zu 25 Millionen Anteile. Volle Ausübung ist an Amazon-Einkäufe von bis zu 60 Milliarden Dollar bei Qualcomm bis 2036 gekoppelt. Nach der Ankündigung sprang der Kurs der Qualcomm-Aktie deutlich nach oben.

Ein Computerchip mit Qualcomm-Logo reicht Aktienzertifikate an eine Wolke aus Serverschränken mit AWS-Logo, verbunden durch leuchtende Datenkabel. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Qualcomm und AWS entwickeln gemeinsam maßgeschneiderte KI-Inferenz-Chips und optische Verbindungen mit bis zu 1,6 Terabit pro Sekunde.
  • Amazon kann Optionsscheine auf bis zu 25 Millionen Qualcomm-Aktien zum Kurs von 161,26 Dollar bis 2036 ausüben.
  • Volle Ausübung setzt Amazon-Käufe von bis zu 60 Milliarden Dollar bei Qualcomm voraus, offiziell unbeziffert.
  • Ein erster Anteil von 3,75 Millionen Aktien ist bereits an frühe Kaufzusagen gebunden.
  • Das Analysehaus Rosenblatt Securities bestätigte nach der Ankündigung sein Kaufrating mit Kursziel 235 Dollar.
  • AWS nutzt seit 2023 ältere Qualcomm-Chips in einzelnen Cloud-Instanzen, die neue Vereinbarung geht deutlich weiter.

Qualcomm und der Cloud-Anbieter AWS haben eine mehrjährige Partnerschaft für kundenspezifische KI-Chips und optische Rechenzentrums-Vernetzung angekündigt. Amazon erhält im Gegenzug Optionsscheine auf bis zu 25 Millionen Qualcomm-Aktien, deren volle Ausübung an Einkäufe von bis zu 60 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2036 gekoppelt ist. Damit sichert sich Qualcomm einen der bislang größten Aufträge eines westlichen Cloud-Betreibers für sein noch junges Rechenzentrumsgeschäft.

Chips und optische Vernetzung ergänzen das Portfolio

Im Zentrum der Kooperation stehen maßgeschneiderte Beschleuniger für KI-Inferenz – also das Ausführen bereits trainierter Modelle im laufenden Betrieb. Hinzu kommen optische Verbindungen mit bis zu 1,6 Terabit pro Sekunde für die Vernetzung der AWS-Rechenzentren. Qualcomm bringt dafür seine Erfahrung mit Signalprozessoren und Hochgeschwindigkeits-Schnittstellen aus dem Mobilfunkgeschäft ein. Die Ankündigung von Qualcomm beschreibt die Zusammenarbeit als mehrgenerationig. Sie soll Effizienz und Leistung künftiger KI-Infrastruktur steigern.

Qualcomm-Chef Cristiano Amon erklärte, wachsende KI-Nachfrage erfordere Fortschritte sowohl bei Rechenleistung als auch bei Vernetzung, um mehr Leistung bei höherer Effizienz zu liefern. AWS-Vizepräsident Prasad Kalyanaraman kündigte an, die Partnerschaft liefere leistungsfähigere, effizientere und kostengünstigere Infrastruktur für AWS-Kunden. Die Kooperation ergänzt Qualcomms bereits im Juni vorgestellte Beschleuniger-Reihe Dragonfly AI300 sowie eine separate Vereinbarung mit Meta über die Dragonfly-Prozessorlinie C1000.

Ganz neu ist die Geschäftsbeziehung zwischen beiden Konzernen nicht: AWS bietet bereits seit 2023 Cloud-Instanzen an, die auf Qualcomms älteren Cloud-AI-100-Chips laufen. Die neue Vereinbarung hebt die Zusammenarbeit nun von einzelnen Instanztypen auf eine mehrjährige, gemeinsam entwickelte Chip- und Netzwerk-Architektur.

Optionsscheine koppeln Bonus an Milliardenkäufe

Amazon erhält im Rahmen der Vereinbarung Optionsscheine auf bis zu 25 Millionen Qualcomm-Aktien zu einem Ausübungspreis von 161,26 Dollar, die bis zum Jahr 2036 laufen. Ein erster Anteil von 3,75 Millionen Aktien ist bereits an anfängliche Kaufzusagen gebunden, die übrigen Optionsscheine vesten schrittweise mit dem tatsächlichen Einkaufsvolumen. Volle Ausübung setzt Amazon-Käufe von Server-Chips, Netzwerktechnik und weiteren Qualcomm-Leistungen im Umfang von bis zu 60 Milliarden Dollar voraus. Mehrere Wirtschaftsmedien nennen diese Zahl unter Berufung auf Börsenunterlagen, Qualcomm selbst beziffert sie in der eigenen Ankündigung nicht – die Angabe gilt damit als unabhängig nicht verifiziert. Eine feste Abnahmegarantie ist das ohnehin nicht, sondern ein an Meilensteine gekoppeltes Anreizmodell.

