Der US-Rechenzentrumsbetreiber Crusoe hat die Serie-F-Finanzierungsrunde offiziell verkündet: 3,9 Milliarden Dollar Kapital bei einer Bewertung von 30,9 Milliarden Dollar. Damit bestätigt und übertrifft das Unternehmen die bereits Anfang September kursierten, bis dahin unbestätigten Zahlen zu einer laufenden Rekordrunde. Angeführt wird die Runde von Atreides Management, Mubadala Capital und Valor Equity Partners.
Investoren bestätigen die Rekordbewertung offiziell
Neben den drei Lead-Investoren beteiligen sich laut Crusoes eigener Mitteilung rund 30 weitere Geldgeber an der Runde, darunter erstmals der Chiphersteller Nvidia, der Staatsfonds Qatar Investment Authority sowie der Vermögensverwalter Fidelity. Auch Founders Fund, GIC, Radical Ventures und der Finanzinvestor TPG erhöhen ihr bestehendes Engagement. Mit dem Kapital erweitert Crusoe zugleich den Aufsichtsrat um drei Namen: Cloudflare-Finanzchef Thomas Seifert, Infrastruktur-Investor Bill Stein und Tesla-Vorstandsmitglied JB Straubel, der zugleich den Batteriehersteller Redwood Materials leitet. Die drei sollen den geplanten Ausbau der Rechenzentren und die Kapitalstruktur des Unternehmens begleiten.
Die Bewertung von 30,9 Milliarden Dollar liegt gut das Dreifache über den knapp zehn Milliarden Dollar, mit denen Crusoe im Oktober 2025 in seiner Serie E bewertet wurde. Wie Crusoe verdreifacht Bewertung auf 30 Milliarden Dollar berichtete, hatte Bloomberg ähnliche Zahlen bereits am 3. September gemeldet, ohne dass Crusoe oder die Investoren sie zu dem Zeitpunkt bestätigten. Bereits der damalige Cloud-Vertrag mit der Handelsfirma Jane Street über rund 13 Milliarden Dollar hatte das Investoreninteresse an dem Rechenzentrumsbetreiber deutlich verstärkt.
Auftragsbestand von 140 Milliarden Dollar belegt die Nachfrage
Crusoe erzielt Umsatz auf drei Wegen: durch Vermietung von Rechenzentrumsfläche an Kunden mit eigenen Chips, durch direkte Vermietung von Grafikprozessoren und durch eigene KI-Inferenz-Dienste. Den gesamten vertraglich gesicherten Auftragswert beziffert das Unternehmen auf mehr als 140 Milliarden Dollar – das entspricht etwa dem jährlichen Bruttoinlandsprodukt eines mittelgroßen Industrielands. Über sechs Gigawatt Rechenleistung seien bereits vertraglich zugesagt, rund ein Gigawatt – das entspricht dem Strombedarf einer Großstadt – laufe bereits im Betrieb.
Die Cloud-Buchungen seien binnen eines Jahres um das Zwanzigfache gewachsen, der auf Inferenz spezialisierte Dienst Crusoe Managed Inference erziele inzwischen mehr als 100 Millionen Dollar Jahresumsatz. Zu den Kunden zählen OpenAI, Cognition, das Robotik-Start-up Figure und die Suchmaschine Perplexity – zwei der am schnellsten wachsenden KI-Anwendungsfirmen der vergangenen zwei Jahre. Damit reiht sich Crusoe in eine Serie von KI-Infrastrukturfirmen mit stark steigenden Bewertungen ein, zu der zuletzt auch Cognitions abgeschlossene Serie-E-Runde bei 48 Milliarden Dollar zählte.
Kapital fließt in feste und mobile Rechenzentren
Das frische Kapital finanziert den weiteren Ausbau bestehender Rechenzentrumsprojekte, darunter den 1,2-Gigawatt-Cluster im texanischen Abilene, den das Unternehmen für OpenAI errichtet. Zusätzlich fließt Geld in die Serienproduktion der „Spark”-Module: vorgefertigte, per Lkw transportierbare Mini-Rechenzentren, die Crusoe näher an Stromquellen bringen will, die für klassische Großprojekte zu klein oder zu abgelegen sind.
Der Ausbau physischer Rechenzentren gilt in der Branche derzeit als größter Engpass: Wartezeiten für Stromanschlüsse und Turbinen erstrecken sich vielerorts über mehrere Jahre, während der Bedarf an KI-Rechenleistung schneller wächst als neue Kapazität ans Netz geht. Das 2018 als Krypto-Miner gegründete Unternehmen hatte seine Bewertung zuvor bereits mehrfach vervielfacht: von 2,8 Milliarden Dollar in der Serie D 2024 über gut zehn Milliarden Dollar in der Serie E 2025 bis zu den nun 30,9 Milliarden Dollar. Schon die Serie D hatte unter anderem Founders Fund und Nvidia als Investoren angezogen – beide sind auch in der aktuellen Runde erneut engagiert.
Entscheidend wird, ob Crusoe die zugesagten sechs Gigawatt Rechenleistung tatsächlich ans Netz bringt – frühere KI-Rechenzentrumsprojekte scheiterten wiederholt an Stromanschlüssen und Genehmigungsverfahren, nicht am Kapital. Offen bleibt zudem, ob die parallel sondierten Gespräche mit den Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley über einen möglichen Börsengang nun schneller vorankommen, nachdem die Bewertung erstmals offiziell bestätigt ist.


