Sicherheit

Google behebt mit KI-Agenten 1.072 Chrome-Sicherheitslücken

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Google hat mithilfe eigener KI-Agenten in den Chrome-Versionen 149 und 150 zusammen 1.072 Sicherheitslücken geschlossen. Die Systeme Gemini, Big Sleep und CodeMender durchsuchen den Quellcode automatisiert, finden Schwachstellen und schlagen Patches vor, die anschließend geprüft werden. Chrome erhält dadurch künftig häufigere, aber weniger störende Sicherheitsupdates.

Ein Roboterarm mit Chrome-Logo verschließt ein aufgebrochenes, überdimensionales Vorhängeschloss über einer Landschaft aus Programmcode. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Google behob mit Chrome 149 und 150 zusammen 1.072 Sicherheitslücken – mehr als in 23 vorherigen Versionen.
  • Die KI Gemini durchsucht dafür laufend den kompletten Chrome-Quellcode nach unbekannten Schwachstellen.
  • Der Spezial-Agent Big Sleep fand eine Sandbox-Lücke, die 13 Jahre unentdeckt geblieben war.
  • Das Tool CodeMender erzeugt automatisch Patches, die anschließend von weiteren KI-Instanzen geprüft werden.
  • Chrome wechselt zu häufigeren Sicherheitsupdates bei gleichzeitig weniger störenden Neustarts für Nutzer.
  • Laut VulnCheck werden bislang nur 1,3 Prozent der KI-entdeckten Lücken tatsächlich von Angreifern ausgenutzt.

Das Chrome-Sicherheitsteam von Google hat mithilfe eigener KI-Agenten in den Chrome-Versionen 149 und 150 zusammen 1.072 Sicherheitslücken geschlossen – mehr als in den 23 vorherigen Versionen zusammen. Das System Gemini durchsucht dafür fortlaufend den gesamten Chrome-Quellcode, während der spezialisierte Agent Big Sleep gezielt nach unbekannten Schwachstellen sucht. Eine der gefundenen Lücken lag laut Unternehmensangaben 13 Jahre lang unentdeckt im Code.

Mehrere KI-Agenten arbeiten Hand in Hand am Code

Für die automatisierte Fehlersuche kombiniert Google mehrere spezialisierte Systeme. Gemini analysiert fortlaufend den kompletten Chrome-Quellcode auf verdächtige Muster, der 2025 gemeinsam mit Google DeepMind und dem Sicherheitsteam Project Zero entwickelte Agent Big Sleep sucht gezielt nach bislang unbekannten Schwachstellen. Vorläufer war das 2024 vorgestellte Werkzeug Naptime, das die Grundlage für die heutige Fund-Rate legte.

Hat ein Agent eine Lücke identifiziert, übernimmt das Werkzeug CodeMender die Erstellung eines Korrektur-Vorschlags. Weitere KI-Instanzen prüfen den Patch anschließend in einer Art Gegenkontrolle und schreiben passende Tests, bevor ein Mensch die Änderung freigibt. Eine der so gefundenen Lücken – im internen Bugtracker als Eintrag 487383169 geführt – erlaubte es einem kompromittierten Browser-Prozess, lokale Dateien auszulesen, und blieb nach Unternehmensangaben 13 Jahre lang unentdeckt. Allein im Mai 2026 blockierte das System nach eigenen Angaben mehr als 20 Schwachstellen, darunter einen als kritisch eingestuften Fehler. Unabhängig lässt sich die genannte Gesamtzahl von 1.072 behobenen Lücken bislang nicht nachprüfen; mehrere Fachmedien übernehmen jedoch Googles Angaben in ihrer Berichterstattung.

Updates kommen künftig häufiger, aber weniger störend

Die höhere Fund-Rate verändert auch den Rhythmus, in dem Chrome aktualisiert wird. Statt wie bisher in unregelmäßigen Abständen will Google sicherheitsrelevante Updates künftig zweimal wöchentlich ausliefern. Ergänzend testet der Konzern ein experimentelles Verfahren namens dynamisches Patching, das Korrekturen einspielen soll, ohne dass Nutzer den Browser jedes Mal neu starten müssen. Neustarts sollen stattdessen bevorzugt in Phasen erfolgen, in denen der Rechner ohnehin nicht aktiv genutzt wird.

