Nvidia hat im zweiten Geschäftsquartal 96,2 Milliarden Dollar Umsatz erzielt, doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Das Rechenzentrumsgeschäft wuchs um 117 Prozent auf 89 Milliarden Dollar. Die Aktie legte einen Tag nach den Zahlen um sechs Prozent zu, während der Chiphersteller vor sinkenden Gewinnspannen warnt.
Rechenzentrumssparte treibt Rekordquartal
Das Rechenzentrumsgeschäft bleibt der wichtigste Wachstumstreiber und steht inzwischen für 93 Prozent des Gesamtumsatzes. Laut der offiziellen Mitteilung von Nvidia stieg der Umsatz in diesem Segment binnen eines Jahres um 117 Prozent auf 89 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit rund 92,3 Milliarden Dollar Gesamtumsatz gerechnet, Nvidia übertraf diese Schätzung damit deutlich. Die Spielesparte wuchs unterdessen langsamer und kam auf 7,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 27 Prozent. Die Bruttomarge lag bei 75 Prozent, sowohl nach US-GAAP als auch in der bereinigten Rechnung. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg auf 2,22 Dollar, nach US-GAAP waren es 2,46 Dollar je Aktie, in beiden Fällen mehr als doppelt so viel wie im Vorjahresquartal. Nvidia zahlte im Quartal zudem rund 26 Milliarden Dollar in Form von Aktienrückkäufen und Dividenden an Anteilseigner aus. Konzernchef Jensen Huang erklärt den Sprung mit einem Wendepunkt der Technologie: Rechenleistung liefere inzwischen produktive, gewinnbringende Ergebnisse, weshalb Firmen bereit seien, mehr dafür zu zahlen. Die Nachfrage wachse weiter, werde aber durch ein begrenztes Angebot gebremst.
Prognose treibt Aktienkurs nach oben
Für das laufende dritte Fiskalquartal stellt Nvidia einen Umsatz von 108 Milliarden Dollar in Aussicht, ein Plus von rund zwölf Prozent gegenüber dem gerade abgeschlossenen Quartal. Bei den operativen Kosten kalkuliert der Konzern für das laufende Quartal mit rund 9,2 Milliarden Dollar nach US-GAAP. Die Aktie schloss am 26. August 2026, dem Tag der Veröffentlichung, im regulären Handel noch vor Bekanntgabe der Zahlen mit einem Minus von rund anderthalb Prozent. Nachbörslich drehte der Kurs und legte zeitweise mehr als vier Prozent zu, wie Yahoo Finance berichtet. Am Folgetag setzte sich die positive Reaktion fort: Die Aktie sprang im regulären Handel um sechs Prozent, auch die Kurse der Zulieferer AMD und Intel zogen an. Nvidia-Aktien waren zuvor in sechs der vergangenen acht Quartale nach der Zahlenvorlage zunächst gefallen, zuletzt vier Mal in Folge – die diesmal deutlich positivere Reaktion überrascht Beobachter daher. Die Kursausschläge bei Chip-Werten schwanken seit Wochen oft unabhängig von den eigenen Geschäftszahlen, wie eine Übersicht der jüngsten KI-Börsenwoche zeigt.
Steigende Speicherpreise belasten künftige Kosten
Der Ausblick auf sinkende Gewinnspannen hat einen konkreten Grund: Speicherchips, vor allem der in KI-Beschleunigern verbaute Hochleistungsspeicher HBM, gehören derzeit zu den knappsten Bauteilen der gesamten Technologiebranche. Nvidia rechnet damit, dass die Bruttomarge von aktuell 75 Prozent im vierten Fiskalquartal auf 71 bis 72 Prozent sinkt, bevor sie sich 2028 bei 72 bis 73 Prozent einpendelt. Das Unternehmen versucht, die höheren Bauteilkosten über eigene Preiserhöhungen aufzufangen. Laut einem Bericht des Marktforschers TrendForce hat Nvidia einzelne Kunden bereits informiert, dass komplette KI-Server-Systeme wie Vera Rubin und Grace Blackwell ab Anfang 2027 um mehr als 15 Prozent teurer werden. Für dasselbe Jahr erwarten Analysten einen Anstieg der HBM-Vertragspreise um mehr als 50 Prozent gegenüber 2026. Die Bank UBS geht sogar von 79 Prozent aus – unabhängig nicht verifiziert, da beide Schätzungen auf Marktprognosen beruhen, nicht auf Herstellerangaben. Für Unternehmen, die eigene KI-Infrastruktur kaufen oder mieten, dürfte sich das mittelfristig in höheren Anschaffungs- oder Cloud-Kosten niederschlagen. Auch die milliardenschweren Investitionspläne für neue Rechenzentren, wie sie Nvidia erst im August angekündigt hatte, dürften dadurch teurer werden.
Entscheidend wird, ob Nvidia die höheren Speicherkosten tatsächlich vollständig an Kunden weiterreichen kann, ohne dass Cloud-Anbieter ihre bislang beschleunigten Investitionspläne überdenken. Die ersten Vera-Rubin-Systeme sollen laut Prognose bereits Anfang 2027 zu den neuen, höheren Preisen ausgeliefert werden – ein erster Test, ob die Rechnung für Nvidia aufgeht.


