Microsoft bereitet laut einem Bericht von The Information ein neues KI-Sicherheitswerkzeug mit dem internen Namen Project Perception vor. Das System soll Schwachstellen in Unternehmenssoftware automatisiert aufspüren und beheben und kombiniert dafür Modelle von Microsoft, OpenAI und Anthropic. Es tritt damit in direkte Konkurrenz zu Anthropics eigenem Sicherheitsprodukt Mythos.
Bericht beschreibt Kostenvorteil gegenüber Mythos
Wie The Information unter Berufung auf interne Quellen berichtet, soll Project Perception noch in diesem Monat starten. Das Werkzeug wählt für jede Analyseaufgabe gezielt ein passendes KI-Modell aus, statt durchgehend auf teure Spitzenmodelle zu setzen, und leitet einfache Prüfschritte an günstigere Modelle weiter. Diese Steuerung soll die Kosten gegenüber Mythos deutlich senken: Mythos-Abfragen kosten dem Bericht zufolge bis zu 100 Prozent mehr als vergleichbare Anfragen mit Opus und bis zu 82 Prozent mehr als mit GPT-Modellen – unabhängig nicht verifiziert.
Project Perception soll zudem breiter zugänglich sein als Mythos, das bislang nur rund 50 Partnerorganisationen aus dem sogenannten Glasswing-Programm offensteht. Microsoft verfolgt damit einen Ansatz, den auch andere Anbieter bei günstigeren Modellen aus China anwenden: mehrere Systeme kombinieren, statt sich auf ein einzelnes teures Spitzenmodell zu verlassen. Eine offizielle Bestätigung durch Microsoft, konkrete Preise oder ein festes Startdatum gibt es bislang nicht – sämtliche Angaben stammen aus dem Bericht von The Information.
Vorläufer MDASH liefert bereits geprüfte Sicherheitsergebnisse
Die technische Grundlage für Project Perception liefert das interne System MDASH, das Microsoft im Juni erneut in einem Blogbeitrag dokumentiert hat. Wie Beckmann.ai bereits im Juli berichtete, weitet Microsoft den Einsatz von MDASH seit dem 9. Juli 2026 auf den gesamten Windows-Code aus. Nach Microsoft-Angaben erreichte MDASH auf dem CyberGym-Benchmark mit 1.507 realen Schwachstellen-Aufgaben inzwischen eine Trefferquote von 96,5 Prozent. Beim Juni-Patchday identifizierte das System zehn CVE-Einträge, darunter drei kritische Schwachstellen mit Rechteausweitung in Hyper-V sowie weitere Lücken im Windows-Kernel, in DNS- und DHCP-Clients und im Remote-Desktop-Client. Das Windows-Sicherheitsteam erklärt, MDASH ermögliche Schwachstellensuche im Umfang von Windows bei deutlich größerer Tiefe als frühere Verfahren.
Auf der anderen Seite vermarktet Anthropic Mythos als Frontier-Modell speziell für Sicherheitsteams und bindet Unternehmen über das Glasswing-Programm ein. Bis zum 22. Mai 2026 identifizierten die rund 50 teilnehmenden Organisationen nach Angaben aus dem Programm gemeinsam mehr als 10.000 kritische und hochriskante Schwachstellen. Project Perception würde die MDASH-Technik demnach erstmals als eigenständiges, für zahlende Kunden zugängliches Produkt verpacken und träte damit direkt gegen dieses etablierte Ergebnis an. Für Unternehmen mit eigener Softwareentwicklung verschiebt sich der Wettbewerb bei KI-gestützter Schwachstellensuche damit von reiner Erkennungsgenauigkeit hin zu Kosten pro Scan und Zugänglichkeit. Größere IT-Abteilungen könnten künftig zwischen mehreren spezialisierten Anbietern wählen, statt wie bisher überwiegend auf ein einzelnes System angewiesen zu sein.
Offen bleibt, ob Microsoft den für Juli kolportierten Starttermin hält und wie das Unternehmen die Ergebnisse von Project Perception öffentlich belegt, sobald das Tool tatsächlich verfügbar ist. Die bislang bekannten Kostenvorteile stammen allein aus dem Bericht von The Information; eine unabhängige Prüfung der Trefferquote außerhalb von Microsofts eigenen Systemen steht noch aus.


