Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hat am 3. September 2026 eine Prüfung gegen Tesla eingeleitet, einen Tag nachdem der Autobauer sein fahrerloses Robotaxi Cybercab in Austin kommerziell startete. Im Zentrum steht Teslas eigene Zertifizierung, dass rund 1.000 Fahrzeuge ohne Lenkrad, Pedale und Spiegel geltende Bundessicherheitsstandards erfüllen. Die Tesla-Aktie fiel am Folgetag um rund sechs Prozent.
NHTSA hinterfragt Teslas Selbstzertifizierung
Die Behörde eröffnete das Verfahren unter der Bezeichnung Audit Query AQ26002 und begründet es mit öffentlich zugänglichen Informationen zum Marktstart. Geprüft werden der Prozess und die technischen Daten, auf die sich Tesla bei der Zertifizierung stützte. Besonders im Fokus steht laut der Behörde, inwieweit Teslas Zertifizierung auf der Annahme beruht, bestimmte Bundessicherheitsstandards (FMVSS) gälten für den Cybercab schlicht nicht, weil sie ursprünglich für Fahrzeuge mit menschlichen Fahrern formuliert wurden. Der Cybercab besitzt weder fest verbaute Pedale noch ein Lenkrad noch Spiegel – Bauteile, die praktisch jede bisherige Zulassungsregel voraussetzt.
Tesla hatte die Behörde vorab informiert, dass es die Fahrzeuge eigenständig als vollständig konform einstuft, und kündigte zugleich an, den kommerziellen Betrieb schrittweise auf weitere Fahrzeuge und Standorte auszuweiten. Eine Audit Query ist dabei kein Rückruf und keine Feststellung eines Verstoßes, sondern zunächst eine Nachweispflicht: Tesla muss offenlegen, wie es zu seiner Einschätzung kam. Wie lange die Prüfung dauert, teilte die Behörde nicht mit.
Tesla wählt einen anderen Weg als Amazons Zoox
Tesla verzichtete damit auf ein Verfahren, das die Amazon-Tochter Zoox für ein technisch ähnliches Fahrzeug durchlief. Zoox stellte bereits 2022 fest, dass die NHTSA seine Selbstzertifizierung prüfte, beantragte anschließend eine formelle Ausnahmegenehmigung nach dem sogenannten Part-555-Verfahren und erhielt sie erst im Juli 2026 – nach mehr als 750.000 autonom gefahrenen Testkilometern. Die Genehmigung deckt acht einzelne Sicherheitsvorgaben ab, etwa zu Pedalen, Spiegeln und Warnhinweisen, und ist auf 2.500 Fahrzeuge pro Jahr sowie eine Laufzeit von zwei Jahren begrenzt; die Behörde kann sie bei schweren Sicherheitsmängeln jederzeit widerrufen.
Tesla ging diesen mehrjährigen Antragsweg nicht und stützt sich stattdessen auf die eigene Zertifizierung – ein Vorgehen, das rechtlich zulässig ist, aber offenbar genau die Nachfragen auslöst, die eine Ausnahmegenehmigung im Vorfeld geklärt hätte.
Börse reagiert nervös, Rollout-Pläne bleiben ambitioniert
Tesla-Aktien fielen laut einem Bericht von Protos am Tag nach Bekanntwerden der Prüfung um bis zu 6,5 Prozent, während der Nasdaq-100-Index im gleichen Zeitraum nur leicht nachgab. Tesla erklärt, der Cybercab sei so konstruiert, dass er das sicherste Auto der Straße sei; eine Stellungnahme zur laufenden Prüfung gab das Unternehmen zunächst nicht ab.
An den Rollout-Plänen hält der Konzern fest: Er peilt für den Cybercab einen Verkaufspreis von unter 30.000 Dollar und eine Fertigungskapazität von mehr als 125.000 Fahrzeugen pro Jahr an. Zum Marktstart standen in Austin 45 Fahrzeuge über die Robotaxi-App bereit; sie ergänzen den bestehenden Dienst, den Tesla bereits in fünf weiteren Städten in Texas und Florida betreibt. Einen Zeitplan oder Pläne für Europa oder Deutschland nannte Tesla nicht.
Entscheidend wird, ob die NHTSA aus der Prüfung Konsequenzen zieht, die Tesla zu einem nachträglichen Part-555-Antrag zwingen, oder ob die Selbstzertifizierung ohne Auflagen Bestand hat. Die Antwort dürfte über den Einzelfall hinaus wirken: Mehrere Hersteller entwickeln derzeit Fahrzeuge ohne klassische Bedienelemente, und ein Präzedenzfall der NHTSA würde festlegen, ob Selbstzertifizierung dafür überhaupt ein gangbarer Weg bleibt. Einen Termin für einen Zwischenbericht nannte die Behörde bislang nicht.


