KI-Wirtschaft

Anthropic öffnet Standard für KI-gesteuerte Laborroboter

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Anthropic öffnet für mehr als zehn Partnerunternehmen wie Genentech und QuEra eine Testphase für einen neuen KI-Hardware-Standard. Der Model Hardware Standard soll KI-Agenten die direkte Steuerung von Laborgeräten und Fabrikmaschinen erlauben, ohne wochenlange technische Anbindung. Geschwindigkeits- und Winkellimits sind laut Anthropic fest im Standard verankert, eine spätere Open-Source-Veröffentlichung ist geplant.

Ein Roboterarm hält eine Reagenzglashalterung vor einem Mikroskop, daneben ein Anthropic-Logo-Sticker auf der Werkbank und ein zweiter, per Kabel verbundener Roboterarm. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Anthropic startet den Model Hardware Standard (MHS) als Testphase für ausgewählte Forschungslabore und Industriebetriebe.
  • Genentech und QuEra zählen zu den ersten Nutzern; QuEra meldet einen Sprung bei der Laserstabilisierung.
  • Der Standard ist modellunabhängig und funktioniert mit jedem Gerät mit programmierbarer Schnittstelle.
  • AWS, Danaher, Doosan Robotics und Universal Robots unterstützen das Projekt als Partner.
  • Tempo- und Winkellimits sind laut Anthropic direkt im Standard technisch eingebaut.
  • Ab dem 20. Januar 2027 reguliert die neue EU-Maschinenverordnung KI-gestützte Sicherheitsfunktionen.

Anthropic startet eine Testphase für den Model Hardware Standard (MHS), eine gemeinsame Schnittstelle, über die KI-Agenten wie Claude Laborgeräte und Fabrikmaschinen direkt steuern. Das Unternehmen verkürzt damit laut eigenen Angaben die Anbindung neuer Hardware von Wochen auf wenige Stunden. Zum Start sind unter anderem Genentech, QuEra und Doosan Robotics als Partner dabei.

Standard verbindet Software und Maschinen direkt

MHS reduziert die Anbindung von Geräten auf ein gemeinsames Treiberformat und wenige Grundbefehle, auf denen KI-Agenten dann aufsetzen. Bislang kommunizieren die meisten Laborgeräte und Maschinen nicht miteinander, sodass die Integration Wochen oder Monate dauert und Fachleute mit Spezialwissen braucht. Der Standard funktioniert mit jedem Gerät, das eine programmierbare Schnittstelle besitzt, und ist ausdrücklich modellunabhängig – Unternehmen sind also nicht an Claude gebunden. Entstanden ist MHS aus einer Zusammenarbeit von Alek Kemeny aus Anthropics Team für gesellschaftlich nützliche Einsätze mit Arco Bast, einem Postdoktoranden am Forschungscampus HHMI Janelia. Als Partner nennt Anthropic unter anderem den Cloud-Anbieter Amazon Web Services. Er will MHS über seine Robotik-Bibliothek Strands Robots unterstützen. Dazu kommen die Laborautomatisierer Automata, Danaher, Qiagen und Tecan. Auch die Roboterarm-Hersteller Doosan Robotics und Universal Robots sowie die Forschungseinrichtung Carnegie Mellon University zählen zu den Partnern der Testphase. Der Zugang läuft zunächst über eine Warteliste für ausgewählte Forschungslabore und Industriebetriebe. Wer teilnimmt, meldet dafür konkrete Geräte und Anwendungsfälle an, bevor Anthropic die Anbindung gemeinsam mit dem jeweiligen Team einrichtet.

