Der chinesische KI-Agenten-Anbieter Manus kehrt nach der erzwungenen Trennung von Meta in die Unabhängigkeit zurück. Das Unternehmen kündigte am 11. August an, den Rückkauf durch die früheren Investoren Tencent, ZhenFund und HSG für rund zwei Milliarden Dollar abgeschlossen zu haben. Nutzerdaten aus der Meta-Zeit werden ab dem 23. August für zwei Tage gelöscht, sofern sie nicht vorher gesichert werden.
Tencent kauft sich als größter Einzelaktionär ein
Die Investorengruppe um Tencent, ZhenFund und die auch als Sequoia China bekannte Beteiligungsgesellschaft HSG erwirbt Manus für einen Betrag, der wieder bei rund zwei Milliarden Dollar liegt – demselben Preis, den Meta im Dezember 2025 gezahlt hatte. Tencent übernimmt dabei laut Nikkei Asia den größten Einzelanteil, bleibt aber Minderheitsaktionär; genaue Beteiligungsquoten hat keine der Parteien veröffentlicht. Der frühere Manus-Großinvestor Benchmark beteiligt sich nicht an dem Rückkauf und verliert damit seinen Anteil an dem Start-up vollständig.
Bemerkenswert ist die Bewertung im Vergleich zum Umsatzwachstum: Manus erzielte zum Zeitpunkt der Meta-Übernahme rund 100 Millionen Dollar wiederkehrenden Jahresumsatz, was etwa dem Zwanzigfachen entsprach. Eine Einordnung von EBC Financial Group beziffert den Umsatz bis Juli 2026 auf rund 500 Millionen Dollar (unabhängig nicht verifiziert) – der Rückkaufpreis liegt damit nur noch beim Vierfachen des Jahresumsatzes. Der politisch erzwungene Ausstieg drückte den Preis des einst gefragten Agenten-Start-ups spürbar, obwohl das Geschäft in der Zwischenzeit deutlich gewachsen ist.
Peking erzwingt die Rückabwicklung im April
Chinas Wirtschaftsplanungsbehörde NDRC ordnete die Rückabwicklung des Deals bereits im April 2026 an, gestützt auf die nationale Prüfung von Auslandsinvestitionen. Die Behörde bewertete Agenten-KI als strategische Technologie und fürchtete laut CNBC den Abfluss werthaltiger Technologie an einen geopolitischen Rivalen. Nach Einschätzung mehrerer Rechtsexperten war es der erste öffentlich bestätigte Fall, in dem Peking diesen Prüfmechanismus einsetzte, um eine bereits abgeschlossene grenzüberschreitende KI-Übernahme rückgängig zu machen. Manus-Chefin Xiao Hong und Forschungsleiter Ji Yichao mussten im März 2026 in Peking vorsprechen und durften China während der Prüfung nicht verlassen.
Wie im Juli berichtet, verhandelte Tencent zu diesem Zeitpunkt bereits mit den Manus-Altinvestoren über einen Rückkauf zum ursprünglichen Kaufpreis. Diese Verhandlungen sind nun abgeschlossen. Der Fall gilt als eine der deutlichsten Interventionen Pekings gegen eine grenzüberschreitende KI-Übernahme durch ein US-Unternehmen und dürfte andere US-Konzerne bei Beteiligungen an chinesischen KI-Start-ups künftig vorsichtiger werden lassen. Meta hatte Manus ursprünglich übernommen, um eigene Schwächen bei autonomen KI-Agenten auszugleichen, und verliert mit dem Rückzug den direkten Zugriff auf eine der am weitesten verbreiteten Agenten-Plattformen außerhalb der USA.
Nutzerdaten aus der Meta-Zeit stehen zur Löschung an
Für Nutzerinnen und Nutzer hat die Trennung praktische Folgen. Daten, die seit der Übernahme am 29. Dezember 2025 entstanden sind, werden laut Unternehmensangaben vom 23. bis 24. August gelöscht, sofern Betroffene sie nicht vorher sichern; die Frist dafür endet am 23. August um 7:59 Uhr Singapur-Zeit, entsprechend 1:59 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Ab dem 25. August können gesicherte Daten wiederhergestellt werden. Der Schritt sei nicht die Folge eines Sicherheitsvorfalls, betont das Unternehmen, sondern diene der Einhaltung regulatorischer Vorgaben in einzelnen Rechtsräumen – welche Länder konkret gemeint sind, bleibt offen.
Betroffene Konten bleiben bis zum 23. August kostenfrei nutzbar, nach der Wiederherstellung verspricht Manus zusätzliche Gutschriften als Ausgleich. Wer sein Konto über Apple- oder Facebook-Login angelegt hat, findet Hinweise dazu nur in der App selbst, da in diesen Fällen häufig keine Kontakt-E-Mail hinterlegt ist. Manus verschickt zusätzlich mehrere Erinnerungen per E-Mail und In-App-Nachricht. Nicht betroffene Nutzerinnen und Nutzer können den Dienst unverändert weiternutzen, eine gesonderte Bestätigung ist für sie nicht nötig.
Offen bleibt, mit welchen neuen Fähigkeiten Manus als eigenständiges Unternehmen antreten will: Das Unternehmen kündigte für die Zeit nach der Trennung zusätzliche Funktionen für seine KI-Agenten an, nannte dazu aber noch keine Details oder einen Zeitplan. Der nächste sichtbare Meilenstein ist der 25. August, wenn betroffene Nutzerinnen und Nutzer ihre gesicherten Daten wiederherstellen können.


