KI-Wirtschaft

Oracle steigert Cloud-Infrastruktur-Umsatz um 121 Prozent

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Oracle steigerte den Umsatz mit Cloud-Infrastruktur im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 um 121 Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar. Der Gesamtumsatz wuchs um 30 Prozent auf 19,3 Milliarden Dollar, der Gewinn um 60 Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar. Das Unternehmen lieferte mehr als 300.000 Grafikprozessoren an Kunden aus, die Nachfrage übersteigt weiterhin das Angebot.

Ein Frachtschiff mit Oracle-Logo-Sticker bringt Container voller Grafikprozessoren in einen überfüllten Hafen, davor wartet eine Schlange von Firmenkunden mit leeren Transportwagen. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Cloud-Infrastruktur-Sparte wächst mit 121 Prozent deutlich stärker als jeder andere Oracle-Geschäftsbereich im Quartal.
  • Auftragsbestand steigt auf 664 Milliarden Dollar, ein Plus von 209 Milliarden Dollar binnen eines Jahres.
  • Konzern bucht im Quartal neue KI-Cloud-Verträge im Wert von mehr als 30 Milliarden Dollar.
  • Freier Cashflow rutscht trotz Rekordumsatz auf minus 5 Milliarden Dollar, weil Investitionen den Cashflow übersteigen.
  • Aktie fällt im regulären Handel gut fünf Prozent, erholt sich nachbörslich um mehr als vier Prozent.
  • Analyst Cory Johnson sieht Oracle als zentralen Infrastrukturpartner der größten Anbieter künstlicher Intelligenz.

Oracle hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 mehr Cloud-Rechenleistung verkauft als je zuvor: Der Umsatz mit Cloud-Infrastruktur stieg um 121 Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar. Der Softwarekonzern lieferte in den drei Monaten über 300.000 Grafikprozessoren an Kunden aus und bucht bereits neue KI-Cloud-Verträge im Wert von mehr als 30 Milliarden Dollar.

Cloud-Infrastruktur wächst schneller als der übrige Konzern

Der Gesamtumsatz des Konzerns kletterte im Quartal auf 19,3 Milliarden Dollar, ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Laut Quartalsbericht trug allein das Cloud-Geschäft 11,6 Milliarden Dollar dazu bei, ein Zuwachs von 62 Prozent. Innerhalb dieser Sparte wuchs vor allem die Vermietung von Rechenkapazität für künstliche Intelligenz: Der Umsatz mit CPU- und GPU-Infrastruktur legte um 151 Prozent auf 6,5 Milliarden Dollar zu. Die klassischen Cloud-Anwendungen wie NetSuite und die Fusion-Suite wuchsen dagegen nur einstellig bis niedrig zweistellig. Der Nettogewinn erreichte rund 4,7 Milliarden Dollar, sechzig Prozent mehr als im Vorjahr; das Ergebnis je Aktie übertraf die Erwartungen der Analysten. Oracle bestätigte damit seinen Kurs, das Kerngeschäft mit Datenbanken und Unternehmenssoftware zugunsten der Vermietung von KI-Rechenzentren umzubauen. Für das laufende zweite Quartal erwartet der Konzern ein Umsatzwachstum von 30 bis 34 Prozent, für das gesamte Geschäftsjahr mindestens 90 Milliarden Dollar Umsatz.

Auftragsbestand und GPU-Lieferungen wachsen im Gleichschritt

Der Auftragsbestand (Remaining Performance Obligations) stieg auf 664 Milliarden Dollar, ein Plus von 209 Milliarden Dollar binnen eines Jahres und 26 Milliarden Dollar allein gegenüber dem Vorquartal. Oracle bucht damit weiterhin schneller neue Verträge, als es Kapazität bauen kann: Die Auslastung der KI-Infrastruktur lag zuletzt bei 97,9 Prozent. Im abgelaufenen Quartal lieferte der Konzern mehr als 300.000 Grafikprozessoren aus und erweiterte seine Rechenzentrumskapazität um 850 Megawatt. Gleichzeitig investierte Oracle rund 28 Milliarden Dollar in neue Anlagen – mehr, als der operative Cashflow von 23 Milliarden Dollar hergab, wodurch der freie Cashflow im Quartal auf minus 5 Milliarden Dollar fiel. Finanziert wird der Ausbau auch über den Kapitalmarkt: Erst im ersten Quartal platzierte Oracle Aktien im Wert von 20 Milliarden Dollar. Das war bereits die zweite große Kapitalmaßnahme des Jahres, nachdem der Konzern im August zur Finanzierung des KI-Ausbaus auch Stellen gestrichen hatte.

