Anthropic erwägt laut einem Bericht des Fachdiensts The Information, beim geplanten Börsengang erstmals bestehenden Aktionären den Verkauf eigener Anteile zu erlauben. Der Prospekt soll nach dem US-Feiertag Labor Day am 7. September veröffentlicht werden, die Erstnotiz wird für Ende September oder Anfang Oktober erwartet. Banker diskutieren für den Börsengang eine Bewertung von 1,5 bis zwei Billionen Dollar.
Aktionäre verkaufen erstmals beim eigenen Börsengang mit
Die unter Investmentbanken diskutierte Struktur kombiniere neu ausgegebene Aktien, die frisches Kapital für Anthropic bringen, mit einem Verkaufsanteil bereits bestehender Anteilseigner. Wer genau verkaufen dürfe – frühe Investoren, Führungskräfte oder ein breiterer Kreis an Mitarbeitenden – lasse sich noch nicht sagen. The Information konnte den Umfang dieses Anteils nicht bestätigen. Die Konstruktion unterscheidet Anthropic von den bisherigen Erstnotizen von SpaceX und Cerebras Systems, die 2026 ausschließlich neue Aktien ausgaben. Bei den Techbörsengängen von CoreWeave und Figma verkauften dagegen auch Altaktionäre mit.
Um den Kursdruck nach der Erstnotiz zu verteilen, erwäge Anthropic zudem Haltefristen von mehr als den üblichen 180 Tagen für mindestens einen Teil der Aktionäre. Reguläre Mitarbeitende sollen ihre Anteile Berichten zufolge nur über vorab festgelegte Handelspläne verkaufen dürfen statt in den sonst üblichen Zeitfenstern nach Quartalszahlen. Die Maßnahmen sollen die nach dem jüngsten, steilen Wachstum erwartete Kursschwankung nach dem Börsenstart begrenzen. Anthropic äußerte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters nicht zu den Berichten.
Zeitplan und Bewertung richten sich nach dem Wachstumstempo
Anthropic will den Börsenprospekt nach dem 7. September veröffentlichen und plant für Mitte September einen Investorentag vor der eigentlichen Notierung. Die Erstnotiz selbst könnte demnach Ende September oder Anfang Oktober erfolgen – ein ähnliches Zeitfenster wie bei den Investorentreffen, die Anthropic bereits im Juli aufgenommen hatte. Banker sprechen inzwischen von einer möglichen Bewertung zwischen 1,5 und zwei Billionen Dollar. Im Mai 2026 hatte eine private Finanzierungsrunde das Unternehmen noch mit 965 Milliarden Dollar bewertet. Sechs Investoren hatten zuvor mindestens zwei Billionen Dollar als Zielmarke genannt, einer sogar drei Billionen für möglich gehalten – unabhängig nicht verifiziert bleibt bislang, welche Bewertung tatsächlich zustande kommt. Grundlage ist auch die zuletzt kräftig gestiegene annualisierte Umsatzrate, mit der Anthropic laut einer früheren Umsatzprognose bis 2028 auf 190 bis 200 Milliarden Dollar wachsen will. Ein Emissionsvolumen über den 86 Milliarden Dollar aus SpaceX’ Börsengang im Juni gilt als wahrscheinlich, womit Anthropics Notierung die bislang größte des Jahres wäre. Das Unternehmen tritt damit auch im Wettlauf mit Rivale OpenAI an, der bislang noch keinen eigenen Börsentermin genannt hat.
Entscheidend wird, ob Anthropic die ungewöhnliche Struktur mit dem offiziellen Prospekt bestätigt oder in der finalen Planung wieder verwirft – Details zu Börsengängen ändern sich in dieser Phase häufig noch. Setzt sich das Modell durch, dürfte es auch für andere KI-Firmen mit anstehendem Börsengang wie OpenAI zum Vergleichsmaßstab werden, wie Alt-Investoren und Mitarbeitende nach Jahren illiquider Anteile Kasse machen können.


