Google DeepMind hat Gemini 3.5 Flash Cyber veröffentlicht, ein auf Softwareschwachstellen spezialisiertes KI-Modell für den Sicherheitsagenten CodeMender. In einem Test an der V8-JavaScript-Engine identifizierte das Modell 55 bestätigte Schwachstellen und lag damit vor dem hauseigenen Flash-Modell und vor Anthropics Claude Opus 4.6. Zugang erhalten zunächst nur Regierungen und von Google ausgewählte Partner.
CodeMender scannt mit dem Modell deutlich mehr Codepfade
CodeMender ist Googles im Oktober 2025 vorgestellter KI-Agent, der Sicherheitslücken in Software automatisch aufspürt und behebt. Bislang stützte sich das System vor allem auf einzelne, teure Abfragen an große Sprachmodelle. Mit Gemini 3.5 Flash Cyber kann CodeMender das schlankere Modell dagegen viele Male hintereinander schnell und günstig aufrufen und dadurch deutlich mehr Codepfade parallel prüfen, bevor es die Einzelergebnisse in einem gemeinsamen Bericht bündelt.
Google beschreibt die Idee dahinter als Antwort auf ein Suchraum-Problem: Schwachstellen verstecken sich oft in seltenen Codepfaden, die sich nur durch wiederholtes, breites Scannen zuverlässig finden lassen. Die für Sicherheit zuständigen Google-DeepMind-Fachleute Raluca Ada Popa und Four Flynn erklären, das Modell laufe ausschließlich innerhalb der abgeschotteten Umgebung von CodeMender. So lasse sich die Verteidigungsfunktion nutzen, ohne die zugrunde liegenden Angriffsfähigkeiten frei zugänglich zu machen.
Anders als Googles große Gemini-Modelle ist Flash Cyber bewusst kompakt gehalten - genau das macht die vielen parallelen Abfragen erst bezahlbar. Nach Unternehmensangaben soll die Kombination aus Tempo und niedrigen Kosten künftig auch erlauben, einzelne Code-Commits laufend zu prüfen, statt Scans auf seltene, aufwendige Durchläufe zu beschränken.
V8-Test zeigt mehr Treffer als bei Claude Opus 4.6
In einem internen Vergleichstest an Googles quelloffener JavaScript-Engine V8 fand Gemini 3.5 Flash Cyber 55 eindeutig bestätigte Schwachstellen. Das reguläre Gemini 3.5 Flash kam im selben Test auf 47 Treffer, Anthropics Modell Claude Opus 4.6 auf 36. Zehn der gefundenen Probleme hatte laut Google keines der Vergleichsmodelle entdeckt.
Auf dem Fachbenchmark CyberGym, der KI-Agenten an Hunderten realen Softwarelücken misst, erreiche das kleinere Modell laut Google ein Niveau, das mit deutlich größeren Sicherheitsmodellen konkurriert. In einer weiteren internen Auswertung namens Big Sleep, die sich auf kritische Schwachstellen in komplexer Software wie den Browsern Chrome und Safari konzentriert, übertraf Flash Cyber Google zufolge sowohl das reguläre 3.5-Flash- als auch das neuere 3.6-Flash-Modell deutlich. In Chromes Produktions-Pipeline habe das Modell einen spürbaren Fortschritt gegenüber 3.5 Flash gebracht, während manche Konkurrenzmodelle solche Aufgaben inzwischen aus Sicherheitsgründen ablehnen.
Googles eigenes Cloud-Vulnerability-Research-Team setzte das System zudem produktiv ein: Es fand in öffentlichen APIs und internen Diensten binnen zwei Stunden mehrere kritische Schwachstellen und erzeugte einen zuverlässig funktionierenden Exploit, der Schutzmechanismen wie ASLR und W^X umging. Die Zahlen stammen aus Googles eigenen Tests und sind unabhängig nicht verifiziert.
Zugang bleibt vorerst auf Regierungen beschränkt
Google öffnet Gemini 3.5 Flash Cyber zunächst nur im Rahmen eines begrenzten Pilotprogramms für Regierungen und ausgewählte Partner über CodeMender. Das Unternehmen begründet die Einschränkung mit dem doppelten Verwendungszweck der Technologie: Dieselben Fähigkeiten, die Schwachstellen für Verteidiger aufdecken, ließen sich demselben Bericht zufolge auch für Angriffe missbrauchen. Einen festen Zeitplan für eine breitere Freigabe nennt Google bislang nicht, das Unternehmen kündigt lediglich an, den Kreis „im Laufe der Zeit” zu erweitern, unter anderem um Funktionen für Red-Teaming.
Unternehmen ohne Pilotzugang, auch in Deutschland und der übrigen EU, können die Grundfunktionen von CodeMender über die allgemein verfügbare Gemini Enterprise Agent Platform nutzen - dort kommen jedoch reguläre, größere Gemini-Modelle statt der spezialisierten Cyber-Variante zum Einsatz. Preise für Flash Cyber selbst nennt Google bislang nicht. Der Start fällt zudem in eine Phase, in der sich Googles ursprünglich für das zweite Quartal 2026 angekündigtes Flaggschiff-Modell Gemini 3.5 Pro wegen schwacher Programmierleistung weiter verzögert - während die schlankere Flash-Reihe weiterhin zügig neue Funktionen erhält.
Entscheidend wird, ob Google den Nutzerkreis ausweitet, bevor vergleichbare offene Modelle auch Angreifern ähnliche Fähigkeiten kostenlos verschaffen. Verteidiger profitieren von Werkzeugen wie Flash Cyber nur dann wirklich, wenn sie mindestens so schnell verfügbar sind wie die Angriffswerkzeuge, gegen die sie helfen sollen.


