Amazon hat sein Investment in OpenAI vollständig abgeschlossen: Der Cloud- und Handelskonzern zahlte die letzte Tranche von 35 Milliarden Dollar bereits Ende Juli aus, wie aus einer SEC-Meldung vom 31. Juli 2026 hervorgeht. Insgesamt investierte Amazon 50 Milliarden Dollar und hält damit rechnerisch rund fünf Prozent an dem KI-Unternehmen aus San Francisco.
Amazon zahlt letzte Tranche vor dem vertraglichen Termin
Amazon und OpenAI hatten die Investition erstmals am 27. Februar 2026 angekündigt: 15 Milliarden Dollar sollte Amazon sofort einbringen, weitere 35 Milliarden Dollar erst, sobald OpenAI bestimmte, nicht näher genannte Bedingungen erfüllt. Diese zweite Tranche zahlte Amazon nun in zwei Schritten aus – 13,7 Milliarden Dollar im zweiten Quartal, die restlichen 21,3 Milliarden Dollar nach dem 30. Juni. Laut dem Quartalsbericht an die US-Börsenaufsicht SEC investierte Amazon das Geld in Series-C-Vorzugsaktien von OpenAI.
Der Konzern bilanziert die Beteiligung nicht nach der Equity-Methode, sondern als sogenannte Level-3-Fair-Value-Messung in der Position „Sonstige Erträge und Aufwendungen” – schwankt OpenAIs Bewertung künftig, schlägt sich das direkt in Amazons Quartalsergebnis nieder. Warum Amazon die eigentlich an Bedingungen geknüpfte Schlusszahlung vorzeitig leistete, teilte der Konzern nicht mit; als mögliche Gründe gelten ein bereits erreichter Leistungsmeilenstein oder OpenAIs im Juni vertraulich eingereichter Börsenantrag. Amazon ist damit nicht nur bei OpenAI, sondern parallel auch bei dessen Konkurrenten Anthropic engagiert – aus dieser Beteiligung verbuchte der Konzern nach eigenen Angaben im ersten Quartal 2026 einen Bewertungsgewinn von 16,8 Milliarden Dollar vor Steuern.
AWS sichert sich Exklusivrechte für Frontier-Agenten
Im Gegenzug für die Kapitalspritze weitet OpenAI seine Infrastrukturpartnerschaft mit AWS aus. Amazons Cloud-Sparte wird laut übereinstimmenden Berichten exklusiver externer Cloud-Anbieter für Frontier, eine neue Plattform, über die Unternehmen eigene KI-Agententeams für wiederkehrende Arbeitsabläufe aufbauen und verwalten sollen. Der erweiterte Vertrag soll ein bestehendes 38-Milliarden-Dollar-Abkommen um bis zu 100 Milliarden Dollar über acht Jahre aufstocken; OpenAI verpflichtet sich demnach, bis zu zwei Gigawatt Rechenkapazität auf Amazons eigenen Trainium-Chips abzunehmen – das entspricht in etwa der Dauerleistung von zwei großen Kraftwerksblöcken.
Diese Zahlen stammen aus Presseberichten; weder Amazon noch OpenAI haben die Vertragsdetails offiziell bestätigt. Amazons eigenes KI-Geschäft bei AWS wuchs zuletzt dreistellig: Im selben Quartalsbericht bezifferte der Konzern die annualisierte Umsatzrate für KI-Dienste auf mehr als 25 Milliarden Dollar. Wie eng Kapitalspritzen wie diese mit dem eigenen Ausbau der Rechenzentren verzahnt sind, zeigt Amazons gestiegener Investitionsbedarf: Der Konzern hatte sein Budget für KI-Infrastruktur 2026 erst wenige Tage zuvor auf 220 Milliarden Dollar angehoben.
Microsofts Anteil bleibt deutlich größer als Amazons
Amazon äußerte sich nicht offiziell zur genauen Höhe seines neuen Anteils. Setzt man die Investitionssumme ins Verhältnis zu OpenAIs Bewertung von 852 Milliarden Dollar aus der Finanzierungsrunde vom März 2026, ergibt sich rechnerisch ein Anteil von rund fünf Prozent – eine Schätzung, die unabhängig nicht verifiziert ist. Microsoft hält nach eigenen Angaben in seinen Quartalsunterlagen weiterhin etwa 27 Prozent an OpenAI auf voll verwässerter Basis und bilanziert diesen Anteil nach der Equity-Methode, wodurch Gewinne und Verluste von OpenAI direkt in Microsofts Bücher durchschlagen.
Auf eine ähnliche Größenordnung wie Amazons Anteil kam zuvor auch ein politischer Vorstoß: OpenAI hatte der US-Regierung ebenfalls rund fünf Prozent am Unternehmen als Beteiligung an einem staatlichen Fondsvehikel angeboten. Investoren werten die vorzeitige Zahlung teils als Signal, dass OpenAI näher an einer Börsennotierung steht als bislang bekannt.
Offen bleibt, wann OpenAI tatsächlich an die Börse geht: Firmenchef Sam Altman soll laut Berichten eine Bewertung von einer Billion Dollar anstreben, bevor er diesen Schritt wagt – ein Listing könnte sich dadurch von Ende 2026 auf 2027 verschieben. Für Amazon hängt der Erfolg der Wette derweil davon ab, ob die eigene Cloud-Sparte das rasant wachsende Rechenkapazitäts-Versprechen an OpenAI tatsächlich einlösen kann.


