Nvidia investiert 3,5 Milliarden Dollar in Wandelanleihen des taiwanischen Chipdesigners MediaTek und vertieft damit eine langjährige Partnerschaft bei KI-Chips, PC-Prozessoren und Autotechnik. Die am Montag angekündigte Vereinbarung ist Teil einer Gesamtanleihe über 3,9 Milliarden Dollar, an der sich auch Alphabet beteiligt. Die Nvidia-Aktie reagierte mit einem Kursrutsch von knapp fünf Prozent.
MediaTek gibt Wandelanleihen über 3,9 Milliarden Dollar aus
Nvidia und MediaTek teilten die Investition am Montag in einer gemeinsamen Mitteilung mit. MediaTek platziert zinslose Wandelanleihen im Gesamtvolumen von 3,9 Milliarden Dollar, Nvidia zeichnet davon 3,5 Milliarden Dollar. Weil die Anleihe keine laufenden Zinsen zahlt, trägt MediaTek vor allem das Risiko einer künftigen Verwässerung der Altaktionäre, falls Bondhalter später tatsächlich wandeln. Konkrete weitere Bedingungen zur Mittelverwendung nannten die Unternehmen nicht. Laut einem Bericht von Crypto Briefing beteiligt sich zusätzlich der Google-Mutterkonzern Alphabet an der Anleihe, ohne die eigene Summe offenzulegen. Der Wandlungspreis liege demnach bei umgerechnet rund 115 Prozent über dem MediaTek-Aktienkurs vom Ausgabetag – Bondhalter setzen also auf einen deutlich höheren Kurs, bevor sich eine Wandlung in Aktien lohnt. Die Anleihe soll am 8. September abgeschlossen und anschließend an der Börse Singapur notiert werden. MediaTek ist Taiwans größter Chipdesigner und drängt seit einem im Juli genehmigten Fünf-Milliarden-Dollar-Finanzierungsplan verstärkt vom klassischen Smartphone-Geschäft in Rechenzentrum-Chips für KI-Anwendungen, ein Markt, den bislang vor allem Nvidia selbst sowie AMD und Broadcom prägen.
NVLink Fusion öffnet Nvidias Rechenzentren für fremde Chips
Kern der vertieften Partnerschaft ist die Technik NVLink Fusion: MediaTek übernimmt die Plattform, damit Kunden eigene KI-Beschleuniger, sogenannte XPUs, entwickeln und in Nvidias vernetzte Rechenzentrums-Racks einbinden können. Die Technik kombiniert NVLink-Fusion-Chiplets, die Verbindungstechnik NVLink-C2C und Nvidias Speicherstandard NVHBM zu einem vorgefertigten Baukasten und soll laut Mitteilung Cloud-Anbietern, Hyperscalern und Entwicklern eigener KI-Modelle einen vorab getesteten Entwicklungspfad liefern, statt jede Anbindung einzeln zu entwickeln. Nvidia-Chef Jensen Huang erklärte laut Mitteilung, KI verändere jede Rechenplattform. MediaTek-Chef Rick Tsai betonte, die Partnerschaft reiche von Cloud-Infrastruktur über lokale KI-Rechenleistung bis zur Autobranche. Praktisch heißt das: Beide Firmen entwickeln zusätzlich mehrere Generationen der PC- und Entwicklerchips RTX Spark und DGX Spark gemeinsam weiter, die Nvidia-Grafikprozessoren mit MediaTek-Chips für Notebooks, KI-Workstations und Entwicklersysteme verbinden. In der Autobranche setzen beide Unternehmen ihre Zusammenarbeit an MediaTeks Dimensity-Auto-Plattformen für softwaredefinierte, KI-gestützte Fahrzeuge fort – ein Geschäftsfeld, in dem MediaTek bereits heute mit Nvidia kooperiert und das mit dem Aufstieg autonomer Fahrfunktionen weiter an Bedeutung gewinnt.
Anleger befürchten zirkuläre Finanzierung in der KI-Branche
Trotz der milliardenschweren Allianz schloss die Nvidia-Aktie am Ankündigungstag knapp fünf Prozent tiefer bei 217,55 Dollar, während die MediaTek-Aktie an der Börse in Taiwan zeitweise um rund 1,5 Prozent nachgab. Auslöser war laut Bloomberg die erneut aufgeflammte Sorge vor zirkulärer Finanzierung: Nvidia pumpt wiederholt Milliarden in Firmen, die zugleich zu seinen wichtigsten Kunden und Zulieferern zählen, darunter erst im August die 105-Milliarden-Dollar-Garantie für ein OpenAI-Rechenzentrum in Ohio und eine Finanzierungsinitiative über 500 Milliarden Dollar für externe KI-Rechenzentren. Der Preis für fünfjährige Kreditausfallversicherungen auf Nvidia-Anleihen war bereits Ende Juli aus ähnlichem Anlass – den milliardenschweren KI-Finanzierungsdeals mit OpenAI und der SK Group – so stark gestiegen wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen und verharrt seither nahe diesem Rekordniveau – ein Indikator dafür, dass Anleger das Ausfallrisiko der Nvidia-Schulden neu bewerten und zugleich die Verflechtung des Konzerns mit seinen eigenen Kunden kritischer sehen als noch vor wenigen Monaten. Kritiker werten das Muster als Signal dafür, dass ein Teil der aktuellen KI-Nachfrage auf Nvidias eigenem Kapital statt auf unabhängiger Kundennachfrage beruht – eine Einschätzung, die unabhängig nicht verifiziert ist und von Nvidia selbst nicht kommentiert wurde.
Entscheidend wird, ob sich das Muster wiederholter Beteiligungen an Kunden und Zulieferern fortsetzt, während Nvidia parallel Milliarden für fremde KI-Infrastruktur bereitstellt. Der Abschluss der MediaTek-Anleihe am 8. September und die anschließende Notierung in Singapur liefern einen ersten Test, ob die Anleger-Sorge über zirkuläre Finanzierung abebbt oder sich in den kommenden Quartalszahlen beider Unternehmen weiter verfestigt.


