KI-Wirtschaft

DeepSeek strebt 70-Milliarden-Bewertung an – Wochen nach Rekordrunde

3 Min. Lesezeit
Eingang eines Bürokomplexes mit DeepSeek-Schriftzug in einer chinesischen Finanzmetropole, im Hintergrund eine Börsenkurstafel mit chinesischen Schriftzeichen Generiertes Bild mit GPT Image 2
Eingang eines Bürokomplexes mit DeepSeek-Schriftzug in einer chinesischen Finanzmetropole, im Hintergrund eine Börsenkurstafel mit chinesischen Schriftzeichen

TL;DR Too Long; Didn’t read

Der chinesische KI-Konzern DeepSeek sucht kurz nach seiner Rekordrunde erneut Investoren: Berichten zufolge sollen bei einer neuen Kapitalrunde rund 1,5 Milliarden Dollar zusammenkommen, die Bewertung läge dann bei etwa 70 Milliarden Dollar. Die erste Außenfinanzierung Ende Mai hatte noch sieben Milliarden Dollar bei rund 50 Milliarden Dollar Bewertung eingebracht. Zugleich bereitet das Unternehmen offenbar einen Börsengang in Festlandchina vor.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die erste externe Finanzierungsrunde brachte DeepSeek Ende Mai 2026 rund sieben Milliarden Dollar von Tencent, CATL und weiteren Investoren ein.
  • Nur sechs Wochen später sollen laut Reuters bereits neue Investoren mit mindestens umgerechnet 1,5 Milliarden Dollar einsteigen.
  • Ein Börsenantrag in Festlandchina könnte Berichten zufolge noch 2026 folgen, das eigentliche Listing eher 2027.
  • DeepSeek betreibt seine Modelle inzwischen überwiegend auf Huawei-Chips statt auf Nvidia-Hardware.
  • Laut einer Vercel-Auswertung entfielen im Juni rund 23 Prozent der Gateway-Tokens auf DeepSeek, bei Anthropic waren es 32 Prozent.
  • DeepSeek selbst hat sich zu den Berichten über Finanzierung und Börsenpläne bislang nicht öffentlich geäußert.

DeepSeek verhandelt gut sechs Wochen nach seiner ersten großen Außenfinanzierung bereits über frisches Kapital. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf die Financial Times von einer neuen Runde über umgerechnet rund 1,5 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von etwa 70 Milliarden Dollar. Parallel bereitet das chinesische KI-Unternehmen einem weiteren Bericht zufolge einen Börsengang vor.

Zweite Kapitalrunde folgt auf Rekordfinanzierung

DeepSeek schloss die erste Außenfinanzierung seiner Geschichte Ende Mai 2026 ab und sammelte dabei rund sieben Milliarden Dollar ein. Die Bewertung lag damals bei rund 50 Milliarden Dollar. Zu den Investoren zählten der Technologiekonzern Tencent und der Batteriehersteller CATL (Contemporary Amperex Technology), wie die South China Morning Post berichtet. Weitere Geldgeber sollen demnach unter anderem NetEase und JD.com gewesen sein, ebenso ein staatlich getragener Fonds für KI-Industrie aus Peking.

Für die neue Runde ist laut Reuters mindestens ein Kapitalvolumen von umgerechnet 1,5 Milliarden Dollar im Gespräch, nach Angaben einzelner Quellen könnten es auch deutlich mehr als zehn Milliarden Yuan werden. Die Gespräche befänden sich noch in einem frühen Stadium, Konditionen und Zeitplan könnten sich demnach noch ändern. Dass DeepSeek bereits rund sechs Wochen nach der letzten Runde erneut Kapital sucht, erklären südchinesische Presseberichte auch damit, dass viele interessierte Geldgeber bei der ersten Runde nicht zum Zug kamen und nun über eine zweite Tranche einsteigen wollen. Das Interesse gilt Marktbeobachtern zufolge auch politisch: DeepSeek gelte in China vielen Investoren als eine Art nationaler Vorzeigekonzern der KI-Branche.

Börsengang in Festlandchina rückt näher

Parallel zur neuen Finanzierungsrunde bereitet DeepSeek laut TechCrunch einen Börsengang in Festlandchina vor. Das Unternehmen arbeite demnach mit Wirtschaftsprüfungsgesellschaften an einem Jahresabschluss, der bis Ende Dezember vorliegen soll. Ein Antrag auf die Erstnotierung könnte bereits Ende 2026 oder Anfang 2027 eingereicht werden, das eigentliche Listing wird eher für 2027 erwartet.