Die Umstellung betrifft alle Chrome-Nutzer weltweit einschließlich Deutschland und der übrigen EU automatisch, ein gesondertes Opt-in ist nicht nötig. Kosten entstehen nicht, da Chrome ein kostenloses Produkt bleibt. Ein festes Datum, ab wann die zweiwöchentliche Taktung flächendeckend gilt, nennt Google bislang nicht; die Werte zu Chrome 149 und 150 beschreiben laut Unternehmen bereits den aktuellen Stand. Von der KI-Suche im Hintergrund merken Nutzerinnen und Nutzer praktisch nichts, sollten Update-Hinweise im Browser aber weiterhin zeitnah bestätigen.

Vergleichszahlen zeigen Grenzen der automatisierten Suche

Der Vorstoß reiht sich in eine Serie von Cybersicherheits-Experimenten bei Google ein. Erst im Juli hatte der Konzern mit Gemini 3.5 Flash Cyber ein separates Modell vorgestellt, das in einem Test an der V8-Engine 55 bislang unbekannte Schwachstellen fand – mehr als Anthropics Claude Opus 4.6 mit 36 Funden. Zugang zu diesem auf Angriffssimulation spezialisierten System erhalten aus Sicherheitsgründen bislang nur Regierungen und ausgewählte Partner, da sich die Technik laut Google auch offensiv einsetzen ließe.

Wie wirksam KI-gestützte Fund-Werkzeuge branchenweit tatsächlich sind, zeigt eine Auswertung des Sicherheitsdienstleisters VulnCheck: Von den im ersten Halbjahr 2026 mit KI-Werkzeugen entdeckten Lücken wurden bislang nur 1,3 Prozent tatsächlich von Angreifern ausgenutzt – ein Anteil, der etwa dem klassisch gefundener Lücken entspricht. Gleichzeitig sank die Zeitspanne bis zum ersten Angriff auf neu bekannte Schwachstellen branchenweit von 120 auf 80 Tage.

Entscheidend wird, ob Google das Tempo der automatisierten Fehlerbehebung auch dann halten kann, wenn Angreifer ihrerseits KI-Werkzeuge zur schnelleren Ausnutzung neuer Lücken einsetzen. Bislang wächst die Zahl gefundener und geschlossener Schwachstellen schneller, als die Zeit bis zum ersten Angriff schrumpft – ob sich dieser Vorsprung halten lässt, dürfte sich erst an künftigen Chrome-Versionen zeigen.

Häufige Fragen

Müssen Chrome-Nutzer selbst etwas einstellen, um von der KI-Fehlersuche zu profitieren?

Nein, die automatisierte Suche und Behebung läuft serverseitig bei Google. Nutzerinnen und Nutzer erhalten die Korrekturen automatisch über die reguläre Update-Funktion des Browsers.

Ist Big Sleep für alle zugänglich oder nur für Google selbst?

Big Sleep ist ein internes Werkzeug von Google DeepMind und Project Zero. Anders als das eingeschränkt verfügbare Modell Gemini 3.5 Flash Cyber wird es bislang nicht extern angeboten.

Könnten Angreifer ähnliche KI-Werkzeuge nutzen, um selbst Schwachstellen zu finden?

Google begründet die restriktive Freigabe verwandter Werkzeuge ausdrücklich mit deren doppeltem Verwendungszweck. Die gleiche Technik ließe sich grundsätzlich auch offensiv einsetzen.

Wann wechselt Chrome flächendeckend auf zwei Sicherheitsupdates pro Woche?

Ein verbindliches Datum für die vollständige Umstellung nennt Google bislang nicht. Die genannten Zahlen beziehen sich auf den bereits erreichten Stand mit den Versionen 149 und 150.

Wie unterscheidet sich das neue Verfahren von klassischer, menschlicher Schwachstellensuche?

Die KI-Agenten übernehmen Analyse, Patch-Vorschlag und Testerstellung weitgehend automatisiert. Laut Google prüfen aber weiterhin Menschen jede Änderung, bevor sie veröffentlicht wird.

Quellen (2)
  1. Stronger with every update: How we're making Chrome and the web safer in the AI Era
  2. Google says AI helped Chrome fix 1,072 security bugs in two releases

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