Microsoft plant laut einem Bloomberg-Bericht, seine weltweite Rechenzentrumskapazität bis 2032 von zwölf auf mehr als 38 Gigawatt zu steigern – mehr als eine Verdreifachung. Etwa ein Drittel der Kapazität soll dann für KI-Chips reserviert sein, aktuell sind es rund zwei Gigawatt. Auslöser sind Engpässe, die den Konzern bereits zwangen, Kunden abzuweisen.
Kapazität soll sich bis 2032 mehr als verdreifachen
Aktuell verfügt Microsoft demnach über rund zwölf Gigawatt Rechenzentrumskapazität weltweit. Bis 2032 soll dieser Wert auf mehr als 38 Gigawatt steigen – ein Zuwachs von etwa 26 Gigawatt in sechs Jahren. Der Anteil, der ausschließlich für KI-Chips reserviert ist, wächst überproportional: von aktuell rund zwei Gigawatt auf künftig etwa ein Drittel der Gesamtkapazität, also mehr als zwölf Gigawatt. Ein Gigawatt entspricht ungefähr der Leistung eines großen Kernkraftwerksblocks – Microsoft plant damit binnen weniger Jahre so viel zusätzliche KI-Rechenleistung, wie das gesamte heutige Firmennetz umfasst. Die Ankündigung reiht sich in eine Serie ähnlicher Vorhaben der Branche ein: Auch Anthropic hat sich zuletzt Rechenleistungs-Verträge im Volumen von bis zu 517 Milliarden Dollar gesichert, vor allem bei Drittanbietern wie Google und Amazon. Microsoft setzt dagegen stärker auf eigene und langfristig geleaste Standorte. Der geplante Zubau verteilt sich auf sechs Jahre und entspricht damit im Schnitt mehr als vier Gigawatt zusätzlicher Kapazität pro Jahr – ein Tempo, das die bisherigen Ausbauraten des Konzerns deutlich übertrifft.
Kapazitätsengpässe zwingen zum Umsteuern
Der Ausbau ist eine Reaktion auf akute Engpässe. Laut einer Analyse von DCPulse mussten mehrere große US-Regionen wie Northern Virginia und Teile von Texas bereits neue Kundenanfragen ablehnen oder umleiten, weil Fläche und Server knapp wurden. Microsoft schränkte zudem neue Azure-Abonnements in bestimmten britischen Zonen ein, offiziell wegen Lieferkettenproblemen beim Ausbau der Regionen UK South und UK West. Im August 2026 verhinderte zusätzlich ein interner Zuteilungsfehler in der Region East US, dass Kunden neue virtuelle Maschinen starten konnten. Die Engpässe treffen einen Konzern, dessen Cloud-Sparte Azure parallel stark wächst – die Nachfrage nach leistungsstarker GPU-Infrastruktur hat sich seit Ende 2023 schneller entwickelt, als sich neue Rechenzentrumskapazität bauen ließ. Kurzfristig reagiert Microsoft unter anderem mit einer neuen Vereinbarung mit dem Cloud-Anbieter Nebius für ein zusätzliches Rechenzentrum in New Jersey. Für Firmenkunden bedeuten die Engpässe längere Wartezeiten auf neue Cloud-Kontingente und im Einzelfall den Umstieg auf konkurrierende Anbieter, solange Microsoft die eigene Infrastruktur nicht aufgestockt hat.
Investitionen erreichen Rekordniveau
Der Ausbau kostet Milliarden. Microsoft gab im vergangenen Geschäftsjahr rund 145 Milliarden Dollar für Investitionen aus, hinzu kommen langfristige Verpflichtungen aus Leasingverträgen für Rechenzentren von 329 Milliarden Dollar. Für das erste Fiskalquartal 2027 rechnet der Konzern mit weiteren 50 Milliarden Dollar, für das Kalenderjahr 2026 insgesamt mit rund 175 Milliarden Dollar – Zahlen, die unabhängig nicht verifiziert sind. Um die jährlich ausgewiesenen Kosten zu senken, will Microsoft langfristige Mietverträge für Rechenzentren künftig über 25 statt bislang 15 Jahre verteilen. Das drückt die in einem einzelnen Jahr verbuchten Ausgaben, ohne die tatsächliche Investitionssumme zu verändern. Analysten werten die Bilanztechnik als Zeichen dafür, wie stark die branchenweiten KI-Investitionen inzwischen die Kennzahlen der Tech-Konzerne prägen. Microsoft äußerte sich auf Anfrage von Reuters nicht zu dem Bloomberg-Bericht; die Angaben stammen von mit den Plänen vertrauten Personen und sind damit nicht offiziell bestätigt.
Offen bleibt, ob der Ausbau das eigentliche Problem löst oder nur mit der wachsenden Nachfrage Schritt hält. An den Finanzmärkten wächst parallel die Skepsis, ob sich die milliardenschweren KI-Investitionen der Tech-Konzerne auszahlen – im Juli 2026 hatte allein die Sorge um die Rendite solcher Ausgaben den Nasdaq um rund drei Prozent einbrechen lassen. Sollte sich die Nachfrage nach KI-Rechenleistung weiter beschleunigen, dürfte auch die auf 2032 angelegte Kapazitätsplanung schon vorher an ihre Grenzen stoßen.