Offizielle Bestätigungen von DeepSeek selbst gibt es bislang nicht. Sämtliche Angaben zu Zeitplan und Volumen stammen von mit den Gesprächen vertrauten Personen, die anonym bleiben wollten, weil es sich um private Informationen handelt. Ein Börsengang in China unterläge zudem der Prüfung durch die chinesische Wertpapieraufsicht, deren Verfahren für Technologieunternehmen in der Vergangenheit mehrere Monate bis Jahre dauern konnten. Für ein erst 2023 gegründetes Unternehmen wäre der Weg zur Börse in weniger als vier Jahren außergewöhnlich schnell.

Ein Listing in Festlandchina statt etwa in Hongkong oder den USA würde DeepSeek zudem stärker an heimische Investoren binden und regulatorische Risiken durch US-Beschränkungen für chinesische Tech-Aktien umgehen. Für die aktuelle Finanzierungsrunde dürfte die IPO-Perspektive ein zusätzliches Argument gegenüber neuen Geldgebern sein, weil sie einen konkreten Ausstiegszeitpunkt in Aussicht stellt.

Huawei-Chips ersetzen Nvidia-Hardware im Betrieb

DeepSeek betreibt seine Modelle wegen der US-Exportkontrollen für Hochleistungschips inzwischen überwiegend auf Hardware des chinesischen Herstellers Huawei statt auf Nvidia-Prozessoren, wie TechCrunch unter Berufung auf Bloomberg berichtet. Die Leistungsfähigkeit der Modelle könne demnach trotz der Beschränkungen mit US-amerikanischen Spitzenmodellen mithalten, was für ein Unternehmen ohne freien Zugang zu den leistungsfähigsten Nvidia-Chips bemerkenswert sei.

Zur Marktposition liefert eine Auswertung des Infrastrukturanbieters Vercel einen Anhaltspunkt: Im Juni 2026 entfielen rund 23 Prozent der über das unternehmenseigene KI-Gateway verarbeiteten Tokens auf DeepSeek-Modelle, bei Anthropic waren es rund 32 Prozent – unabhängig nicht verifiziert, da Vercel ausschließlich eigene Kundendaten auswertet und keine vollständige Marktabdeckung beansprucht. Für Investoren ist diese Nutzung dennoch ein Signal dafür, dass DeepSeek trotz der Sanktionen wirtschaftlich relevant bleibt und im internationalen Wettbewerb um Entwickler und Unternehmenskunden mithält.

Die Huawei-Kooperation zeigt zugleich, wie sich chinesische KI-Unternehmen und Chiphersteller im Zuge der Exportbeschränkungen enger aneinander binden. Für DeepSeeks Investoren ist die Abhängigkeit von heimischer Hardware ein zweischneidiges Argument: Sie sichert Unabhängigkeit von US-Sanktionen, könnte aber Kosten und Entwicklungstempo gegenüber Wettbewerbern mit Nvidia-Zugang beeinflussen.

Entscheidend wird, ob DeepSeek die neue Runde tatsächlich zu der kolportierten Bewertung abschließt oder ob Investoren angesichts der kurzen Taktung seit der letzten Runde niedrigere Konditionen durchsetzen. Offen bleibt zudem, ob ein Börsenantrag noch in diesem Jahr eingereicht wird oder sich wie bei anderen chinesischen Tech-Börsengängen zeitlich weiter verschiebt.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die für die neue Runde angestrebte Bewertung von DeepSeek?

Berichten von Reuters und der Financial Times zufolge peilt DeepSeek für die neue Runde eine Bewertung von rund 70 Milliarden Dollar an, teils werden auch 71 Milliarden Dollar genannt.

Wer investierte in die erste Finanzierungsrunde von DeepSeek?

Zu den Geldgebern der Ende Mai 2026 abgeschlossenen Runde zählten laut südchinesischer Presseberichte unter anderem Tencent und der Batteriehersteller CATL.

Plant DeepSeek einen Börsengang?

Ja, das Unternehmen bereitet laut TechCrunch ein Listing in Festlandchina vor, ein Antrag könnte noch 2026 eingereicht werden, das eigentliche Debüt wird eher für 2027 erwartet.

Warum sucht DeepSeek so kurz nach der letzten Runde erneut Kapital?

Presseberichten zufolge kamen bei der ersten Runde nicht alle interessierten Geldgeber zum Zug, weshalb nun offenbar eine zweite Tranche mit weiteren Investoren aufgelegt wird.

Auf welcher Hardware laufen DeepSeeks Modelle?

Wegen US-Exportkontrollen setzt DeepSeek Berichten von Bloomberg und TechCrunch zufolge inzwischen überwiegend auf Chips des chinesischen Herstellers Huawei statt auf Nvidia-Prozessoren.


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