Der chinesische Robotik-Anbieter Dexmal verhandelt eine neue Finanzierungsrunde mit einer Zielbewertung von 20 Milliarden Yuan, umgerechnet rund drei Milliarden Dollar. Das bestätigte Gründer und Chef Tang Wenbin laut Bloomberg auf der World Robot Conference in Peking. Die Bewertung entspräche mehr als dem Zwanzigfachen des bisherigen Kapitals, das Dexmal seit Ende 2025 eingesammelt hat.
Investoren aus dem Alibaba-Umfeld finanzierten den Aufstieg
Dexmal, ursprünglich als Dexmal OriginMind gegründet, sammelte seine ersten Finanzierungsrunden Ende 2025 ein. Die Serie A führte der auf Mobilität und Robotik spezialisierte Fonds NIO Capital an, beteiligt waren unter anderem Hongtai Fund, Legend Capital und Qiming Venture Partners. Die anschließende Serie A+ übernahm der Onlinehändler Alibaba als Lead-Investor. Beide Runden zusammen brachten laut dem Fachportal Aibase umgerechnet rund 140 Millionen Dollar ein. Gründer und Chef Tang Wenbin ist Absolvent der Yao-Klasse der Tsinghua-Universität und war zuvor Mitgründer und Technikchef des Bildverarbeitungs-Spezialisten Megvii. Das im März 2025 gegründete Unternehmen hat laut Gasgoo seinen Hauptsitz in Peking und unterhält zusätzliche Büros in Hongkong, Singapur, Japan und Südkorea; eine Expansion in die USA sei geplant. Dexmal entwickelt Software und Hardware für sogenannte Embodied-AI-Roboter, Maschinen also, die mithilfe von KI-Modellen physische Aufgaben in wechselnden Umgebungen übernehmen sollen. Kernprodukt ist das Basismodell DM0, ergänzt um das quelloffene Framework Dexbotic, das nach Unternehmensangaben von mehr als 1.000 Entwicklern genutzt wird.
Fusion mit Logistikspezialist Atomix bündelt reale Einsatzdaten
Im Juni 2026 fusionierte Dexmal mit dem Logistik-Robotik-Anbieter Atomix in einem Aktientausch. Wie Gasgoo weiter berichtete, handelt es sich um die erste tiefe Verbindung zwischen einem „Modell-Unternehmen” und einem „Szenario-Unternehmen” in Chinas Embodied-AI-Branche. Atomix betreibt flexible Lagerlogistik in mehr als 20 Ländern für rund 100 Marken, darunter Uniqlo, Coca-Cola und die Teekette Mixue, und wickelt nach eigenen Angaben über 600.000 Sendungen täglich ab. Der Zusammenschluss soll Dexmal von manuell gesammelten Trainingsdaten auf reale Logistikdaten aus dem Atomix-Netzwerk umstellen – die Fusion liefert damit genau jene Praxisdaten, die Embodied-AI-Modelle zum Training benötigen. An der Finanzierung rund um die Fusion beteiligten sich zudem die KI-Anbieter Zhipu AI und StepFun sowie der Kamerahersteller SenseTime. Gemeinsam mit Hugging Face betreibt Dexmal zudem RoboChallenge, nach eigener Darstellung die erste große Testumgebung für reale Roboter in der Embodied-AI-Branche, in der Modelle verschiedener Hersteller unter gleichen Bedingungen antreten. Branchenbeobachter werten solche Zusammenschlüsse aus Modellentwicklern und Betreibern realer Einsatzumgebungen als mögliche Blaupause für andere chinesische Embodied-AI-Anbieter, denen bislang vor allem verwertbare Praxisdaten fehlen.
Pekings Milliardenförderung treibt die gesamte Branche
Der Vorstoß reiht sich in eine branchenweite Kapitalwelle ein. In China sind Berichten zufolge mehr als 140 Anbieter humanoider Roboter aktiv, chinesische Kommunen sollen über städtische Investmentfonds bereits mehr als 26 Milliarden Dollar in die Embodied-AI-Branche gesteckt haben. Marktforscher rechnen zudem damit, dass der weltweite Markt für humanoide Roboter von aktuell rund 5,4 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2035 auf über 50 Milliarden Dollar wächst. Erst am 19. August hatte der Konkurrent Unitree sein Börsendebüt am Shanghaier STAR-Market gefeiert und war zeitweise auf eine Marktkapitalisierung von bis zu 66 Milliarden Dollar geklettert. Dexmal bliebe mit der angestrebten Bewertung von drei Milliarden Dollar deutlich darunter, verhandelt aber – anders als der inzwischen börsennotierte Rivale – noch als privates Unternehmen. Die Zielbewertung ist unabhängig nicht verifiziert: Tang Wenbin bestätigte laufende Gespräche, nannte aber weder Abschlusstermin noch konkrete Investoren für die neue Runde. Auch außerhalb Chinas fließt derzeit viel Kapital in humanoide Roboter, etwa bei den US-Anbietern Figure und Agility Robotics – der Wettbewerb um Marktanteile verschärft sich damit auf mehreren Kontinenten gleichzeitig.
Offen bleibt, ob Dexmal die Zielbewertung tatsächlich erreicht oder ob Investoren angesichts der noch jungen Fusion mit Atomix zunächst auf belastbare Umsatzzahlen aus dem Logistikgeschäft warten. Entscheidend wird auch, ob sich die chinesische Förderwelle in exportfähige Technik übersetzt – oder ob die Bewertungen wie schon bei Unitree stärker von der Erwartung als vom tatsächlichen Robotereinsatz getrieben sind.


