Google verschiebt den Start seines KI-Sprachmodells Gemini 3.5 Pro erneut: Der für Juni 2026 zugesagte Termin ist verstrichen, ein neues Datum nennt der Konzern nicht. Laut einem Bloomberg-Bericht vom 16. Juli 2026 bleiben vor allem die Programmierfähigkeiten des Modells hinter den internen Zielen zurück.
Neue Trainingsdaten verfehlen die gesetzten Ziele
Google hatte die Pro-Version von Gemini 3.5 bereits im Mai 2026 auf der Entwicklerkonferenz I/O angekündigt und einen Marktstart für den folgenden Monat in Aussicht gestellt. Zeitgleich veröffentlichte der Konzern die kleinere Variante Gemini 3.5 Flash, die leistungsstärkere Pro-Version blieb jedoch aus. Bloomberg zufolge aktualisierte Google Ende Juni die Trainingsdaten, um vor allem die Programmierfähigkeiten des Modells zu verbessern. Solche mehrstufigen Coding-Aufgaben fallen in professionellen Entwicklungsumgebungen an und gewinnen für zahlungskräftige Unternehmenskunden zunehmend an Bedeutung.
Die Ergebnisse dieser Überarbeitung seien jedoch enttäuschend ausgefallen, heißt es unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen – eine Einschätzung, die unabhängig nicht verifiziert ist. Öffentlich äußert sich Google zurückhaltender: Gegenüber 9to5Google erklärte der Konzern, man teste „3.5 Pro, ein verbessertes Flash-Modell und weitere Modelle” derzeit gemeinsam mit Partnern. Man liefere Modelle weiterhin zügig und kosteneffizient aus, hieß es weiter. Einen neuen Veröffentlichungstermin nannte Google nicht. Damit bleibt vorerst offen, wann Entwicklerinnen und Entwickler Zugriff auf das leistungsfähigere Pro-Modell erhalten.
Google gerät im Wettbewerb um Programmier-KI unter Druck
Der Rückstand bei sogenannter agentischer Programmier-KI – Systemen, die eigenständig mehrstufige Coding-Aufgaben übernehmen – beschäftigt Google schon länger. Konzernchef Sundar Pichai habe demnach bereits zuvor eingeräumt, sein Unternehmen liege in diesem Bereich „ein Stück zurück”. Als einen Grund nannte er fehlende entwicklerseitige Werkzeuge, die wertvolle Trainingsdaten für genau solche Aufgaben liefern. Bereits im April 2026 hatte Bloomberg berichtet, Google verliere branchenweit an Boden bei KI-gestütztem Programmieren gegenüber der Konkurrenz.
Aktuelle und ehemalige Mitarbeitende berichten demnach von wachsender Sorge, Google könnte im Vergleich zu Anthropic und OpenAI weiter an Boden verlieren. Beide Konkurrenten haben ihre Coding-Modelle in den vergangenen Monaten mehrfach aktualisiert und gelten bei vielen Entwicklerinnen und Entwicklern inzwischen als Maßstab für anspruchsvolle Programmieraufgaben. Die verzögerte Veröffentlichung von Gemini 3.5 Pro dürfte diesen Abstand vorerst nicht verkleinern, zumal die Konkurrenz ihre Modelle in der Zwischenzeit weiter verbessert, während Google intern nachbessert. Für den Konzern steht damit nicht nur die technologische Führungsrolle auf dem Spiel, sondern auch Marktanteile bei zahlungskräftigen Cloud- und Entwicklerkunden, die zunehmend zwischen mehreren Anbietern wählen können.
Flash-Modell und Vorgänger überbrücken die Wartezeit
Während die Pro-Version auf sich warten lässt, testet Google parallel eine überarbeitete Fassung von Gemini 3.5 Flash mit ausgewählten Partnern. Details zu Funktionsumfang oder Leistung des überarbeiteten Flash-Modells nannte der Konzern bislang nicht. Die ursprüngliche Flash-Version veröffentlichte Google bereits im Mai 2026 und positioniert sie als schnelleres, aber weniger leistungsfähiges und günstigeres Gegenstück zur weiterhin ausstehenden Pro-Version. Für viele Anwendungsfälle mit geringeren Anforderungen an komplexes Schlussfolgern kann die Flash-Variante bereits jetzt als Übergangslösung dienen.
Bis zum Erscheinen von Gemini 3.5 Pro bleibt Gemini 3.1 Pro aus dem Februar 2026 das aktuellste stabile Spitzenmodell des Konzerns für anspruchsvolle Aufgaben. Für Nutzerinnen und Nutzer sowie Unternehmenskunden bedeutet das: Wer auf die angekündigten Verbesserungen bei komplexen Programmieraufgaben wartet, muss sich weiter gedulden. Google arbeitet unterdessen intern an einer überzeugenderen Version und versucht gleichzeitig, die Kosten für Kundinnen und Kunden niedrig zu halten. Entwicklerinnen und Entwickler mit produktionsreifen Anforderungen greifen bis dahin auf bestehende Google-Modelle oder auf Angebote der Konkurrenz zurück.
Entscheidend wird, ob Google die Coding-Lücke schließt, bevor Anthropic und OpenAI ihren Vorsprung bei Entwicklerwerkzeugen weiter ausbauen. Einen verbindlichen neuen Zieltermin für Gemini 3.5 Pro hat der Konzern bislang nicht genannt.


