OpenAI-Chef Sam Altman hat im Wirtschaftsmagazin Fortune einen Börsengang seines Unternehmens für das laufende Jahr ausgeschlossen und verweist dabei auf die aktuelle Sicherheitsdebatte der Branche. Ein Listing sei angesichts der Diskussionen um KI-Risiken derzeit ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, sagte er im Interview. OpenAI hatte bereits im Juni 2026 vertraulich Börsenunterlagen bei der US-Börsenaufsicht eingereicht.
Altman verweist auf Sicherheitsdebatte der Branche
Das Interview führte Fortune-Chefredakteurin Alyson Shontell am Freitag mit Altman. Sie fragte, ob sich OpenAI durch die eigenen Börsenpläne unter Druck fühle, schnell voranzukommen – auch angesichts der Aufarbeitung des Sicherheitsvorfalls bei Hugging Face, an dem OpenAI eigenen Angaben zufolge beteiligt war. Erst am selben Tag hatte Anthropic-Chef Dario Amodei in einem Essay zu einem bewusst gedrosselten Entwicklungstempo der Branche aufgerufen; Altman hatte diesem Aufruf öffentlich binnen weniger Stunden zugestimmt. Altman entgegnete, ein Börsengang wäre angesichts der laufenden Sicherheitsdiskussion der Branche derzeit ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt. Auf das Jahr 2026 direkt angesprochen, bestätigte er: nicht in diesem Jahr. Das Unternehmen habe noch viel zu tun, etwa bei Fragen zu Sicherheit und Ausrichtung sowie bei der Zusammenarbeit von Industrie und Regierungen. OpenAI hatte im August sein internes Preparedness-Team für Katastrophenrisiken aufgelöst, was die Debatte um die Sicherheitsressourcen des Unternehmens zusätzlich befeuert hatte. Im selben Gespräch äußerte sich Altman auch zu Befürchtungen vor einer außer Kontrolle geratenen KI-Entwicklung und bekräftigte, OpenAI nehme diese Sorgen ernst. Er wäre froh, solche Fragen noch als privates Unternehmen zu klären, ohne den zusätzlichen Druck einer Börsennotierung.
Finanzchefin nennt 2027 als neue Zielmarke
OpenAI reichte im Juni 2026 vertraulich Börsenunterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC ein, wie das Unternehmen selbst ankündigte, und rechnete damit, dass der Schritt öffentlich bekannt würde. Zu diesem Zeitpunkt lag die zuletzt bekannte private Bewertung bei rund 850 Milliarden Dollar; eine aktuellere Zahl nannte das Unternehmen zum Interviewzeitpunkt nicht – diese Angabe ist unabhängig nicht neu verifiziert. Finanzchefin Sarah Friar teilte Mitarbeitenden bereits im August in einer internen Präsentation mit, OpenAI werde 2027 an die Börse gehen, früher, sollte sich das Wachstum weiter beschleunigen. Sie bezeichnete den Börsengang als einen Meilenstein unter mehreren Finanzierungsrunden, nicht als Ziellinie. Friar zufolge war die Umsatzrate zu diesem Zeitpunkt binnen eines Quartals um 35 Prozent gestiegen, das Firmenkundengeschäft sogar um 50 Prozent, und das hauseigene Programmier- und Arbeitsprodukt zählte rund zwanzig Millionen wöchentliche Nutzer. Auch Konkurrent Anthropic hat seinen ursprünglich für Anfang Oktober terminierten Börsengang verschoben – allerdings aus organisatorischen Gründen beim Prospekt, nicht wegen grundsätzlicher Sicherheitsbedenken wie bei OpenAI.
Entscheidend wird, ob Altmans Sicherheitsargument auch dann trägt, wenn der Wettbewerbsdruck durch Anthropics für Mitte Oktober 2026 geplantes Listing weiter steigt. Bislang legt sich OpenAI beim eigenen Termin bewusst nicht fest, während der Rivale mit einem konkreten Datum vorprescht. Ob sich diese Zurückhaltung als strategischer Vorteil oder als verpasstes Zeitfenster erweist, dürfte sich erst zeigen, wenn sich die Marktbedingungen für KI-Börsengänge wieder ändern.


