Der Chiphersteller Marvell hat Google einen Optionsschein auf bis zu 58,97 Millionen eigene Aktien eingeräumt – im maximalen Wert von rund 12,2 Milliarden Dollar. Die am 18. August 2026 ausgegebene Option ist an eine Vereinbarung über kundenspezifische KI-Chips für Googles TPU-Ökosystem gekoppelt. Voll ausgeübt würde sie Google zum fünftgrößten Marvell-Aktionär machen.
Optionsschein bindet Vesting an Googles Chipbestellungen
Marvell reichte die Details bei der US-Börsenaufsicht SEC ein: Der Optionsschein erlaubt Google den Kauf von bis zu 58.970.907 Marvell-Aktien zum Preis von 206,58 Dollar je Anteil, gültig bis zum 18. August 2033. Nur ein kleiner Teil, 1.360.867 Aktien, vestet zeitbasiert in gleichen Quartalsraten über das erste Jahr nach Ausgabe. Die übrigen rund 57,6 Millionen Aktien sind an Googles tatsächliche Bestellungen gekoppelt: Für je 500 Millionen Dollar Umsatz, den Google zwischen dem dritten Fiskalquartal 2027 und dem Ende des Fiskaljahres 2033 bei Marvell mit kundenspezifischen Produkten auslöst, schaltet Marvell eine weitere Tranche frei – insgesamt 240 Stufen. Die zugrunde liegende Handelsvereinbarung zwischen beiden Unternehmen datiert bereits vom 29. Juli 2026. Der Optionsschein ist nur an kontrollierte Tochtergesellschaften übertragbar, die zeitbasierten Anteile unterliegen zusätzlich Haltefristen, und Google erhält übliche Registrierungsrechte für die Aktien.
Deal deckt mehrere Chip-Familien für Googles TPU-Infrastruktur ab
Die Vereinbarung umfasst mehrere Chip-Familien: KI-Inferenz-Beschleuniger, Speicher-Controller, Netzwerk-Controller, Speicherschnittstellen-Controller und Near-Memory-Compute-Bausteine, die alle in Googles TPU-Ökosystem einfließen sollen. Google setzt damit seine Strategie fort, KI-Infrastruktur zunehmend über maßgeschneiderte Chips statt ausschließlich über zugekaufte GPUs zu skalieren – einen Weg, den der Suchkonzern auch bei der Chip-Finanzierung für Anthropic verfolgt, wo verknüpfte Kredite über 200 Milliarden Dollar Rechenkapazität sichern. Auch andere Chiphersteller wetten auf den wachsenden Bedarf an spezialisierter Inferenz-Hardware: Erst Anfang August übernahm AMD das Start-up Taalas, dessen Prozessoren KI-Modelle direkt in Silizium einbrennen. Für Marvell ist der Optionsschein zugleich ein Bindungsinstrument: Je mehr Custom-Silicon-Umsatz Google generiert, desto mehr Aktien darf der Suchkonzern günstig erwerben – ein Anreiz, die Partnerschaft über Jahre auszubauen statt kurzfristig zu wechseln. Bislang lief ein Großteil von Googles kundenspezifischer TPU-Fertigung über Broadcom; mit Marvell tritt nun ein zweiter Großlieferant neben den bisherigen Partner.
Broadcom verliert Marktanteile an Marvell
An der Börse reagierten Anleger deutlich: Die Marvell-Aktie legte laut 24/7 Wall St. um 13 Prozent auf 243,66 Dollar zu, während Broadcom-Titel rund drei Prozent auf 369,13 Dollar nachgaben. Alphabet-Aktien blieben mit 342,67 Dollar nahezu unverändert. Broadcom war bislang Googles wichtigster Partner für kundenspezifische TPU-Chips und hatte sich im April 2024 einen Vertrag bis 2031 gesichert. Marktbeobachter werten den Kursrückgang als Signal, dass Google einen Teil seines Custom-Silicon-Auftragsvolumens künftig auf Marvell verteilt, statt zusätzliches Wachstum allein bei Broadcom zu bündeln – ein Nullsummenspiel zwischen den Zulieferern statt einer branchenweiten Aufwärtsbewegung. Die wöchentliche KI-Börsenwoche hatte bereits zuvor auf Broadcoms Schwankungsanfälligkeit hingewiesen, als die Aktie ohne erkennbaren eigenen Anlass um 5,5 Prozent fiel.
Entscheidend wird, wie schnell Google die leistungsbasierten Tranchen tatsächlich auslöst. Jede weitere halbe Milliarde Dollar an Marvell-Umsatz schaltet neue Aktien frei und zeigt damit unmittelbar, wie ernst der Suchkonzern die Diversifizierung weg von einem einzelnen Chip-Lieferanten betreibt. Für Marvell-Aktionäre bedeutet die Struktur Anreiz und Verwässerungsrisiko zugleich: Vestet der Optionsschein vollständig, wächst Googles Anteil auf einen Schlag in den mittleren einstelligen Prozentbereich – gekoppelt an ein Umsatzvolumen, das laut Vesting-Formel weit über zehn Milliarden Dollar liegen müsste.


