Google Meet kann ab sofort auch bei persönlichen Treffen ohne Bildschirm mitschreiben, nicht mehr nur bei Videoanrufen. Aus dem Gespräch entsteht danach automatisch ein Google-Doc mit Zusammenfassung, vollständigem Text und Aufgabenliste. Die Funktion ist an ein kostenpflichtiges Google-Konto gebunden und rollt zunächst auf Android-Geräten aus.
Gemini hört jetzt auch bei Treffen im selben Raum mit
Bislang funktionierte die Notizfunktion von Google Meet nur bei Videokonferenzen. Saßen Kolleginnen und Kollegen im selben Büro zusammen, blieb das Gespräch unprotokolliert. Wie Google im Workspace-Blog mitteilt, ändert sich das jetzt: Wer die Google-Meet-App öffnet und „Mach Notizen für mich” antippt, kann Gemini auch spontane, persönliche Besprechungen mitschreiben lassen, ganz ohne Videoanruf. Das Smartphone legt man dafür einfach in die Nähe der sprechenden Personen, Gemini erkennt automatisch die gesprochenen Worte und wandelt sie in Text um. Für viele Teams war genau das bisher ein Nachteil: Wichtige Absprachen im Stehen gingen oft unter, weil niemand extra ein Protokoll tippte.
Die Bedienung läuft laut der Google-Hilfeseite zur Präsenzfunktion in wenigen Schritten:
- Google-Meet-App öffnen und „Mach Notizen für mich” antippen.
- „Notizen erstellen” auswählen.
- Gerät in der Nähe der Gesprächsrunde platzieren.
- Bei Bedarf während der Besprechung pausieren oder fortsetzen.
- Nach dem Treffen auf „Beenden” tippen.
Aus dem Gespräch wird ein fertiges Protokoll mit Aufgaben
Ein Beispiel aus dem Buchhaltungsalltag zeigt den Nutzen: Vier Kolleginnen und Kollegen besprechen sich zehn Minuten am Schreibtisch über offene Rechnungen und wer welche Mahnung verschickt. Statt hinterher aus dem Gedächtnis eine E-Mail mit Aufgaben zu tippen, liegt danach bereits ein Google-Doc bereit, mit Zusammenfassung, vollständigem Wortlaut und einer Liste, wer sich um welchen Punkt kümmert. Der Link kommt automatisch per E-Mail. Das Doc selbst landet im Drive-Ordner der Person, die die Aufnahme gestartet hat.
Google hatte die KI-Notizen für virtuelle Meetings bereits Anfang August um automatisch eingeblendete Screenshots gezeigter Folien erweitert, jetzt zieht das Präsenz-Format nach. Nutzen lässt sich die Funktion für alle kurzen Abstimmungen, die bisher niemand protokollierte, etwa Übergaben zwischen Schichten oder spontane Team-Runden. Eine Einschränkung bleibt: Gemini versteht pro Gespräch nur eine Sprache, ein Wechsel zwischen Deutsch und Englisch in derselben Runde wird nicht unterstützt.
Verfügbar ist die Funktion nur mit einem Bezahl-Konto
Kostenlose Google-Konten bleiben außen vor. Nötig ist ein Google-Workspace-Konto der Stufen Business Standard, Business Plus, Enterprise Standard oder Enterprise Plus. Alternativ reicht ein persönliches Abo von Google AI Pro oder Google AI Ultra. Der Rollout läuft gestaffelt: Auf Android-Geräten ist die Funktion laut Google bereits seit dem 11. August 2026 verfügbar, im Webbrowser startet sie frühestens am 14. August 2026. Auf iPhones und iPads soll sie frühestens Ende August 2026 folgen, denselben Zeitraum nennt auch der Branchendienst 9to5Google. Verwaltet wird der Zugriff über dieselben Einstellungen, die es für die KI-Notizen in Videocalls bereits gibt. Ein separates Upgrade allein für diese Funktion lohnt sich meist nicht, wenn der bestehende Tarif sie nicht ohnehin einschließt.
Entscheidend wird, ob Unternehmen klare Regeln dafür aufstellen, wann Gemini im Raum mithören darf. Die Google-Hilfeseiten verlangen keine ausdrückliche Zustimmung der Anwesenden, wer die Funktion einschaltet, sollte das Mitschneiden trotzdem offen ansagen, schon aus Rücksicht auf Kolleginnen und Kunden. Firmen mit Betriebsrat kommen kaum daran vorbei, den Einsatz vorab abzustimmen, denn automatisch erstellte Gesprächsprotokolle können arbeitsrechtlich als Leistungs- oder Verhaltenskontrolle gelten.


