Recht

EU-KI-Verordnung: Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte startet

3 Min. Lesezeit
Ein rundes Prüfsiegel mit der Aufschrift „KI" wird auf ein Foto gestempelt, umgeben von einem Ring aus EU-Sternen und der Silhouette eines kalifornischen Bären. Generiertes Bild mit GPT Image 2
Ein rundes Prüfsiegel mit der Aufschrift „KI" wird auf ein Foto gestempelt, umgeben von einem Ring aus EU-Sternen und der Silhouette eines kalifornischen Bären.
Teil des Dossiers: Die KI-Transparenzpflicht →

TL;DR Too Long; Didn’t read

Ab dem 2. August 2026 gelten in der EU die Transparenzpflichten aus Artikel 50 der KI-Verordnung mit Bußgeldern bis 15 Millionen Euro. Zeitgleich wird in Kalifornien der California AI Transparency Act (SB 942) wirksam, der ein kostenloses Erkennungstool sowie sichtbare und eingebettete Kennzeichnungen verlangt. Der gemeinsame Stichtag ist laut Gesetzesmaterialien bewusst gewählt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zwei unabhängige Gesetze aus EU und Kalifornien treten am selben Tag mit Kennzeichnungspflichten für KI-Inhalte in Kraft.
  • EU-Verstöße gegen Artikel 50 der KI-Verordnung kosten bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des Jahresumsatzes.
  • Kaliforniens AB 853 verschob den Starttermin von SB 942 gezielt vom 1. Januar auf den 2. August 2026.
  • Kalifornische Anbieter mit über einer Million Nutzern brauchen ab sofort ein kostenloses KI-Erkennungstool.
  • Für bereits vermarktete EU-Systeme endet die Übergangsfrist zur Markierung erst am 2. Dezember 2026.
  • Ab Januar 2027 gelten Kaliforniens Pflichten zusätzlich für reine KI-Hosting-Plattformen.

Ab dem heutigen 2. August gelten in der EU und in Kalifornien zwei unabhängig voneinander beschlossene, aber bewusst zeitgleich in Kraft gesetzte Kennzeichnungspflichten für KI-Inhalte. In der EU drohen Verstöße gegen Artikel 50 der KI-Verordnung Bußgelder bis 15 Millionen Euro, in Kalifornien müssen große KI-Anbieter ab sofort ein kostenloses Erkennungstool für KI-Inhalte bereithalten.

EU-Verordnung verlangt maschinenlesbare Markierung

Artikel 50 der KI-Verordnung ist seit August 2024 in Kraft, wird aber erst mit dem heutigen Stichtag unmittelbar anwendbar und durchsetzbar. Wie beckmann.ai bereits im Juli berichtete, müssen Chatbots für Nutzer eindeutig als nicht-menschlich erkennbar sein. Anbieter generativer KI-Systeme müssen zudem sicherstellen, dass synthetisch erzeugte Bild-, Audio-, Video- oder Textinhalte maschinenlesbar markiert sind. Deepfakes und KI-generierte Texte zu Themen von öffentlichem Interesse benötigen zusätzlich eine für Menschen sichtbare Kennzeichnung, außer ein Mensch trägt die redaktionelle Verantwortung.

Wer KI-Systeme zur Emotionserkennung oder biometrischen Kategorisierung betreibt, muss betroffene Personen zusätzlich darüber informieren. Die EU-Kommission veröffentlichte am 20. Juli 2026 finale Leitlinien zu Artikel 50, um Behörden und Anbietern eine einheitliche Auslegung zu ermöglichen. Der sogenannte Digital Omnibus verschiebt zwar Hochrisiko-Pflichten auf 2027 und 2028, lässt Artikel 50 aber unangetastet. Nur für Systeme, die bereits vor dem Stichtag im Markt waren, gilt für die maschinenlesbare Markierung eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis 15 Millionen Euro oder drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Kalifornisches Gesetz verlangt zusätzliches Prüfwerkzeug

Zeitgleich wird in Kalifornien der California AI Transparency Act (SB 942) wirksam. Das Gesetz war ursprünglich zum 1. Januar 2026 vorgesehen; AB 853, im Oktober 2025 von Gouverneur Gavin Newsom unterzeichnet, verschob den Starttermin ausdrücklich auf den 2. August 2026 – denselben Tag wie die EU-Vorgaben. Betroffen sind sogenannte Covered Provider: Anbieter generativer KI-Systeme mit mehr als einer Million monatlichen Nutzern in Kalifornien. Das Gesetz erfasst damit nach Einschätzung von Rechtsanalysen praktisch alle großen Anbieter – von OpenAI und Google über Meta bis zum Musikdienst Suno, der zugleich in München wegen Urheberrechtsverstößen verurteilt wurde. Eine offizielle Liste betroffener Unternehmen veröffentlicht Kalifornien nicht; die konkrete Zuordnung ist unabhängig nicht verifiziert.

