KI-Politik

Wildberger senkt Deutschlands KI-Ziel auf Platz 3

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Digitalminister Karsten Wildberger hat am 25. August 2026 bei der Kabinettsklausur in Neuhardenberg Platz drei oder vier im globalen KI-Wettlauf als neues Zwischenziel für Deutschland benannt. Grund ist der große Abstand zu den USA und China. Bei dem Regierungstreffen warben auch die Chefs von Siemens und Cohere für mehr industrielle KI-Nutzung.

Ein Siegertreppchen, dessen dritte Stufe ein leuchtender Mikrochip auf einem Aktenstapel mit Amtssiegel ziert, während die erste und zweite Stufe leer bleiben. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Digitalminister Wildberger nennt Platz drei oder vier als realistisches KI-Zwischenziel für Deutschland.
  • Aussage fiel am 25. August bei der Kabinettsklausur der Bundesregierung in Neuhardenberg.
  • Siemens-Chef Busch und Cohere-Chef Gomez warben bei der Klausur für mehr industrielle KI-Nutzung.
  • Deutschland bewirbt sich weiterhin um eine EU-KI-Gigafabrik, Bewerbungsfrist endet am 12. November 2026.
  • Wildberger verweist auf Chinas Aufholjagd mit weniger Ressourcen als Vorbild für Europa.
  • Eine frühere gemeinsame deutsche Gigafactory-Bewerbung war an Konzern-Uneinigkeit gescheitert.

Digitalminister Karsten Wildberger hat am 25. August 2026 bei der Kabinettsklausur der Bundesregierung in Neuhardenberg ein neues Zwischenziel für die deutsche KI-Politik formuliert: Platz drei oder vier im weltweiten Ranking statt eines Anspruchs auf die Spitzenposition. Grundlage ist der große Abstand zu den KI-Basismodellen aus den USA und China.

Regierung koppelt KI an Wirtschaftskurs

Die zweitägige Klausur im Schloss Neuhardenberg am 24. und 25. August stand unter dem Motto Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Bürokratieabbau; Künstliche Intelligenz bildete einen der drei Schwerpunkte. Bundeskanzler Friedrich Merz, Vizekanzler Lars Klingbeil und Innenminister Alexander Dobrindt zogen laut der Pressemitteilung der Bundesregierung eine positive Bilanz der Beratungen. Als externe Gäste warben Siemens-Chef Roland Busch und Cohere-Chef Aidan Gomez für eine stärkere industrielle KI-Nutzung; Forschungsministerin Dorothee Bär bezeichnete Innovationspolitik als Zukunftsvorsorge für die technologische Souveränität des Landes.

Bundeskriminalamt und Zoll demonstrierten bei der Klausur eigene KI-Anwendungen, darunter eine App zur automatisierten Personenüberprüfung; ergänzend zeigte das Unternehmen Tytan Technologies Drohnentechnik. Die Vorführungen sollten belegen, dass KI in Sicherheitsbehörden bereits im praktischen Einsatz ist und nicht nur angekündigt wird. Wildbergers Zwischenziel ist eine politische Einordnung seines Ministeriums und keine unabhängig verifizierte Platzierung in einem anerkannten KI-Ranking; ein solches Ranking für Staaten existiert bislang nicht in vergleichbarer, allgemein anerkannter Form. Der Minister begründete den Kurswechsel mit dem technologischen Vorsprung der beiden führenden KI-Nationen bei leistungsstarken Basismodellen.

Wildberger warnt vor komfortablen Ausreden

„Es geht nicht immer nur darum, die Nummer eins zu sein”, sagte Wildberger laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. Ein zu ambitioniertes Ziel berge die Gefahr einer komfortablen Entschuldigung, den Rückstand gar nicht erst aufholen zu wollen. Als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt sei Platz drei oder vier ein gutes Zwischenziel.

Als Beleg für die Aufholbarkeit verwies Wildberger auf China, das trotz geringerer Ressourcen zu den USA aufgeschlossen habe. Warum solle das Europa und Deutschland nicht ebenfalls gelingen, fragte er rhetorisch. Der Minister nannte zudem eine engere Zusammenarbeit mit Partnern in Frankreich und Kanada als Weg, um europäische Kräfte zu bündeln, ohne die Kooperation konkret zu beziffern. Besondere Stärken sieht er in der industriellen Anwendung von KI-Systemen, etwa in Fertigung, Maschinenbau und Automobilindustrie – Branchen, in denen deutsche Unternehmen traditionell führend sind und in denen sich der Rückstand bei reinen KI-Basismodellen leichter ausgleichen lasse. Für die deutsche KI-Politik bedeutet die neue Zielmarke eine Verschiebung des Maßstabs: Gemessen wird künftig eher am industriellen Nutzen als an der Größe eigener KI-Basismodelle.

