Das japanische KI-Unternehmen Sakana AI hat am 10. September 2026 mit Fugu Max und Fugu Ultra v2 zwei neue Orchestrierungsmodelle vorgestellt, die Anfragen automatisch an ein Netzwerk aus offenen und spezialisierten Systemen verteilen. Fugu Max kostet laut Sakana AI bis zu 60 Prozent weniger als vergleichbare Angebote von Anthropic, OpenAI und Moonshot AI. In der EU und im Europäischen Wirtschaftsraum bleibt der Dienst vorerst gesperrt.
Der Orchestrator wählt für jede Aufgabe das günstigste Modell
Fugu ist kein einzelnes Sprachmodell, sondern ein Orchestrator: Ein trainierter Koordinator nimmt eine Anfrage entgegen, verteilt Teilaufgaben an mehrere Modelle und fügt die Antworten zu einem Ergebnis zusammen. Die Technik basiert auf zwei Verfahren aus eigener Forschung: TRINITY weist wiederkehrenden Rollen wie Denker, Ausführendem und Prüfer einzelne Arbeitsschritte zu, ein weiteres, mit Reinforcement Learning trainiertes System namens Conductor entwickelt dazu passende Koordinationsstrategien in natürlicher Sprache.
Fugu Max koste 2 US-Dollar je Million Eingabe-Token und 6 US-Dollar je Million Ausgabe-Token und führe bei sechs Benchmarks die Bestenliste an, darunter Terminal Bench 2.1, GPQA Diamond und der Agenten-Test SWEFish. Eine Million Ausgabe-Token entsprechen etwa 750.000 Wörtern – umgerechnet ungefähr 1.500 gedruckten Buchseiten. Diese Zahlen gehen auf Angaben von Sakana AI zurück und sind unabhängig nicht verifiziert. Für den Modellpool kooperiert das Unternehmen mit Nvidia und bindet dessen Nemotron-Modellfamilie ein. Das leistungsstärkere Fugu Ultra v2 verfolgt ein anderes Ziel: Es soll bei anspruchsvollen, mehrstufigen Aufgaben die höchste Qualität erreichen und schließt dafür gezielt die Modelle Fable 5, Fable 5.1 und GPT-6 Astra aus dem Pool aus, um die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern zu verringern. Beide neuen Varianten laufen ausschließlich über eine gehostete, zu OpenAI kompatible Programmierschnittstelle. Eigene Modellgewichte zum Selbstbetrieb bietet Sakana AI nicht an. Bestehende Kunden sollen mit einer einzeiligen Codeänderung umsteigen können.
Sakana AI positioniert das Preismodell als Kampfansage an Marktführer
Nach Einschätzung von Fachmedien wie Yahoo Finance verschiebt Sakana AI mit dem Preismodell den Wettbewerb von einzelnen Modellpreisen hin zur Ökonomie der Orchestrierung selbst. Weil Fugu Aufgaben an austauschbare, teils offene Modelle weiterreicht statt an ein einziges proprietäres System gebunden zu sein, entkoppelt sich das Unternehmen zumindest teilweise von den Preisentscheidungen einzelner Anbieter.
Der Vorstoß reiht sich in eine Serie von Preissenkungen und Rabattaktionen der Branche ein. OpenAI senkte im Sommer die Preise seiner GPT-5.6-Modelle um bis zu 80 Prozent, Meta eröffnete mit Muse Spark 1.1 einen eigenen Preiskampf bei KI-Agenten. Gleichzeitig kämpfen IT-Einkäufer schon länger mit einer kaum noch zu überblickenden Modellflut großer Anbieter – ein zusätzliches Orchestrierungsmodell wie Fugu verspricht immerhin, die Modellauswahl unter der Haube zu automatisieren, statt sie Kundinnen und Kunden selbst zu überlassen. Ob sich große Anbieter wie Anthropic oder OpenAI durch günstigere Orchestrierungsschichten unter Druck gesetzt sehen, ist bislang nicht bekannt. Öffentliche Reaktionen der beiden Unternehmen auf den Fugu-Start liegen bislang nicht vor.
Entscheidend wird, ob sich das Orchestrierungsprinzip als eigenständiges Geschäftsmodell durchsetzt oder ob große Anbieter ähnliche Routing-Schichten einfach in ihre eigenen Produkte integrieren und damit unabhängige Zwischenschichten wie Fugu überflüssig machen. Offen bleibt zudem, wann und ob Sakana AI den Dienst auch für Kundinnen und Kunden in der EU und im Europäischen Wirtschaftsraum öffnet. Einen Termin dafür hat das Unternehmen bislang nicht genannt.


