Sicherheit

Tesla Cybercab: US-Behörde startet Sicherheitsprüfung

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Die US-Behörde NHTSA prüft seit dem 3. September 2026 in einer Audit Query, ob rund 1.000 selbstzertifizierte Tesla-Cybercabs ohne Lenkrad und Pedale geltende Sicherheitsstandards erfüllen. Anders als die Amazon-Tochter Zoox durchlief Tesla kein behördliches Ausnahmeverfahren. Die Tesla-Aktie fiel daraufhin um rund sechs Prozent.

Ein zweisitziges Cybercab ohne Lenkrad mit Tesla-Logo-Sticker steht auf einer Straße unter einem schwebenden Prüfstempel in Fragezeichen-Form. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • NHTSA eröffnete am 3. September die Prüfung AQ26002 zu rund 1.000 Cybercab-Fahrzeugen.
  • Der Cybercab besitzt weder Lenkrad noch Pedale noch Spiegel als feste Bedienelemente.
  • Tesla zertifizierte die Sicherheit selbst, statt wie Zoox eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen.
  • Die Tesla-Aktie verlor am Tag nach Bekanntwerden rund sechs Prozent.
  • Zooxs Genehmigungsverfahren dauerte von der ersten Prüfung bis zum Abschluss etwa vier Jahre.
  • Tesla peilt einen Verkaufspreis unter 30.000 Dollar bei einer Jahreskapazität von über 125.000 Fahrzeugen an.

Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hat am 3. September 2026 eine Prüfung gegen Tesla eingeleitet, einen Tag nachdem der Autobauer sein fahrerloses Robotaxi Cybercab in Austin kommerziell startete. Im Zentrum steht Teslas eigene Zertifizierung, dass rund 1.000 Fahrzeuge ohne Lenkrad, Pedale und Spiegel geltende Bundessicherheitsstandards erfüllen. Die Tesla-Aktie fiel am Folgetag um rund sechs Prozent.

NHTSA hinterfragt Teslas Selbstzertifizierung

Die Behörde eröffnete das Verfahren unter der Bezeichnung Audit Query AQ26002 und begründet es mit öffentlich zugänglichen Informationen zum Marktstart. Geprüft werden der Prozess und die technischen Daten, auf die sich Tesla bei der Zertifizierung stützte. Besonders im Fokus steht laut der Behörde, inwieweit Teslas Zertifizierung auf der Annahme beruht, bestimmte Bundessicherheitsstandards (FMVSS) gälten für den Cybercab schlicht nicht, weil sie ursprünglich für Fahrzeuge mit menschlichen Fahrern formuliert wurden. Der Cybercab besitzt weder fest verbaute Pedale noch ein Lenkrad noch Spiegel – Bauteile, die praktisch jede bisherige Zulassungsregel voraussetzt.

Tesla hatte die Behörde vorab informiert, dass es die Fahrzeuge eigenständig als vollständig konform einstuft, und kündigte zugleich an, den kommerziellen Betrieb schrittweise auf weitere Fahrzeuge und Standorte auszuweiten. Eine Audit Query ist dabei kein Rückruf und keine Feststellung eines Verstoßes, sondern zunächst eine Nachweispflicht: Tesla muss offenlegen, wie es zu seiner Einschätzung kam. Wie lange die Prüfung dauert, teilte die Behörde nicht mit.

Tesla wählt einen anderen Weg als Amazons Zoox

Tesla verzichtete damit auf ein Verfahren, das die Amazon-Tochter Zoox für ein technisch ähnliches Fahrzeug durchlief. Zoox stellte bereits 2022 fest, dass die NHTSA seine Selbstzertifizierung prüfte, beantragte anschließend eine formelle Ausnahmegenehmigung nach dem sogenannten Part-555-Verfahren und erhielt sie erst im Juli 2026 – nach mehr als 750.000 autonom gefahrenen Testkilometern. Die Genehmigung deckt acht einzelne Sicherheitsvorgaben ab, etwa zu Pedalen, Spiegeln und Warnhinweisen, und ist auf 2.500 Fahrzeuge pro Jahr sowie eine Laufzeit von zwei Jahren begrenzt; die Behörde kann sie bei schweren Sicherheitsmängeln jederzeit widerrufen.

