Der Chiphersteller Nvidia soll bis zu zehn Milliarden Dollar in den geplanten Börsengang von Anthropic investieren. Das Unternehmen würde damit als Ankerinvestor auftreten und einen Teil der Aktien schon vor der breiten Vermarktung zeichnen. Der KI-Anbieter visiert bei seiner Erstnotiz eine Bewertung von rund zwei Billionen Dollar an.
Nvidia baut Rolle als Ankerinvestor aus
Ein Ankerinvestor sichert sich schon vor der breiten Preisfindung einen festen Anteil an einem Börsengang und signalisiert damit anderen Investoren Vertrauen in das Angebot. Laut Reuters, das sich auf mit den Gesprächen vertraute Personen beruft, prüft Nvidia genau diese Rolle bei Anthropics geplanter Erstnotiz. Die Gespräche seien vorläufig und könnten sich noch ändern, heißt es in dem Bericht. Für Nvidia wäre eine Beteiligung dieser Größenordnung keine Premiere: Der Chiphersteller hält bereits milliardenschwere Anteile an mehreren KI-Firmen, darunter OpenAI und SpaceX, und hatte sich im November 2025 mit zehn Milliarden Dollar direkt an Anthropic beteiligt. Im Gegenzug verpflichtete sich Anthropic damals, für 30 Milliarden Dollar Rechenkapazität bei Microsoft Azure zu mieten, die auf Nvidia-Chips läuft. Anthropic bezieht zudem eigene Nvidia-Rechenleistung im Umfang von einem Gigawatt auf Grace-Blackwell- und Vera-Rubin-Systemen. Nvidia profitiert damit doppelt: einmal über den Verkauf eigener Grafikprozessoren, einmal über die Wertsteigerung seiner Firmenbeteiligungen. Analysten bewerten Nvidias Investitionsstrategie überwiegend positiv: Von 57 befragten Analysten empfehlen die meisten die Aktie weiterhin zum Kauf.
Bewertung und Umsatz wachsen rasant vor dem Debüt
Beim Börsengang selbst strebt Anthropic weiterhin eine Bewertung von rund zwei Billionen Dollar an, mehr als das Doppelte der letzten privaten Bewertung von 965 Milliarden Dollar im Mai 2026. Die geplante Zielsumme von bis zu 100 Milliarden Dollar ist unabhängig nicht verifiziert, läge aber über dem bisherigen Rekord von SpaceX, das bei seiner Erstnotiz im Juni 2026 rund 86 Milliarden Dollar einsammelte. Rückenwind für die hohe Bewertung liefert das Umsatzwachstum: Anthropics Jahresumsatz stieg von rund neun Milliarden Dollar Ende 2025 auf mehr als 65 Milliarden Dollar bis Ende Juli 2026, Prognosen sehen bis 2028 rund 190 bis 200 Milliarden Dollar vor. Am zuvor gemeldeten Zeitplan ändert die mögliche Nvidia-Beteiligung vorerst nichts: Der Prospekt soll Ende September erscheinen, die Vermarktung Mitte Oktober beginnen, das Debüt kurz vor den US-Kongresswahlen im November. Anthropic hatte seine Investoren bereits im August mit einer Marktchance von über 30 Billionen Dollar von der Bewertung überzeugen wollen. Die Chronik aller bisherigen Etappen bündelt das Dossier zum Börsengang.
Nvidia-Chef Jensen Huang hatte im März noch erklärt, die zehn Milliarden Dollar für Anthropic dürften die letzte direkte Beteiligung vor dessen Börsengang gewesen sein. Verhandelt der Chiphersteller nun tatsächlich eine neue Milliardensumme über den Börsengang selbst, wäre Nvidia nicht nur wichtigster Chiplieferant, sondern zugleich früher Aktionär eines der größten KI-Börsengänge überhaupt – eine Nähe, die Kritiker zirkulärer Finanzierungsstrukturen in der Branche schon bei früheren Nvidia-Deals bemängelt hatten. Der offizielle Prospekt Ende September dürfte erste Klarheit schaffen, ob Nvidia darin tatsächlich als Investor auftaucht.


