Anthropic hat sein bislang nur ausgewählten Partnern zugängliches Sicherheitsmodell Claude Mythos 5 in das Werkzeug Claude Security integriert. Ab dem 21. August 2026 können Kunden mit einem Claude-Enterprise-Abo damit automatisch nach Schwachstellen im eigenen Code suchen lassen. Ergänzend startet das Unternehmen einen mit 35 Millionen Dollar an Nutzungsguthaben ausgestatteten Fonds für Open-Source-Sicherheit.
Claude Security bewertet Funde mit Gegenprobe
Claude Security ist bereits seit Februar 2026 als Forschungs-Vorschau verfügbar und wurde laut Anthropics eigener Ankündigung seither von Hunderten Organisationen gegen echten Produktionscode eingesetzt. Neu ist, dass die Scans seit dem 21. August 2026 mit dem deutlich leistungsfähigeren Modell Mythos 5 laufen – direkt in öffentlicher Beta für alle Kunden mit Claude-Enterprise-Plan. Das Werkzeug durchsucht ein ausgewähltes Repository, prüft jeden Fund über eine interne Gegenprobe noch einmal selbst und ordnet ihn nach Schwachstellenklasse (CWE), Schweregrad und Konfidenz ein. Für jeden bestätigten Fund schlägt Claude Security einen Patch vor, den Entwicklerteams vor der Übernahme selbst gegenprüfen müssen.
Abgerechnet wird über das normale Token-Kontingent des bestehenden Enterprise-Vertrags; ein separat zu buchendes Zusatzprodukt gibt es nicht. Eine konkrete Preisangabe für den Enterprise-Plan selbst nennt Anthropic nicht, Interessenten verweist das Unternehmen an den Vertrieb. Aktiviert wird die Funktion über die Admin-Konsole eines bestehenden Enterprise-Kontos. Eine regionale Einschränkung etwa auf die USA benennt Anthropic nicht, konkrete Angaben zum Rollout in Deutschland oder der EU bleiben in der Ankündigung aber offen.
Anthropic hält direkten Modellzugriff weiterhin beschränkt
Mythos 5 gilt als das leistungsfähigste Cybersicherheits-Modell des Unternehmens und ist seit April 2026 im Rahmen von Project Glasswing ausschließlich geprüften Partnerorganisationen vorbehalten, die damit eigene Systeme härten. Direkten Zugang zum Modell selbst gibt es auch mit Claude Security weiterhin nicht: Nutzerinnen und Nutzer erhalten laut Anthropic nur einzelne, klar begrenzte Ausgaben wie einen Patchvorschlag oder eine Sicherheitswarnung. Das Risiko konzentriere sich dort, wo jemand direkten Modellzugriff habe und das System gezielt zu offensiven Aufgaben drängen könne; bei begrenzten Ausgaben sinke dieses Risiko deutlich.
Parallel arbeite Anthropic mit Sicherheitsfirmen daran, Mythos 5 künftig in deren bestehende Verteidigungswerkzeuge einzubetten – ein Starttermin dafür stehe noch nicht fest. Zusätzlich soll das bereits laufende Verifizierungsprogramm für Cyberexperten, das geprüften Organisationen reduzierte Schutzmechanismen bei den Modellen Opus und Sonnet einräumt, in den kommenden Wochen auf weitere, bislang eingeschränkte Fähigkeiten ausgeweitet werden. Ein Zugang auf Mythos-5-Niveau soll diesem Programm erst zu einem späteren Zeitpunkt folgen.
Fonds finanziert Open-Source-Sicherheitsarbeit
Mit dem neuen Defender Advantage Fund (0xDAF) legt Anthropic zusätzlich 35 Millionen Dollar an Nutzungsguthaben für Organisationen auf, die quelloffene Software absichern. Gefördert werden sollen drei Bereiche: das Schließen akuter Schwachstellen in weit verbreiteten Open-Source-Projekten, der Aufbau automatisierter, von anderen Projekten übernehmbarer Scan- und Patch-Verfahren sowie ambitioniertere Sicherheitsarchitekturen, die ganze Angriffsklassen von vornherein ausschließen sollen. Erste Pilotprojekte will Anthropic nach eigenen Angaben in Kürze starten, einen genauen Zeitplan für die Vergabe der Mittel nennt das Unternehmen bislang nicht.
Für die meist unbezahlt arbeitenden Maintainer quelloffener Projekte könnte der Fonds spürbare Entlastung bringen: Viele Softwarebibliotheken, auf die auch deutsche und europäische Unternehmen täglich zugreifen, gelten seit der Verbreitung KI-gestützter Schwachstellensuche als überlastet mit Meldungen, die sie mangels Kapazität nicht zügig prüfen können.
Entscheidend wird, ob Anthropics Wette aufgeht, dass ein indirekter Zugriff über ein Produkt tatsächlich sicherer ist als offener Modellzugang – bislang stützt sich diese Einschätzung allein auf die eigene Argumentation des Unternehmens. Ob und wann auch Kundinnen und Kunden mit Team- oder Max-Plan Zugriff auf Mythos 5 erhalten, hat Anthropic bislang nicht mitgeteilt.


