Das Chrome-Sicherheitsteam von Google hat mithilfe eigener KI-Agenten in den Chrome-Versionen 149 und 150 zusammen 1.072 Sicherheitslücken geschlossen – mehr als in den 23 vorherigen Versionen zusammen. Das System Gemini durchsucht dafür fortlaufend den gesamten Chrome-Quellcode, während der spezialisierte Agent Big Sleep gezielt nach unbekannten Schwachstellen sucht. Eine der gefundenen Lücken lag laut Unternehmensangaben 13 Jahre lang unentdeckt im Code.
Mehrere KI-Agenten arbeiten Hand in Hand am Code
Für die automatisierte Fehlersuche kombiniert Google mehrere spezialisierte Systeme. Gemini analysiert fortlaufend den kompletten Chrome-Quellcode auf verdächtige Muster, der 2025 gemeinsam mit Google DeepMind und dem Sicherheitsteam Project Zero entwickelte Agent Big Sleep sucht gezielt nach bislang unbekannten Schwachstellen. Vorläufer war das 2024 vorgestellte Werkzeug Naptime, das die Grundlage für die heutige Fund-Rate legte.
Hat ein Agent eine Lücke identifiziert, übernimmt das Werkzeug CodeMender die Erstellung eines Korrektur-Vorschlags. Weitere KI-Instanzen prüfen den Patch anschließend in einer Art Gegenkontrolle und schreiben passende Tests, bevor ein Mensch die Änderung freigibt. Eine der so gefundenen Lücken – im internen Bugtracker als Eintrag 487383169 geführt – erlaubte es einem kompromittierten Browser-Prozess, lokale Dateien auszulesen, und blieb nach Unternehmensangaben 13 Jahre lang unentdeckt. Allein im Mai 2026 blockierte das System nach eigenen Angaben mehr als 20 Schwachstellen, darunter einen als kritisch eingestuften Fehler. Unabhängig lässt sich die genannte Gesamtzahl von 1.072 behobenen Lücken bislang nicht nachprüfen; mehrere Fachmedien übernehmen jedoch Googles Angaben in ihrer Berichterstattung.
Updates kommen künftig häufiger, aber weniger störend
Die höhere Fund-Rate verändert auch den Rhythmus, in dem Chrome aktualisiert wird. Statt wie bisher in unregelmäßigen Abständen will Google sicherheitsrelevante Updates künftig zweimal wöchentlich ausliefern. Ergänzend testet der Konzern ein experimentelles Verfahren namens dynamisches Patching, das Korrekturen einspielen soll, ohne dass Nutzer den Browser jedes Mal neu starten müssen. Neustarts sollen stattdessen bevorzugt in Phasen erfolgen, in denen der Rechner ohnehin nicht aktiv genutzt wird.
Die Umstellung betrifft alle Chrome-Nutzer weltweit einschließlich Deutschland und der übrigen EU automatisch, ein gesondertes Opt-in ist nicht nötig. Kosten entstehen nicht, da Chrome ein kostenloses Produkt bleibt. Ein festes Datum, ab wann die zweiwöchentliche Taktung flächendeckend gilt, nennt Google bislang nicht; die Werte zu Chrome 149 und 150 beschreiben laut Unternehmen bereits den aktuellen Stand. Von der KI-Suche im Hintergrund merken Nutzerinnen und Nutzer praktisch nichts, sollten Update-Hinweise im Browser aber weiterhin zeitnah bestätigen.
Vergleichszahlen zeigen Grenzen der automatisierten Suche
Der Vorstoß reiht sich in eine Serie von Cybersicherheits-Experimenten bei Google ein. Erst im Juli hatte der Konzern mit Gemini 3.5 Flash Cyber ein separates Modell vorgestellt, das in einem Test an der V8-Engine 55 bislang unbekannte Schwachstellen fand – mehr als Anthropics Claude Opus 4.6 mit 36 Funden. Zugang zu diesem auf Angriffssimulation spezialisierten System erhalten aus Sicherheitsgründen bislang nur Regierungen und ausgewählte Partner, da sich die Technik laut Google auch offensiv einsetzen ließe.
Wie wirksam KI-gestützte Fund-Werkzeuge branchenweit tatsächlich sind, zeigt eine Auswertung des Sicherheitsdienstleisters VulnCheck: Von den im ersten Halbjahr 2026 mit KI-Werkzeugen entdeckten Lücken wurden bislang nur 1,3 Prozent tatsächlich von Angreifern ausgenutzt – ein Anteil, der etwa dem klassisch gefundener Lücken entspricht. Gleichzeitig sank die Zeitspanne bis zum ersten Angriff auf neu bekannte Schwachstellen branchenweit von 120 auf 80 Tage.
Entscheidend wird, ob Google das Tempo der automatisierten Fehlerbehebung auch dann halten kann, wenn Angreifer ihrerseits KI-Werkzeuge zur schnelleren Ausnutzung neuer Lücken einsetzen. Bislang wächst die Zahl gefundener und geschlossener Schwachstellen schneller, als die Zeit bis zum ersten Angriff schrumpft – ob sich dieser Vorsprung halten lässt, dürfte sich erst an künftigen Chrome-Versionen zeigen.