Die Optionsscheine vesten in Stufen, sobald bestimmte vertragliche Meilensteine erreicht sind – etwa der formale Abschluss einzelner Liefervereinbarungen und tatsächlich getätigte Käufe. Die Struktur ähnelt damit anderen milliardenschweren Rechenleistungs-Deals der Branche: Auch Amazon selbst hatte seine KI-Investitionsprognose zuletzt auf 220 Milliarden Dollar angehoben, weil die AWS-Nachfrage die verfügbaren Kapazitäten übersteigt. Für Qualcomm bedeutet das Modell einen finanziellen Anreiz, den Auftrag tatsächlich in Umsatz umzuwandeln, statt sich auf eine reine Ankündigung zu verlassen.

Börse reagiert mit deutlichem Kurssprung

Die Qualcomm-Aktie legte am Tag der Ankündigung laut mehreren Berichten deutlich zu. Die genauen Angaben schwanken zwischen rund vier und zehn Prozent, je nach Messzeitpunkt zwischen vorbörslichem Handel und Handelsschluss. Das Analysehaus Rosenblatt Securities bestätigte im Anschluss sein Kaufrating mit einem Kursziel von 235 Dollar. Mehrere Marktbeobachter werteten den AWS-Auftrag als einen der bislang deutlichsten Belege dafür, dass Qualcomm im Geschäft mit KI-Rechenzentren neben dem lange dominierenden Anbieter Nvidia Fuß fassen kann.

Der Vorstoß reiht sich in einen breiteren Trend ein: KI-Inferenz läuft zunehmend nicht mehr allein über Nvidia-Grafikchips. Auch das chinesische Labor DeepSeek entwickelt einen eigenen Inferenz-Chip, um Kosten zu senken und Abhängigkeiten zu verringern. Anders als DeepSeek baut Qualcomm dabei nicht für den Eigenbedarf, sondern positioniert sich als externer Zulieferer für Hyperscaler wie AWS.

Offen bleibt, wie sich die Qualcomm-Chips zu AWS’ eigenen Prozessorlinien Trainium und Graviton verhalten, die Amazon seit Jahren parallel für Training und allgemeine Rechenlast entwickelt. Weder Qualcomm noch AWS haben ein konkretes Verfügbarkeitsdatum für die ersten gemeinsamen Chips genannt. Der nächste Meilenstein dürfte die erste tatsächlich ausgelieferte Chip-Generation sein – erst dann zeigt sich, ob aus der Ankündigung reale Bestellungen werden.

Häufige Fragen

Wann sind die ersten gemeinsamen Chips verfügbar?

Qualcomm und AWS haben kein konkretes Datum genannt. Qualcomm arbeitet parallel an einer eigenen Inferenz-Beschleuniger-Reihe namens Dragonfly AI300, die laut Unternehmensangaben ab 2028 verfügbar sein soll.

Ersetzt die Kooperation Amazons eigene KI-Chips Trainium und Graviton?

Nach Angaben beider Unternehmen nicht. AWS entwickelt seine eigenen Prozessorlinien weiter. Die Qualcomm-Chips sollen laut den Unternehmensmitteilungen das Angebot um zusätzliche externe Inferenz-Hardware und Vernetzungstechnik ergänzen.

Muss Amazon die vollen 60 Milliarden Dollar ausgeben?

Nein. Der Betrag ist keine verbindliche Abnahmegarantie, sondern die Obergrenze, ab der Amazon sämtliche Optionsscheine bis 2036 ausüben könnte. Ein Teil der Optionsscheine ist bereits an frühere, kleinere Kaufzusagen gebunden.

Betrifft die Vereinbarung auch Rechenzentren in Europa?

Weder Qualcomm noch AWS haben in ihrer Ankündigung eine regionale Beschränkung genannt. Angaben zu konkreten Standorten der neuen Infrastruktur stehen bislang aus.

Wie unterscheidet sich der Deal von Nvidias Stellung im Markt?

Nvidia dominiert das Geschäft mit KI-Chips bislang deutlich. Der AWS-Auftrag gilt Marktbeobachtern zufolge als einer der konkretesten Belege dafür, dass Qualcomm sich als zusätzlicher Anbieter für KI-Inferenz bei einem großen Cloud-Betreiber etablieren kann.

Quellen (5)
  1. Qualcomm: Multi-Generational Product Collaboration with Amazon (Pressemitteilung)
  2. HotHardware: Qualcomm Strikes Major Amazon AWS Deal For Custom AI Data Center Chips
  3. IBTimes: Qualcomm Strikes $4 Billion Amazon Stock Deal
  4. Unite.AI: Qualcomm Signs Multi-Generational Amazon Deal for AI Data Center Silicon
  5. 24/7 Wall St.: Amazon Just Handed Qualcomm a Slice of AWS's AI Buildout

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