Meta hat die für November 2026 vorgesehene zweite Entlassungswelle nach interner Kritik verworfen. Das geht aus einer Recherche der Nachrichtenagentur Reuters hervor, die sich auf firmeninterne Dokumente stützt. Ursprünglich sollten laut den Unterlagen mindestens 20 Prozent der rund 79.000 Stellen wegfallen – umgesetzt wurde am Ende nur die im Mai wirksame erste Welle von zehn Prozent.
Interne Zahlen zeigen scheiternde Agenten-Strategie
Der Kurswechsel geht auf das im Januar 2026 gestartete Programm „Project OT” zurück, das Vorstandschef Mark Zuckerberg und seine Führungsriege bei einer Klausurtagung auf Hawaii entwarfen. Ziel war ein „KI-natives” Unternehmen, in dem autonome Software-Agenten einen Großteil der Arbeit heutiger Beschäftigter übernehmen. In einzelnen Szenarien der Planung sollten bestimmte Teams um bis zu 60 Prozent schrumpfen – deutlich mehr als die zehn Prozent, die Meta im Mai tatsächlich umsetzte.
Interne Kennzahlen zeichneten jedoch ein anderes Bild als erhofft: Die Zahl der Codeänderungen stieg im Jahresvergleich um 220 Prozent, die Zahl tatsächlich bei Nutzenden ankommender Funktionen aber nur um 36 Prozent. Gleichzeitig nahmen größere technische Störungen um 40 Prozent zu, der Aufwand für ihre Behebung um 70 Prozent. Bei einem internen Treffen im Juli räumte Zuckerberg ein, die Entwicklung der Agenten-Technologie sei in den vorangegangenen vier Monaten nicht wie erwartet vorangekommen.
Beschäftigte wehren sich gegen Überwachung und Kündigungsangst
Der Widerstand gegen die Pläne wuchs, nachdem Meta auf Rechnern von Beschäftigten in den USA eine Software installierte, die Tastatur- und Mausbewegungen aufzeichnet, um daraus Trainingsdaten für die firmeneigenen KI-Agenten zu gewinnen. Viele Mitarbeitende posteten daraufhin im internen Netzwerk Workplace wütende Kommentare und Galgenhumor – manche illustrierten ihre Sorge, die eigene Ersetzung zu trainieren, mit Elefanten-Bildern als Anspielung auf den sprichwörtlichen Elefanten im Raum. Der halbjährliche Stimmungsindex von Meta fiel in diesem Zeitraum von 74 auf 55 Prozent Zustimmung.
In der Nacht zum 20. Mai, wenige Stunden vor dem Start der ersten Kündigungswelle, entschied sich Zuckerberg laut den internen Dokumenten dagegen, die für November geplante zweite Runde weiterzuverfolgen. Bereits die im Mai wirksame erste Welle von rund 8.000 Stellen hatte im Juli zu einer Klage von 26 Beschäftigten geführt, die Meta vorwarfen, geschützte Beschäftigte per Algorithmus für den Stellenabbau ausgewählt zu haben.
Meta bestätigt das Programm, dementiert Details
Ein Unternehmenssprecher bestätigte gegenüber Reuters die Existenz von „Project OT”, wies aber zurück, dass sämtliche geprüften Szenarien umgesetzt worden seien. Man habe stattdessen tausende Beschäftigte auf neu geschaffene, priorisierte Teams verlagert – ein Ausgang, der nie als sicher angenommen worden sei. Zu den Vorwürfen aus der Klage vom Juli erklärte das Unternehmen erneut, Leistungsbewertungen und Beförderungsentscheidungen träfen ausschließlich Menschen, keine Software. Zuckerberg teilte den verbliebenen Beschäftigten mit, er erwarte für den Rest des Jahres 2026 keine weiteren unternehmensweiten Entlassungen mehr.
An den milliardenschweren Investitionsplänen für KI-Infrastruktur ändert der Rückzieher nichts: Meta hatte zuletzt ein Ausgabenbudget von bis zu 145 Milliarden Dollar für 2026 angekündigt, deutlich mehr als die rund 72 Milliarden Dollar des Vorjahres.
Offen bleibt, ob das eingeräumte Scheitern der internen Agenten-Strategie auch Auswirkungen auf das laufende Gerichtsverfahren der 26 Klägerinnen und Kläger hat, die Meta beschuldigen, die Auswahl für die Mai-Kündigungen an eine Software delegiert zu haben. Für andere Technologiekonzerne, die ihre Belegschaft ebenfalls unter Verweis auf KI-Effizienz verkleinern, liefert der Fall zudem ein erstes öffentlich dokumentiertes Beispiel dafür, wie schnell solche Pläne an der Realität scheitern können, wenn die versprochene Produktivität ausbleibt.