Die kalifornischen Vorgaben verlangen ein kostenlos zugängliches Erkennungstool, mit dem sich KI-generierte Bild-, Audio- und Videoinhalte identifizieren lassen. Anbieter müssen außerdem eine sichtbare Kennzeichnung anbieten sowie eine im Inhalt eingebettete, latente Markierung setzen. Diese Pflichten gelten laut Gesetzestext auch für Lizenznehmer, die fremde KI-Systeme lediglich weiterverwenden – die Verantwortung reicht also über den ursprünglichen Anbieter hinaus. Ab dem 1. Januar 2027 verschärft sich die Regel zusätzlich für generative KI-Hosting-Plattformen, die Modelle Dritter lediglich bereitstellen, ohne sie selbst zu entwickeln.

Zwei Rechtsräume stimmen ihre Fristen ab

Der gemeinsame Stichtag ist kein Zufall: Kaliforniens Gesetzgeber verschob die Frist eigens, um sie an die EU-Vorgaben anzugleichen, wie aus den Materialien zu AB 853 hervorgeht. Damit ziehen zwei der größten KI-Märkte weltweit an einem Tag mit vergleichbaren Kennzeichnungsregeln nach. Andere US-Bundesstaaten gehen eigene Wege: Illinois verpflichtet KI-Konzerne ab 2027 zu jährlichen externen Sicherheitsaudits, ein anderer regulatorischer Ansatz als die reine Inhaltskennzeichnung in Kalifornien und der EU.

International bleibt das Bild uneinheitlich. China verlangt vergleichbare Kennzeichnungen bereits seit September 2025, in den USA liegt ein Bundesgesetz zur KI-Kennzeichnung weiterhin unverabschiedet im Senat. Die EU und Kalifornien sind damit die ersten großen Rechtsräume, deren Vorgaben ab heute parallel und mit eigener Durchsetzungsbefugnis gelten.

Offen bleibt, ob die vorgeschriebenen Erkennungswerkzeuge in der Praxis zuverlässig zwischen echten und KI-generierten Inhalten unterscheiden – ein technisches Problem, das weder die EU-Leitlinien noch das kalifornische Gesetz vollständig lösen. Die nächste Bewährungsprobe folgt zum 2. Dezember 2026, wenn die Übergangsfrist für bereits im Markt befindliche EU-Systeme endet und sich zeigt, wie streng die ersten Prüfungen tatsächlich ausfallen.

Häufige Fragen

Was schreibt Artikel 50 der EU-KI-Verordnung im Kern vor?

Chatbots müssen sich als KI zu erkennen geben, KI-generierte Bild-, Audio-, Video- und Textinhalte müssen maschinenlesbar markiert sein, und Deepfakes zu Themen von öffentlichem Interesse brauchen eine für Menschen sichtbare Kennzeichnung.

Welche Unternehmen fallen unter das kalifornische Gesetz?

Erfasst sind Anbieter generativer KI-Systeme mit mehr als einer Million monatlichen Nutzern in Kalifornien – dazu zählen nach Einschätzung von Rechtsanalysen unter anderem OpenAI, Google, Meta und der Musikdienst Suno.

Warum starten beide Gesetze ausgerechnet am 2. August 2026?

Kaliforniens Gesetzgeber verschob den ursprünglich für Januar 2026 geplanten Starttermin von SB 942 mit der Novelle AB 853 bewusst auf denselben Tag wie die EU-Vorgaben.

Gilt die Kennzeichnungspflicht auch für Nutzer in Deutschland?

Ja, die EU-Verordnung gilt unmittelbar in allen Mitgliedstaaten; die Marktaufsicht in Deutschland soll laut geplantem Gesetzentwurf bei der Bundesnetzagentur liegen.

Was ändert sich als Nächstes im Zeitplan?

Am 2. Dezember 2026 endet die EU-Übergangsfrist für bereits vermarktete Systeme, ab dem 1. Januar 2027 erfasst Kaliforniens Gesetz zusätzlich reine KI-Hosting-Plattformen.


← Zurück zum Blog