Gigafactory-Bewerbung soll Rückstand verkleinern

Parallel zur strategischen Neuausrichtung hält die Bundesregierung an ihrer Bewerbung um eine der bis zu sieben europäischen KI-Gigafabriken fest, für die sie ihren Förderanteil im August auf eine Milliarde Euro erhöht hatte. Jede Gigafabrik soll rund 100.000 KI-Chips bündeln; die EU rechnet mit Gesamtinvestitionen von mehr als 30 Milliarden Euro, davon mindestens 20 Milliarden aus privaten Mitteln. Die Bewerbungsfrist der EU-Ausschreibung endet am 12. November 2026, über die Standortvergabe entscheidet die EU-Kommission voraussichtlich Anfang 2027. Die Ausschreibung ergänzt das bestehende EuroHPC-Supercomputernetzwerk und soll Europas technologische Unabhängigkeit von US-amerikanischen und chinesischen Anbietern stärken.

Eine frühere gemeinsame deutsche Bewerbung war bereits an uneinigen Konzerninteressen gescheitert; Telekom, Ionos und die Schwarz-Gruppe treten seither mit getrennten Anträgen an, während Bayern eigenständig für einen Standort in Schweinfurt wirbt. Wildbergers Ministerium wirbt nun dafür, den Rückstand über gezielte Infrastrukturförderung statt über eigene KI-Basismodelle aufzuholen – ein Kurs, der die Kluft zu den USA und China nicht schließen, aber die industrielle Anwendung stärken soll.

Entscheidend wird, ob sich die neue Zieldefinition in überprüfbaren Kennzahlen niederschlägt oder eine bloße Erwartungssteuerung bleibt. Der Zwischenbericht der im Juli eingesetzten KI-Taskforce der Bundesregierung, der für Ende August angekündigt ist, dürfte erste Hinweise liefern, mit welchen konkreten Maßnahmen Deutschland die Rangposition drei oder vier erreichen will.

Häufige Fragen

Wann und wo fiel Wildbergers Aussage zum KI-Zwischenziel?

Er äußerte sich am 25. August 2026 am Rande der zweitägigen Kabinettsklausur der Bundesregierung im Schloss Neuhardenberg in Brandenburg.

Was bedeutet 'Platz drei oder vier' konkret?

Wildberger möchte, dass Deutschland und Europa bei Künstlicher Intelligenz nicht mit den USA und China um die Spitzenposition konkurrieren, sondern sich als dritt- oder viertstärkste Kraft etablieren. Eine feste Messgröße oder ein anerkanntes Ranking nannte er dafür nicht.

Welche Rolle spielt die EU-Ausschreibung für KI-Gigafabriken dabei?

Deutschland bewirbt sich mit staatlicher Förderung von einer Milliarde Euro um einen von bis zu sieben EU-weiten Standorten für KI-Rechenzentren. Die Bewerbungsfrist endet am 12. November 2026, die Vergabe soll Anfang 2027 erfolgen.

Wie unterscheidet sich Deutschlands Position von anderen EU-Staaten?

Auch Frankreich, Italien, Spanien und Polen bewerben sich um Gigafabrik-Standorte und verfolgen eigene KI-Strategien. Wildberger nannte bei der Klausur eine engere Zusammenarbeit mit Partnern in Frankreich und Kanada, ohne diese näher zu beziffern.

Welche weiteren Schritte stehen an?

Die KI-Taskforce der Bundesregierung soll Ende August einen Zwischenbericht vorlegen, im November folgt der Digital-Gipfel. Bis Oktober will die Regierung die KI-Initiativen der einzelnen Ministerien bündeln.

Quellen (4)
  1. Bundesregierung: Kabinettsklausur in Neuhardenberg (Pressemitteilung)
  2. onvista/Reuters: Wildberger – sollten als Zwischenziel Platz 3 im KI-Rennen anstreben
  3. it-boltwise: Deutschland als KI-Nation – warum Wildberger 'Nummer 3 oder 4' als Zwischenziel sieht
  4. Europäische Kommission: EU-Ausschreibung für sieben KI-Gigafabriken

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