Uber und das chinesische Unternehmen Pony.ai wollen mehr als 2000 fahrerlose Robotaxis in Europa einsetzen. Der Dienst soll von der kroatischen Hauptstadt Zagreb, wo er bereits kommerziell läuft, auf vier weitere europäische Städte ausgeweitet werden. Konkrete Standorte und einen Starttermin nennen beide Unternehmen bislang nicht.
Pony.ai liefert die Technik, Uber das Buchungssystem
Die erweiterte Partnerschaft folgt einem klaren Rollenmodell: Pony.ai bringt die selbstfahrende Level-4-Technik und die Fahrzeuge mit, Uber bindet den Dienst über seine bestehende App ein und übernimmt Buchung, Bezahlung sowie Kundenservice. Vor Ort betreibt jeweils ein lokaler Partner die Flotte. In Zagreb übernimmt das kroatische Mobilitätsunternehmen Verne diese Rolle als Fahrzeughalter und Betreiber.
Level 4 bedeutet, dass die Fahrzeuge im festgelegten Einsatzgebiet ohne Eingriff eines Sicherheitsfahrers unterwegs sind. Pony.ai, an der Nasdaq notiert, sammelte diese Betriebserfahrung zuvor vor allem in chinesischen Großstädten und überträgt sie nun schrittweise auf internationale Märkte. Ende 2025 zählte die Flotte des Unternehmens nach eigenen Angaben 1.159 Fahrzeuge, bis Ende 2026 soll sie auf 3.000 wachsen – eine Zielmarke, die unabhängig nicht verifiziert ist. Die Ausweitung auf vier zusätzliche europäische Städte soll laut den Unternehmen in mehreren Phasen bekanntgegeben werden, feste Termine nannten beide bislang nicht.
Auch der Nahe Osten gehört zu den Expansionsplänen, ist aber bereits weiter fortgeschritten als der neue Europa-Vorstoß. Pony.ai testet seit 2025 mit einer Genehmigung der Verkehrsbehörde RTA in Dubai und kooperiert in Katar mit dem Anbieter Mowasalat. Bis 2028 peilt das Unternehmen dort eigenen Angaben zufolge 1.000 Robotaxis an – ein Zielwert, der zeigt, in welcher Größenordnung sich auch die Europa-Pläne perspektivisch bewegen könnten.
Zagreb dient als Blaupause für die Erweiterung
Der kommerzielle Betrieb in Zagreb startete Ende März 2026 und gilt nach Angaben beider Unternehmen als erster durchgehend fahrerloser Robotaxi-Dienst in Europa. Das Einsatzgebiet umfasst nach Unternehmensangaben rund 90 Quadratkilometer der weiteren Innenstadt samt Flughafen, der Service läuft täglich von sieben bis 21 Uhr. Er soll nun als Vorlage für den Sprung auf weitere Städte dienen, ohne dass Uber und Pony.ai bislang beziffern, wie viele Fahrzeuge dort aktuell im Einsatz sind.
International wächst der Wettbewerb um autonome Fahrdienste parallel weiter. Erst Anfang August nahm das Amazon-Tochterunternehmen Zoox in Las Vegas seinen ersten bezahlten Robotaxi-Betrieb mit lenkrad- und pedallosen Fahrzeugen auf, gestützt auf eine Ausnahmegenehmigung der US-Bundesbehörde NHTSA. Anders als Zoox, das Fahrzeuge und Betrieb komplett selbst verantwortet, setzt Pony.ai auf Partner wie Uber für die Kundenschnittstelle und auf lokale Flottenbetreiber wie Verne für den täglichen Betrieb.
Pony.ai ist dabei nur einer von mehreren Anbietern, mit denen Uber seine im Februar gegründete Sparte Uber Autonomous Solutions bestückt. Der Fahrdienst kooperiert nach eigenen Angaben mit mehr als 30 Unternehmen für autonomes Fahren und will bis Ende 2026 in über zehn Ländern und 15 Städten Robotaxi-Fahrten anbieten. In Deutschland testet Uber bislang nicht mit Pony.ai, sondern mit dem chinesischen Anbieter Momenta in München – ein Hinweis darauf, dass ein möglicher deutscher Standort für die neue Europa-Flotte offen bleibt.
Chinesische Anbieter expandieren trotz politischer Spannungen nach Europa
Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der chinesische Robotik- und KI-Unternehmen verstärkt auf Auslandsmärkte drängen, während sie in den USA auf wachsenden politischen Widerstand treffen. Ende Juli sperrte die US-Behörde FCC neue humanoide und vierbeinige Roboter aus China für den US-Markt. Das betrifft ein anderes Marktsegment als Robotaxis, zeigt aber die insgesamt angespanntere Lage zwischen amerikanischer und chinesischer Robotik-Industrie.
Europa gilt für chinesische Anbieter bislang als zugänglicher. Die EU verhandelt zwar eigene Exportkontrollen und Schutzmaßnahmen für kritische KI-Technologie, wie die wachsende Konkurrenz um Frontier-KI zwischen den USA und China zeigt, doch für autonome Fahrdienste fehlen bislang vergleichbare Einschränkungen. Ob einzelne EU-Staaten oder Kommunen eigene Zulassungshürden für Pony.ai-Fahrzeuge aufbauen, ist noch offen.
Entscheidend wird, welche vier Städte Uber und Pony.ai tatsächlich benennen und ob darunter auch ein Standort in Deutschland ist. Erst mit konkreten Terminen und Preisen lässt sich abschätzen, ob die Ankündigung mehr ist als eine Absichtserklärung – vergleichbare Ansagen zu Nahost-Plänen blieben bislang ebenfalls ohne Zeitrahmen.