Erste Praxistests zeigen große Sprünge

Das Biotech-Unternehmen Genentech setzte MHS bereits für ein Wirkstoff-Experiment mit automatischer Fehlerbehandlung in Echtzeit ein. Der Quantencomputer-Anbieter QuEra verbesserte mit dem Standard die Laserstabilisierung seiner Maschinen nach eigenen Angaben von 58 auf 99,3 Prozent. Diese Zahl ist unabhängig nicht verifiziert. Doosan Robotics und Universal Robots testen MHS an ihren Roboterarmen, etwa für automatisierte Qualitätskontrollen und die koordinierte Abstimmung mehrerer Arme untereinander in einer gemeinsamen Fertigungszelle. Auch andere Hersteller öffnen ihre Robotik derzeit stärker für externe KI-Systeme, etwa Xiaomi mit einem quelloffenen Robotik-Grundmodell. Bei Anthropic sieht man den eigenen Vorstoß als ersten Schritt in Richtung „physischer KI”. Gemeint sind Systeme, die nicht nur Text und Bilder verarbeiten, sondern reale Geräte bedienen. Ein Rollout-Termin für die breite Öffentlichkeit steht noch nicht fest, ebenso wenig eine Preisliste für den späteren Regelbetrieb außerhalb der Testphase. Bislang beschränkt sich der Zugang auf die genannten Partner aus Forschung, Biotechnologie und Robotik, weitere Interessenten müssen sich über die Warteliste bewerben.

Eingebaute Sicherheitsgrenzen sollen Unfälle verhindern

Fachmedien wie das britische Portal The Register weisen darauf hin, dass Sprachmodelle die physische Welt nur aus Text und Bildern kennen. Ihnen fehle praktisches Gespür für Maschinen. Anthropic könne zudem nicht zuverlässig vorhersagen, wie sich seine Modelle in neuen Situationen verhalten. Der Konzern begegnet dem, indem er Grenzwerte wie Geschwindigkeits- und Winkelbeschränkungen direkt in den Standard einbaut, sodass ein Agent ein Gerät nicht außerhalb sicherer Parameter anweisen kann. Zusätzlich arbeite Anthropic an einer Sicherheits-Roadmap für den physischen Einsatz und wolle die Testphase nutzen, um gemeinsam mit den Partnern weitere Sicherheitsbewertungen zu entwickeln. Kontext liefert auch die EU: Ab dem 20. Januar 2027 gilt die neue Maschinenverordnung 2023/1230, die erstmals ausdrücklich KI-gestützte Sicherheitsfunktionen und Maschinen mit sich weiterentwickelndem Verhalten erfasst. Ein Standard, der Sicherheitsgrenzen von vornherein technisch festschreibt, dürfte es Herstellern in Europa leichter machen, diese Vorgaben zu erfüllen.

Offen bleibt, ob die eingebauten Grenzwerte auch außerhalb der sorgfältig ausgewählten Pilotpartner zuverlässig greifen, sobald Anthropic den Standard wie angekündigt quelloffen veröffentlicht. Einen festen Termin dafür nennt das Unternehmen bislang nicht – er soll erst folgen, wenn die Sicherheitsbewertungen aus der Testphase abgeschlossen sind.

Häufige Fragen

Was kostet der Zugang zum Model Hardware Standard?

Anthropic nennt keine Preise. Der Zugang läuft aktuell ausschließlich über eine Warteliste für ausgewählte Forschungslabore und Industriepartner.

Funktioniert MHS nur mit Claude?

Nein. Der Standard ist laut Anthropic modellunabhängig und lässt sich grundsätzlich mit jedem KI-Agenten nutzen, der die Schnittstelle unterstützt.

Wann wird der Standard quelloffen verfügbar sein?

Einen festen Termin gibt es nicht. Anthropic will MHS erst freigeben, nachdem gemeinsam mit den Partnern weitere Sicherheitsbewertungen abgeschlossen sind.

Was hat die EU-Maschinenverordnung mit MHS zu tun?

Ab dem 20. Januar 2027 reguliert sie erstmals KI-gestützte Sicherheitsfunktionen in Maschinen. Ein Standard mit eingebauten Grenzwerten könnte Herstellern die Einhaltung erleichtern.

Welche Geräte kann MHS steuern?

Laut Anthropic jedes Gerät mit programmierbarer Schnittstelle, etwa Mikroskope, Flüssigkeitshandhabungssysteme und Roboterarme in Laboren und Fabriken.

Quellen (4)
  1. Previewing the Model Hardware Standard (Anthropic)
  2. Anthropic makes first move into physical AI (Fortune)
  3. Anthropic proposes plumbing spec to link AI agents to lab kit and robots (The Register)
  4. Anthropic tests a new standard for Claude to work with factory and lab hardware (TheNextWeb)

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