Anthropic verschiebt den Zeitplan für seinen Börsengang um mehrere Wochen. Der Prospekt für die Erstnotiz erscheint laut übereinstimmenden Berichten der Nachrichtenagentur Reuters erst Ende September, die Vermarktung der Aktien beginnt frühestens Mitte Oktober – rund einen Monat später als noch Ende August geplant. Das Unternehmen hält an einer möglichen Bewertung von bis zu zwei Billionen Dollar fest.
Prospekt und Vermarktung verschieben sich um Wochen
Noch Ende August hatte es geheißen, Anthropic wolle den Prospekt bereits nach dem 7. September veröffentlichen und die Erstnotiz Ende September oder Anfang Oktober vollziehen. Nach dem neuen Zeitplan verzögert sich beides: Der Prospekt solle demnach erst Ende September vorliegen, die eigentliche Vermarktung der Aktien bei institutionellen Investoren beginne frühestens Mitte Oktober. Das Börsendebüt selbst ist den Berichten zufolge für die Tage kurz vor den US-Kongresswahlen im November angesetzt. Ob der ursprünglich für Mitte September geplante Investorentag ebenfalls verschoben wird, ist bislang offen. Gründe für die Verzögerung nannten weder Anthropic noch die beteiligten Banken. Bei Börsengängen dieser Größenordnung verschieben sich Zeitpläne regelmäßig, etwa wegen aufwendiger Prüfunterlagen bei der US-Börsenaufsicht, der endgültigen Zusammensetzung des Bankenkonsortiums oder laufender Finanzierungsgespräche im Hintergrund. Anthropic selbst äußerte sich auf Anfrage nicht zu den eigenen Börsengangsplänen. Bereits im Sommer hatte das Unternehmen erste Investorentreffen aufgenommen, ohne sich zu diesem frühen Zeitpunkt bereits auf ein festes Notierungsdatum festzulegen.
Kreditlinie und Rekordbewertung bleiben trotz Verzögerung bestehen
Parallel zum Börsengang verhandelt Anthropic eine revolvierende Kreditlinie über 15 Milliarden Dollar, die dem Unternehmen zusätzliche finanzielle Flexibilität unabhängig vom Emissionserlös verschaffen soll. An der Notierung arbeiten laut übereinstimmenden Berichten die Banken Morgan Stanley, Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Citigroup. Für Anthropic ist Fremdkapital dieser Größenordnung nichts Neues: Erst im August hatte Google Kredite über 200 Milliarden Dollar für Anthropics Rechenchips verknüpft, abgesichert über eine eigens gegründete Zweckgesellschaft. Der wiederkehrende Bedarf an frischem Fremdkapital unterstreicht, wie kapitalintensiv der Ausbau von Rechenleistung für große Sprachmodelle geworden ist. An der grundsätzlichen Zielbewertung ändert die Terminverschiebung bislang nichts: Investoren kalkulieren weiterhin mit bis zu zwei Billionen Dollar – mehr als das Doppelte der letzten privaten Bewertung von 965 Milliarden Dollar im Mai 2026. Sechs von Anthropic befragte Investoren hatten diese Zielmarke bereits im August genannt, einer hielt sogar drei Billionen Dollar für möglich. Zum Vergleich: SpaceX sammelte bei seiner Erstnotiz im Juni 2026 rund 86 Milliarden Dollar ein, bislang der größte Börsengang des Jahres. Übertrifft Anthropic dieses Volumen wie erwartet, wäre die eigene Notierung nicht nur die bislang größte des Jahres, sondern auch ein Signal an den Rivalen OpenAI, der bislang noch keinen eigenen Börsentermin genannt hat.
Entscheidend wird, ob der Prospekt Ende September tatsächlich Klarheit über die endgültige Bewertung schafft oder die Zahlen bis zur Vermarktungsphase Mitte Oktober weiter schwanken. Erfolgt die Notierung wie geplant kurz vor den US-Kongresswahlen im November, träfe der bislang größte KI-Börsengang auf ein politisch aufgeladenes Marktumfeld – ein Test dafür, wie belastbar das Anlegerinteresse an KI-Werten jenseits der etablierten Tech-Konzerne tatsächlich ist.


