Figure und der britische Recheninfrastruktur-Anbieter Nscale haben eine mehrjährige Partnerschaft vereinbart, die dem Robotik-Start-up Zugriff auf Grafikprozessoren im Wert von 3,5 Milliarden Dollar sichert. Die Summe übersteigt die gesamte bisherige Finanzierung des Unternehmens von rund 1,9 Milliarden Dollar. Nscale wiederum steigt im Gegenzug als Kapitalgeber bei Figure ein.
Nscale liefert bis zu 100.000 Grafikprozessoren ab 2027
Die Vereinbarung zwischen Figure und Nscale wurde am 3. September 2026 verkündet. Sie sieht vor, dass Nscale dem Robotikunternehmen Zugang zu bis zu 100.000 Grafikprozessoren verschafft. Die Chips stammen von der neuen Nvidia-Plattform Vera Rubin. Die ersten Systeme sollen laut der gemeinsamen Mitteilung von Figure und Nscale in der zweiten Jahreshälfte 2027 in Barstow im Westen von Texas ans Netz gehen. Das Ausgangs-Commitment liegt bei 3,5 Milliarden Dollar. Beide Unternehmen kündigen an, den Umfang perspektivisch auf mehr als sechs Milliarden Dollar auszuweiten. Als Gegenleistung erhält Nscale eine Kapitalbeteiligung an Figure und wird dessen bevorzugter Anbieter für Recheninfrastruktur. Wie hoch der Anteil ausfällt, teilten beide Firmen nicht mit. Figure-Gründer Brett Adcock erklärt in der gemeinsamen Partnerschafts-Ankündigung, das Unternehmen sei bei der Weiterentwicklung seines humanoiden Robotermodells derzeit vor allem durch fehlende Trainingsdaten und Rechenkapazität begrenzt. Nvidia-Chef Jensen Huang bezeichnet die Kooperation als einen sich selbst verstärkenden Kreislauf aus physischer KI. Modelle sollen dadurch schneller in einsatzfähige Roboter überführt werden. Figure hatte die Fertigung seines Humanoiden Figure 03 zuletzt binnen weniger Monate von einer Einheit pro Tag auf eine Einheit pro Stunde gesteigert. Den zusätzlichen Rechenbedarf begründet das Unternehmen auch mit dieser Serienproduktion.
Figures Finanzierung bleibt hinter der Zusage zurück
Auffällig ist die Kluft zwischen Zusage und bisheriger Kapitaldecke. Figure hat nach Finanzierungsberichten insgesamt rund 1,9 Milliarden Dollar eingesammelt. Davon stammt über eine Milliarde Dollar aus der Serie-C-Runde vom September 2025. Diese bewertete das Unternehmen mit 39 Milliarden Dollar. Die neue Rechenleistungs-Zusage von 3,5 Milliarden Dollar liegt damit fast doppelt so hoch wie die gesamte bisherige Finanzierung. Wie das Fachportal eWeek einordnet, handelt es sich bei der Summe nicht um eine sofort fällige Zahlung. Es handelt sich stattdessen um ein mehrjähriges Commitment. Der genaue Zahlungsplan ist unabhängig nicht verifiziert. Offen bleibt, wie Figure die Ausgaben über die Vertragslaufzeit refinanzieren will. Weitere Finanzierungsrunden erscheinen parallel dazu wahrscheinlich. Weder Figure noch Nscale haben beziffert, welchen Anteil Figure aus eigenen Mitteln trägt. Ebenso unklar bleibt, welchen Anteil Nscale über die eigene Kapitalbeteiligung vorfinanziert. Für Robotik-Start-ups ist ein solches Missverhältnis zwischen Umsatzbasis und Infrastrukturausgaben nicht unüblich. Auch das chinesische Start-up Dexmal verhandelt aktuell eine neue Bewertungsrunde, um sein Wachstum zu finanzieren.
Barstow bündelt bereits Microsofts Rechenlast
Der Standort Barstow in Texas ist für Nscale kein Neuland. Er ist nicht mit dem bekannteren Barstow in Kalifornien an der Route 66 zu verwechseln. Bereits im Oktober 2025 hatte das Unternehmen mit Microsoft einen Vertrag geschlossen. Er umfasst bis zu 104.000 Grafikprozessoren in einer 240-Megawatt-Anlage am selben Ort, wie Data Center Knowledge berichtet. Nscale selbst hatte sich im September 2025 in einer Serie-B-Runde 1,1 Milliarden Dollar gesichert. Das Geld dient dem Ausbau des eigenen Rechenzentrumsnetzes in Europa, Nordamerika und dem Nahen Osten. Im selben Zeitraum investierte das Unternehmen weitere 865 Millionen Dollar in eine Anlage in North Carolina. Erst im August 2026 hatte Nscale zudem einen 45-Milliarden-Dollar-Deal mit Anthropic für ein Rechenzentrum in West Virginia besiegelt. Der Figure-Deal reiht sich damit in eine wachsende Zahl ähnlicher Vereinbarungen ein. Cloud-Anbieter tauschen darin Rechenkapazität gegen Kapitalbeteiligungen an KI- und Robotik-Firmen. Vergleichbar ist etwa Nvidias Rubin-Chip-Lieferung an eine japanische KI-Fabrik für Industrieroboter. Für Figure verspricht die Bündelung mehrerer Großkunden am gleichen Standort schnelleren Zugriff auf bereits bestehende Energie- und Kühlinfrastruktur. Das lässt die Inbetriebnahme ab 2027 realistischer erscheinen als ein komplett neuer Rechenzentrums-Standort.
Entscheidend wird, ob Figure die zugesagten Milliarden tatsächlich abrufen kann. Zwischenzeitlich weiteres Eigenkapital aufzunehmen wäre ein Rückschlag für das junge Unternehmen. Die Serie-C-Bewertung von 39 Milliarden Dollar liegt bislang nur auf dem Papier vor. Die Rechenleistungs-Rechnung dagegen wird real fällig. Ein erster Prüfstein ist die zweite Jahreshälfte 2027, wenn die ersten Vera-Rubin-Systeme in Barstow tatsächlich laufen sollen.


