DeepSeek verhandelt Berichten von Bloomberg und dem Wall Street Journal zufolge über den Abschluss seiner zweiten großen Finanzierungsrunde. Rund 50 Milliarden Yuan, umgerechnet etwa 7,4 Milliarden Dollar, sollen dabei zusammenkommen – bei einer Bewertung von rund 74 Milliarden Dollar und einem für Ende August erwarteten Vertragsabschluss.
Investoren bleiben an Bord, neue Geldgeber verhandeln mit
An der wiederaufgenommenen Runde halten dieselben Geldgeber fest, die schon die erste externe Finanzierung Ende Mai trugen: die Investmentfirma Monolith, Shixiang Capital und der Batteriehersteller CATL (Contemporary Amperex Technology), wie Bloomberg berichtet. Zusätzlich sollen laut dem Portal TechStartups, das sich auf Wall Street Journal und South China Morning Post beruft, die Beteiligungsgesellschaft CPE, Legend Capital, Stony Creek Capital, Fonds aus dem Umfeld des Chipherstellers GigaDevice sowie staatliche Investmentvehikel aus Hefei mitverhandeln. Frühere Geldgeber wie Tencent, JD.com und NetEase tauchen in den aktuellen Berichten nicht mehr auf.
Das frische Kapital soll vor allem in den Ausbau eigener Rechenzentren und den Zukauf von Halbleitern fließen; TechStartups beziffert die geplante zusätzliche Rechenkapazität auf rund ein Gigawatt und nennt zudem die Anwerbung von KI-Fachkräften als Verwendungszweck. Wirtschaftlich steht DeepSeek dabei nicht schlecht da: Das Unternehmen habe im Juli 2026 eine annualisierte Umsatzbasis von rund 500 Millionen Dollar erreicht, getragen vor allem vom Verkauf von Cloud-API-Zugängen zu den eigenen Modellen.
Geleakte Gründer-Aussagen bremsten die Verhandlungen
Die Runde lag zwischenzeitlich auf Eis: Ende Juli kursierten in chinesischen sozialen Netzwerken Mitschriften eines Gesprächs von Firmengründer Liang Wenfeng mit Investoren, in denen er Chinas Rückstand gegenüber den USA bei Rechenleistung und Finanzierung eingeräumt und die anhaltende Abhängigkeit von Nvidia-Chips thematisiert haben soll. Bloomberg konnte die Echtheit der Mitschriften nach eigenen Angaben nicht verifizieren. Laut Fortune informierte DeepSeek mögliche Geldgeber daraufhin mündlich darüber, dass geplante Vertragsunterzeichnungen verschoben würden – aus Frust des Gründers über die öffentliche Berichterstattung zu seinen eigentlich vertraulichen Aussagen.
Anfang August nahm DeepSeek die Gespräche mit höherem Zielwert wieder auf: Lag die zuvor kolportierte Bewertung noch bei rund 70 bis 71 Milliarden Dollar, ist seither von bis zu 74 Milliarden Dollar die Rede. Diese Bewertung ist unabhängig nicht verifiziert, da sämtliche Zahlen auf anonymen, mit den Gesprächen vertrauten Personen beruhen; DeepSeek selbst äußerte sich bislang nicht öffentlich dazu.
Börsenpläne in Shanghai bleiben unverändert
An den grundsätzlichen Börsenplänen ändert sich nichts: DeepSeek bereitet weiterhin ein Listing am Shanghaier STAR-Market vor, wie bereits der Beitrag zur ersten Zielbewertung von 70 Milliarden Dollar im Juli beschrieben hatte. Ein Antrag auf die Erstnotierung könnte demnach noch 2026 eingereicht werden, das eigentliche Debüt wird weiterhin für 2027 erwartet. Auf demselben Marktplatz hatte zuvor bereits der Robotikhersteller Unitree sein Debüt gefeiert und dabei am ersten Handelstag rund 460 Prozent zugelegt – ein Signal für das Anleger-Interesse an chinesischen KI- und Robotik-Werten trotz eines insgesamt schwierigen IPO-Umfelds für Technologiefirmen in China.
Offizielle Bestätigungen zu Finanzierungsrunde oder Börsengang gibt es von DeepSeek selbst weiterhin nicht. Für ein 2023 gegründetes Unternehmen wäre der Sprung von der ersten Außenfinanzierung im Mai 2026 bis zu einem möglichen Börsengang binnen etwa anderthalb Jahren ungewöhnlich schnell.
Entscheidend wird, ob DeepSeek die Vertragsunterzeichnung diesmal tatsächlich wie angekündigt bis Ende August abschließt – im Juli war ein ähnlicher Zeitplan bereits einmal geplatzt. Gelingt der Abschluss bei 74 Milliarden Dollar, rückt DeepSeek trotz einer noch vergleichsweise kleinen Umsatzbasis von rund 500 Millionen Dollar in die Nähe der Bewertungen westlicher KI-Anbieter auf. Offen bleibt zudem, wie viel von dem frischen Kapital angesichts der US-Exportkontrollen tatsächlich in zusätzliche Rechenleistung umgesetzt werden kann, solange der Zugang zu den leistungsfähigsten Nvidia-Chips beschränkt bleibt.