Aktie schwankt trotz Rekordzahlen

An der Börse fiel die Reaktion zwiespältig aus. Die Oracle-Aktie hatte im regulären Handel am Tag der Zahlen zunächst rund 5,4 Prozent auf 152,94 Dollar verloren, bevor sie sich im nachbörslichen Handel auf 159,58 Dollar erholte, ein Plus von gut vier Prozent. Wie Yahoo Finance berichtet, zog der Kurs seit einem Jahrestief im Juli bereits um mehr als 30 Prozent an, liegt aber immer noch rund ein Fünftel unter dem Stand vom Jahresanfang. Grund für die Skepsis vieler Anleger bleibt die Finanzierung des KI-Ausbaus über Schulden: Die Ratingagentur S&P hatte Oracle im Juli auf die Stufe BBB- herabgestuft, nur eine Note über Ramschniveau. Der Analyst Cory Johnson vom Analysehaus Epistrophy Capital Research bezeichnete Oracle dennoch als einen der wichtigsten Infrastrukturpartner der großen KI-Anbieter, deren Nachfrage nach Rechenkapazität schneller wachse als das Angebot.

Entscheidend wird, ob Oracle die Vorfinanzierung der Rechenzentren refinanzieren kann, bevor Kunden ihre gebuchte Kapazität tatsächlich abrufen und bezahlen. Bislang wächst der Auftragsbestand schneller als der Cashflow, der die Schulden bedienen müsste. Für Firmen, die selbst KI-Anwendungen entwickeln, bedeutet die anhaltende Knappheit vor allem: Wer heute Rechenkapazität bei einem der großen Cloud-Anbieter bucht, muss weiterhin mit Wartezeiten und steigenden Preisen rechnen.

Häufige Fragen

Warum wächst Oracles Cloud-Geschäft schneller als der Rest des Unternehmens?

Die Nachfrage nach Rechenkapazität für das Training und den Betrieb von KI-Modellen übersteigt laut Oracle weiterhin das verfügbare Angebot. Das treibt vor allem die Infrastruktursparte, während klassische Softwareprodukte langsamer wachsen.

Ist Oracle Cloud Infrastructure auch in Deutschland und der EU verfügbar?

Ja, Oracle betreibt eigene Cloud-Regionen unter anderem in Frankfurt am Main. Buchung und Verwaltung laufen webbasiert über die Oracle-Cloud-Konsole, ein eigenes Vertragsmodell regelt Preise und Kapazitätsreservierung für Firmenkunden.

Wie ordnet sich Oracle im Vergleich zu anderen Cloud-Anbietern ein?

Mit 62 Prozent Wachstum im gesamten Cloud-Geschäft übertrifft Oracle die üblichen Wachstumsraten etablierter Hyperscaler, bleibt aber in absoluten Umsatzzahlen deutlich kleiner als die Marktführer.

Warum sinkt der freie Cashflow trotz Rekordumsatz?

Oracle investierte im Quartal rund 28 Milliarden Dollar in neue Rechenzentren und Chips, mehr als der operative Cashflow einbrachte. Der Konzern finanziert die Lücke über Schulden und neue Aktienausgaben.

Wie geht es mit Oracles Bonität weiter?

Die Ratingagentur S&P hatte Oracle im Juli wegen der hohen Verschuldung auf BBB- herabgestuft. Ob weitere Herabstufungen folgen, hängt davon ab, ob der wachsende Auftragsbestand tatsächlich in zahlende Kunden übersetzt wird.

Quellen (3)
  1. Oracle Q1 FY27 net income rises 60% to $4.7bn as cloud revenues surge (Yahoo Finance)
  2. Oracle stock trims gains as AI cloud demand outpaces supply (Yahoo Finance)
  3. Oracle Q1 FY2027 slides: cloud infrastructure surges 121%, guides $90B+ (Investing.com)

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