Meta und Anthropic verhandeln laut übereinstimmenden Medienberichten über einen Rechenleistungs-Deal im Wert von bis zu zehn Milliarden Dollar. Anthropic soll die Kapazität aus Metas eigenen Rechenzentren über zwei Jahre in monatlichen Raten bezahlen. Beide Unternehmen lehnten eine Stellungnahme zu den laufenden Gesprächen ab.
Deal sieht monatliche Zahlungen mit Ausstiegsoption vor
Die New York Times berichtete als Erste ausführlich über die Gespräche, Reuters bestätigte sie unabhängig unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Person. Anthropic habe den Deal demnach bereits im Juni vorgeschlagen, Meta prüfe das Angebot derzeit noch ohne Entscheidung. Beide Seiten könnten den möglichen Vertrag vorzeitig kündigen, die Zahlungen erfolgten in monatlichen Raten.
Ein Sprecher Metas reagierte laut Reuters nicht auf eine Anfrage, Anthropic lehnte eine Stellungnahme ab. Die Meta-Aktie fiel am Freitag im Zuge eines breiteren Kursrutschs bei Technologiewerten zeitweise um mehr als zwei Prozent und dämmte die Verluste nach Bekanntwerden der Gespräche leicht ein. Erschwert werden die Verhandlungen dadurch, dass Meta bislang über kein etabliertes Geschäft mit dem Weiterverkauf eigener Rechenleistung verfügt.
Als Indiz für Metas Ambitionen im Cloud-Geschäft werten Beobachter die jüngste Personalie: Der Konzern holte kürzlich Dave Brown, einen langjährigen Amazon-Web-Services-Manager, an Bord. Er soll den Aufbau eines eigenen Angebots für externe Rechenkapazität mitgestalten.
Rechenleistung wird für Meta zum handelbaren Gut
Firmenchef Mark Zuckerberg erklärte bereits im Mai, ein Einstieg ins Cloud-Geschäft sei „definitiv eine Option” – Unternehmen fragten fast wöchentlich nach Zugang zu Metas Rechenkapazität. Ein Deal mit Anthropic würde Meta neben Werbeeinnahmen eine zusätzliche Erlösquelle verschaffen und den Konzern in Konkurrenz zu spezialisierten Anbietern wie CoreWeave und Nebius bringen.
Meta kaufte in diesem Jahr bereits in großem Stil externe Rechenkapazität hinzu: im März für 27 Milliarden Dollar bei Nebius, im April für 21 Milliarden Dollar bei CoreWeave. Die eigenen Investitionsausgaben für 2026 sollen auf bis zu 145 Milliarden Dollar steigen, mehr als doppelt so viel wie die 72 Milliarden Dollar im Vorjahr.
Analysten von Bloomberg Intelligence werten den möglichen Deal laut einem Bericht von TheNextWeb als Zeichen dafür, dass sich die Preise für Rechenleistung seit früheren Vergleichsabschlüssen spürbar verschoben haben. Wer heute Kapazität langfristig bindet, sichert sich demnach Konditionen, die in einem zunehmend knappen Markt schwerer zu wiederholen wären.
Anthropics Rechenhunger wächst durch Claude Code
Der wachsende Bedarf bei Anthropic hängt laut den Berichten eng mit der Verbreitung von Claude Code zusammen, dem Programmierwerkzeug des Unternehmens. Die Nutzung erzeuge wiederkehrende Lasten bei Inferenz und Kontextfenstern, die zusätzliche Rechenkapazität erforderten. Anthropic zahlt SpaceX bereits im Rahmen eines im Mai geschlossenen Abkommens rund 45 Milliarden Dollar über drei Jahre für Zugang zum Rechenzentrum Colossus. Das entspricht umgerechnet etwa 1,25 Milliarden Dollar pro Monat.
Auch Google bezieht laut den Berichten Rechenleistung aus demselben Umfeld und zahlt dafür monatlich rund 920 Millionen Dollar. Die Größenordnung solcher Abkommen zeigt, wie knapp Rechenkapazität für Spitzenmodelle inzwischen ist – und warum führende KI-Anbieter zunehmend bei direkten Konkurrenten anfragen, statt ausschließlich auf klassische Cloud-Anbieter zu setzen.
Anthropic kann eigenen Angaben zufolge derzeit nicht so schnell zusätzliche Rechenkapazität aufbauen, wie die Nachfrage nach Claude wächst, und beschränkt deshalb die Nutzung fortgeschrittener Modelle zeitweise. Ein weiterer Kapazitätszugang über Meta würde diesen Engpass zumindest teilweise lindern.
Offen bleibt, ob Meta trotz fehlender Erfahrung im Weiterverkauf von Rechenleistung tatsächlich einen Vertrag abschließt oder die Gespräche ergebnislos enden. Sollte der Deal zustande kommen, würde ein bislang reiner Werbekonzern zum Infrastrukturlieferanten für einen direkten Konkurrenten im KI-Wettbewerb. Der Rollentausch zeigt, wie sehr selbst gut finanzierte Anbieter wie Anthropic mittlerweile auf fremde Rechenzentren angewiesen sind. Ein Termin für einen möglichen Abschluss ist bislang nicht bekannt.