Tesla ging diesen mehrjährigen Antragsweg nicht und stützt sich stattdessen auf die eigene Zertifizierung – ein Vorgehen, das rechtlich zulässig ist, aber offenbar genau die Nachfragen auslöst, die eine Ausnahmegenehmigung im Vorfeld geklärt hätte.

Börse reagiert nervös, Rollout-Pläne bleiben ambitioniert

Tesla-Aktien fielen laut einem Bericht von Protos am Tag nach Bekanntwerden der Prüfung um bis zu 6,5 Prozent, während der Nasdaq-100-Index im gleichen Zeitraum nur leicht nachgab. Tesla erklärt, der Cybercab sei so konstruiert, dass er das sicherste Auto der Straße sei; eine Stellungnahme zur laufenden Prüfung gab das Unternehmen zunächst nicht ab.

An den Rollout-Plänen hält der Konzern fest: Er peilt für den Cybercab einen Verkaufspreis von unter 30.000 Dollar und eine Fertigungskapazität von mehr als 125.000 Fahrzeugen pro Jahr an. Zum Marktstart standen in Austin 45 Fahrzeuge über die Robotaxi-App bereit; sie ergänzen den bestehenden Dienst, den Tesla bereits in fünf weiteren Städten in Texas und Florida betreibt. Einen Zeitplan oder Pläne für Europa oder Deutschland nannte Tesla nicht.

Entscheidend wird, ob die NHTSA aus der Prüfung Konsequenzen zieht, die Tesla zu einem nachträglichen Part-555-Antrag zwingen, oder ob die Selbstzertifizierung ohne Auflagen Bestand hat. Die Antwort dürfte über den Einzelfall hinaus wirken: Mehrere Hersteller entwickeln derzeit Fahrzeuge ohne klassische Bedienelemente, und ein Präzedenzfall der NHTSA würde festlegen, ob Selbstzertifizierung dafür überhaupt ein gangbarer Weg bleibt. Einen Termin für einen Zwischenbericht nannte die Behörde bislang nicht.

Häufige Fragen

Ist der Cybercab in Deutschland oder der EU verfügbar?

Nein. Der Dienst läuft bislang ausschließlich in Austin, Texas; Tesla nannte keine Pläne für einen Markteintritt in Europa oder Deutschland.

Was kostet der Cybercab?

Tesla peilt für den Verkauf einen Preis von unter 30.000 Dollar an. Aktuell werden in Austin nur bezahlte Fahrten über die Robotaxi-App angeboten, kein Fahrzeugverkauf.

Wie unterscheidet sich Teslas Vorgehen von Zoox?

Zoox beantragte vorab eine formelle Ausnahmegenehmigung (Part 555) bei der NHTSA, ein Prozess von der ersten Prüfung 2022 bis zur Genehmigung im Juli 2026. Tesla verzichtete darauf und zertifizierte die Fahrzeuge selbst.

Wie lange dauert die NHTSA-Prüfung voraussichtlich?

Die Behörde nennt keine Frist. Vergleichbare Audit Queries wie im Fall Zoox zogen sich in der Vergangenheit über mehrere Jahre hin.

Muss Tesla den Cybercab-Betrieb wegen der Prüfung stoppen?

Nein. Eine Audit Query ist kein Rückruf und keine Feststellung eines Verstoßes; der Betrieb in Austin läuft während der Prüfung unverändert weiter.

Quellen (5)
  1. NHTSA – Open Audit Query AQ26002 (Tesla Cybercab FMVSS Certification)
  2. Electrek – Tesla Cybercab is already under NHTSA investigation after launch
  3. Protos – Tesla drops 6% as Cybercab faces federal audit
  4. Yahoo Finance – Tesla Just Launched the Cybercab. Now the Feds Are Investigating It.
  5. GoodCarBadCar – Zoox Wins First NHTSA Part 555 Robotaxi Exemption

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