Google lässt sich Tabellen in Sheets ab sofort per Texteingabe in übersichtliche Mini-Apps verwandeln – etwa in ein Kanban-Board oder ein Dashboard. Die KI Gemini baut die Ansicht automatisch aus den vorhandenen Daten, ganz ohne Formeln oder Programmierkenntnisse. Verfügbar ist die neue Funktion namens Sheets Canvas vorerst nur mit kostenpflichtigem Google-Abo und auf Englisch.
Gemini baut die Ansicht direkt aus der Tabelle
Wer in Google Sheets künftig auf das Gemini-Symbol klickt und „Canvas erstellen” wählt, beschreibt in einem Satz, was er sehen möchte. Möglich sind zum Beispiel ein Kanban-Board für offene Aufgaben oder ein Dashboard mit Umsatzzahlen. Gemini liest die vorhandenen Tabellendaten aus und baut daraus automatisch eine übersichtliche, klickbare Ansicht. Über weitere Anweisungen lässt sich das Ergebnis anschließend anpassen, etwa an Farben, Spalten oder Filter. Neben Kanban-Boards entstehen auf diese Weise auch Kalender, Karten-Übersichten für Kontaktlisten oder einfache Kennzahlen-Dashboards, je nachdem, wie die Tabelle aufgebaut ist.
Ändert jemand einen Wert direkt in der neuen Ansicht, aktualisiert sich die zugrunde liegende Tabelle sofort mit – und umgekehrt. Wer eine Aufgabe im Kanban-Board per Mausklick in die Spalte „erledigt” verschiebt, verändert damit automatisch die passende Zelle in der Tabelle. Ein zweites Programm für Projekttafeln oder Diagramme wird damit für viele einfache Fälle überflüssig, wie es auch schon Google Docs mit KI-generierten Diagrammen vormacht.
Im Büroalltag entfällt die Excel-Bastelei
Eine Assistenz in der Verwaltung führt eine Tabelle mit Urlaubsanträgen: Name, Zeitraum, Status. Bislang musste sie den Überblick zusätzlich in einer zweiten Liste oder auf Papier nachhalten, um zu sehen, welche Anträge noch offen sind. Mit einem Satz wie „Erstelle ein Kanban-Board mit einer Spalte pro Status” baut Gemini daraus eine Tafel. Anträge lassen sich darauf per Klick von „beantragt” zu „genehmigt” verschieben. Die Original-Tabelle bleibt dabei automatisch aktuell, sodass niemand doppelt Buch führen muss.
Ähnlich lässt sich ein Budget-Überblick für die Buchhaltung oder eine Terminübersicht für die Teamplanung erzeugen, ohne Pivot-Tabellen oder Diagrammfunktionen zu beherrschen. Geteilt wird die fertige Ansicht wie eine normale Tabelle: Kolleginnen und Kollegen mit Zugriff auf die Datei sehen und bearbeiten dieselbe Mini-App. Microsoft geht mit Copilot in Excel einen ähnlichen Weg. Dort gestaltet die KI aber bislang vor allem das Aussehen bestehender Tabellen um, statt komplett neue, klickbare Ansichten zu erzeugen.
Verfügbar bislang nur im Bezahl-Abo und auf Englisch
Sheets Canvas rollt seit dem 13. August 2026 zunächst für zahlende Nutzerinnen und Nutzer aus. Laut der Google-Hilfeseite braucht es dafür ein Google-AI-Pro- oder -Ultra-Abo. Alternativ reicht ein Google-Workspace-Konto der Stufen Business Standard, Business Plus, Enterprise Standard oder Enterprise Plus. Kostenlose Google-Konten gehen bislang leer aus, ebenso Nutzerinnen und Nutzer der mobilen Sheets-App.
So lässt sich die Funktion dort finden, wo sie schon freigeschaltet ist:
- Tabelle in Google Sheets am Computer im Browser öffnen, nicht in der mobilen App
- Im Menü „Einfügen” oder „Tools” den Punkt „Canvas erstellen” auswählen
- Im Textfeld beschreiben, welche Ansicht gewünscht ist, etwa „Kanban-Board mit Status-Spalten”
- Ergebnis über weitere Texteingaben anpassen oder verfeinern
- Fertige Ansicht wie gewohnt über Google Sheets mit Kolleginnen und Kollegen teilen
Bislang steht die Funktion nur auf Englisch bereit, unabhängig von der eingestellten Kontosprache. Wer sein Google-Workspace-Konto über den sogenannten Scheduled-Release-Kanal bezieht, muss sich laut Google bis zum 31. August 2026 gedulden, bis Sheets Canvas dort auftaucht.
Entscheidend wird, wie schnell Google die Funktion auch auf Deutsch und für kostenlose Konten öffnet – aktuell bleibt sie zahlenden, englischsprachigen Nutzerinnen und Nutzern vorbehalten. Wer sensible Firmen- oder Kundendaten in eine automatisch erzeugte Ansicht einfließen lässt, sollte vorher einen Blick in die eigenen Vorgaben zum Umgang mit KI-Werkzeugen werfen. Gemini verarbeitet die Tabelleninhalte schließlich dafür. Für den Sprung von der reinen Zahlenliste zur nutzbaren Übersicht braucht es damit vorerst weiterhin ein Firmen- oder Pro-Konto.


