OpenAI-Chef Sam Altman kündigt im Handelsblatt-Interview vom 14. August 2026 ein zweites deutsches Büro in Berlin an, zusätzlich zum bestehenden Standort in München. Deutschland zähle zu den drei größten und am schnellsten wachsenden Märkten für zahlende ChatGPT-Kunden weltweit. Ein festes Eröffnungsdatum nennt Altman nicht.
Berlin ergänzt den Standort München
Bislang ist OpenAI in Deutschland ausschließlich mit einem Büro in München präsent. Im Interview mit dem Handelsblatt kündigte Altman nun einen zweiten Standort in der Hauptstadt an – die Eröffnung solle „ziemlich bald” folgen, einen genauen Termin nannte er nicht. Für die Expansion spricht die Marktgröße: Deutschland gehöre laut Altman neben den USA zu den drei größten Ländern für zahlende ChatGPT-Abonnements weltweit und sei zugleich der größte Einzelmarkt Europas. Er bezeichnete das Land als einen der am schnellsten wachsenden Märkte des Unternehmens überhaupt. Als Beleg für die wirtschaftliche Verankerung nannte Altman die Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom, ohne weitere Projektdetails zu nennen. Wenige Tage zuvor hatte OpenAI bereits eine Elite-Partnerschaft mit IBM für das globale Beratungsgeschäft bekanntgegeben – ein Hinweis darauf, wie stark das Unternehmen derzeit auf Geschäftskunden setzt. Berlin gilt zudem als größtes Tech- und Start-up-Zentrum des Landes und beherbergt bereits Dependancen von Google und Amazon sowie zahlreiche KI-Start-ups, während München eher als Konzern- und Industriestandort gilt.
Rechenzentrum-Gespräche bleiben ohne Ergebnis
Altman warb im Interview zudem für den Bau eines eigenen Rechenzentrums in Deutschland, um die wachsende Nachfrage nach KI-Infrastruktur zu decken. Er habe bereits Gespräche mit Vertretern der Berliner Landesregierung geführt, diese hätten bislang aber kein konkretes Ergebnis gebracht. Jedes Land müsse laut Altman selbst entscheiden, ob es Rechenzentren im eigenen Staatsgebiet errichte oder Kapazitäten im Ausland anmiete – er hoffe, dass sich Deutschland für eine eigene Infrastruktur entscheide. Konkrete Investitionssummen oder einen Standort nannte er nicht. Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der der Bund seine Förderung für eine deutsche KI-Gigafactory bereits auf eine Milliarde Euro erhöht hat, um sich in der EU-Ausschreibung für bis zu sieben KI-Gigafabriken einen Vorteil zu verschaffen. Über die Standorte dieser EU-geförderten Gigafabriken entscheidet die EU-Kommission voraussichtlich erst Anfang 2027 – ein separates Verfahren, unabhängig davon, ob OpenAI eigene Kapazitäten aufbaut. Ob Altmans Vorstoß damit zusammenhängt, ließ er offen. Ohne eigene Rechenzentren bliebe OpenAI in Deutschland weiterhin auf angemietete Cloud-Kapazität angewiesen, etwa über bestehende Partner in Europa.
Datenschutz-Zusage soll Sorgen entkräften
Ein wiederkehrender Kritikpunkt deutscher Firmenkunden ist die Sorge, eigene Daten könnten in das Training künftiger OpenAI-Modelle einfließen. Altman widersprach dem im Interview ausdrücklich und verwies auf eine verbindliche Null-Daten-Speicherung für Geschäftskunden: Übermittelte Daten würden bei entsprechender Vereinbarung nicht für spätere Analysen gespeichert. „Ich glaube fest an den Datenschutz für Unternehmenskunden”, sagte Altman. Neu ist das Versprechen nicht: Schon seit der Einführung von ChatGPT Enterprise sichert OpenAI zu, weder Eingaben noch Ausgaben von Geschäftskunden für das Training zu verwenden – Altman bekräftigte im Interview lediglich diese bestehende Linie. Prüfen lässt sich die Zusage dennoch nicht: Sie ist unabhängig nicht verifiziert. Konkurrenz kommt unterdessen auch aus Europa: Erst am 13. August warb der französische Anbieter Mistral bei deutschen Firmenkunden mit garantierter EU-Datenverarbeitung – ein Vorstoß, auf den Altmans Zusicherung wie eine direkte Antwort wirkt. Für viele deutsche Mittelständler dürfte am Ende weniger die vertragliche Zusage als die tatsächliche Kontrolle über den Serverstandort den Ausschlag geben.
Entscheidend wird, ob aus der Ankündigung tatsächlich Kapital fließt. Ein Bürostandort lässt sich schnell eröffnen, ein Rechenzentrum braucht Jahre an Bauzeit, Genehmigungen und dreistellige Millionenbeträge – dafür gibt es bislang weder Zusage noch Zeitplan. Sollte OpenAI stattdessen doch auf ausländische Kapazitäten setzen, bliebe der Rechenzentrums-Vorstoß vor allem eine politische Geste an Berlin.


