Google beendet die für iOS und Android geplante App AI Studio noch vor dem Marktstart, obwohl sich rund 800.000 Nutzerinnen und Nutzer vorab registriert hatten. Die Funktionen zum Bau eigener Apps per KI-Prompt wandern stattdessen direkt in die bestehende Gemini-App für Smartphone und Desktop. Einen Termin für die Integration nennt der Konzern bislang nicht.
Konzern bündelt App-Bau direkt in der Gemini-App
Google hatte die mobile AI-Studio-App im Mai auf der eigenen Entwicklerkonferenz I/O 2026 angekündigt. Sie sollte es erlauben, unterwegs eine Idee einzugeben und bis zum Erreichen des Schreibtischs bereits einen funktionierenden Prototyp vorzufinden – als mobile Alternative zur bisherigen Nutzung von aistudio.google.com im Browser. Rund 800.000 Interessierte reservierten die App vorab über Google Play und den App Store, ein für eine noch nicht veröffentlichte App ungewöhnlich hoher, unabhängig nicht verifizierter Wert. Das gilt als Beleg für das Interesse an KI-gestütztem App-Bau ohne eigene Programmierkenntnisse.
Über einen Post des offiziellen AI-Studio-Kontos auf X teilte Google nun mit, statt einer weiteren App zum Download einen anderen Ansatz zu verfolgen. Apps entstünden künftig unmittelbar aus alltäglichen Unterhaltungen mit Gemini heraus, ohne separate Installation. Das Gemini-Team und das AI-Studio-Team arbeiten bereits gemeinsam daran, diese Bau-Funktionen in die Gemini-App auf Mobilgeräten und Desktop einzubauen. Eine eigenständige App, wie ursprünglich geplant, ist damit vom Tisch.
Web-Version bleibt bestehen, Rollout-Termin offen
Die browserbasierte Version unter aistudio.google.com läuft unverändert weiter. Wie 9to5Google berichtet, bleibt sie die Plattform für alle, die eine erste Eingabe Schritt für Schritt zu einem vollständigen, produktionsreifen Projekt ausbauen wollen – etwa für kleine interne Firmen-Tools. Für die geplante Integration in die Gemini-App liegt bislang kein Termin vor: Google kündigte lediglich an, in Kürze weitere Details zu teilen.
Die Gemini-App selbst steht in Deutschland und der gesamten EU kostenlos zum Download bereit, Grundfunktionen lassen sich ohne Abo nutzen. Für höhere Nutzungsgrenzen und erweiterte Modelle ist ein kostenpflichtiges Google-AI-Abo nötig, wie bereits bei anderen Gemini-Funktionen. Die Web-Version von AI Studio selbst bleibt für erste Prototypen kostenlos nutzbar. Wer einen dort gebauten Prototyp produktiv einsetzen will, braucht schon heute einen separaten, nutzungsabhängig abgerechneten Zugang über die Gemini-API. Ob die künftige App-Bau-Funktion in Gemini an dieselbe Abo-Grenze gekoppelt wird, ließ Google offen. Für Berufstätige, die ohne Programmierkenntnisse kleine interne Tools bauen wollten, ändert sich damit vor allem der Zugangsweg: Statt einer zusätzlichen App genügt künftig die ohnehin meist schon installierte Gemini-App.
Entscheidung setzt Googles Konsolidierungskurs bei Gemini fort
Der Schritt reiht sich in eine Serie von Produktentscheidungen ein, mit denen Google Zusatzfunktionen statt in eigenen Apps direkt in Gemini bündelt. Erst Ende Juli erhielt die Gemini-App für Mac eine systemweite Diktierfunktion. Zuvor hatte der Konzern mit den günstigeren Gemini-3.6-Modellen ebenfalls auf eine engere Verzahnung mit der Haupt-App gesetzt statt auf separate Werkzeuge. Digital Trends ordnet die Absage entsprechend als Vermeidung von App-Fragmentierung ein: Statt Funktionen auf mehrere Downloads zu verteilen, soll Gemini zur zentralen Anlaufstelle für App-Erstellung werden.
Bereits im Juni 2026 hatte Google die separate Bildbearbeitungs-App Pixel Studio eingestellt und deren Funktionen in das Gemini-Bildmodell Nano Banana überführt, wie gagadget berichtete. Es ist ein weiteres Beispiel für die Linie, KI-Werkzeuge zu bündeln statt über mehrere Apps zu verteilen. Zu den rund 800.000 Vorbestellungen für die AI-Studio-App äußerte sich Google nicht dazu, ob die betroffenen Nutzerinnen und Nutzer eine gesonderte Benachrichtigung oder einen direkten Zugang zur künftigen Gemini-Funktion erhalten.
Entscheidend wird, ob Google die App-Erstellung so unauffällig in bestehende Gemini-Gespräche einbindet, dass sie im Alltag tatsächlich gefunden wird. Frühere Zusatzfunktionen der App blieben hinter den Erwartungen an ihre Sichtbarkeit zurück. Offen bleibt zudem, ob der noch unbenannte Rollout-Termin gleichzeitig in den USA und in der EU greift.


