Google lässt Nutzerinnen und Nutzer ab sofort gekaufte E-Books aus Google Play Books direkt in Gemini Notebook laden, die frühere KI-Anwendung NotebookLM. Das neue Feature Expert Intelligence bindet nach Angaben des Konzerns mehr als 100.000 Buchtitel großer Verlage ein und beantwortet Fragen direkt aus dem Buchtext. Der Start erfolgt zunächst ausschließlich in den USA.
Funktion verankert Antworten direkt im Buchtext
Wer ein unterstütztes E-Book bei Google Play Books gekauft hat, kann es als Quelle in ein Notizbuch von Gemini Notebook laden und dort Fragen dazu stellen. Die KI verankert ihre Antworten laut Google direkt im Originaltext und erstellt auf Wunsch Quizfragen, Infografiken oder gesprochene Zusammenfassungen, sogenannte Audio Overviews. Nutzerinnen und Nutzer können das Buch zusätzlich mit eigenen Notizen oder weiteren Dateien verknüpfen – ähnlich wie Google es im Juli bereits für mehrere Dateien in Google Drive freigeschaltet hat.
Zum Start sind Titel von Verlagen wie Penguin Random House, Macmillan, O’Reilly Media, Bloomsbury, Johns Hopkins University Press und De Gruyter Brill kompatibel. Mehr als 15 Sachbuchautorinnen und -autoren, darunter Steven Pinker und Michael Pollan, haben zusätzlich kuratierte Featured Notebooks zu eigenen Werken beigesteuert.
Das Fachportal 9to5Google bestätigt, dass geteilte Notizbücher pro mitwirkender Person eine eigene gekaufte Kopie voraussetzen – eine Hürde gegen unlizenzierte Weitergabe. Gemini Notebook selbst trägt seit der Umbenennung von NotebookLM im Juli 2026 nach Unternehmensangaben mehr als 30 Millionen Nutzerinnen und Nutzer sowie über 600.000 Organisationen – Zahlen, die unabhängig nicht verifiziert sind.
Google baut Funktion inmitten laufender Verlagsklage aus
Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der Google wegen des KI-Trainings selbst unter juristischem Druck steht. Die Verlage Hachette, Elsevier und Cengage sowie Autor Scott Turow verklagen den Konzern seit dem 13. Juli 2026 mit dem Vorwurf, Gemini sei mit Millionen urheberrechtlich geschützter Bücher trainiert worden, teils aus illegalen Quellen. Expert Intelligence funktioniert dagegen über bereits bezahlte Käufe und eingebundene Verlagspartner und berührt die Klage damit nicht direkt. Google bezeichnet das Vorhaben als konzernweite Initiative, die vertrauenswürdige Quellen künftig über mehrere KI-Produkte hinweg zugänglich machen soll.
Der Konzern kündigt an, die Funktion in den kommenden Monaten auf die Gemini-App und den KI-Modus der Google-Suche auszuweiten. Später sollen zudem Abonnements Dritter, Lehrbücher und Unternehmensreports hinzukommen. Der Ausbau reiht sich in eine Serie von Gemini-Erweiterungen der vergangenen Wochen ein. Der Assistent überschritt im August die Marke von einer Milliarde monatlichen Nutzerinnen und Nutzern, ein Zuwachs von 650 Millionen seit Oktober 2025.
Entscheidend wird, ob Google die Zusammenarbeit mit Verlagen zur Blaupause für weitere lizenzierte KI-Funktionen macht. Ebenso offen ist, ob stattdessen der Rechtsstreit ums Training die Beziehung zur Verlagsbranche prägt – stärker als einzelne Produktfeatures wie Expert Intelligence. Offen bleibt zudem, wann Nutzerinnen und Nutzer außerhalb der USA – etwa in Deutschland oder der EU – auf Expert Intelligence zugreifen können. Einen Termin nennt Google bislang nicht.


