SpaceX plant nach eigenen Angaben, bis Ende 2027 ein Gigawatt Rechenleistung mit Satelliten im Erdorbit für künstliche Intelligenz bereitzustellen. Das erste Fluggerät der Reihe, AI1, soll bereits kommendes Jahr als Prototyp ins All starten. Unabhängige Marktanalysen bezweifeln jedoch, dass sich solche Rechenzentren im Orbit vor den 2030er-Jahren wirtschaftlich rechnen.
SpaceX baut eine Gigafabrik für Orbit-Satelliten
Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX zeigte die technischen Details im Rahmen seines Börsengangs im Juni 2026. Der erste Satellit der Reihe, AI1, misst rund siebzig Meter von Spitze zu Spitze und wäre damit breiter als eine Boeing 747. Ein rund 110 Quadratmeter großer Flüssigkeitskühler soll die Abwärme der Rechenchips im Vakuum abführen. Ein einzelner Satellit erreicht laut Unternehmensangaben eine Rechenleistung von bis zu 150 Kilowatt in der Spitze, im Schnitt rund 120 Kilowatt.
Gebaut werden sollen die Satelliten in einer neuen Fabrik namens Gigasat im texanischen Bastrop. Sie erstreckt sich über rund 400 Hektar und soll langfristig bis zu eine Million Quadratmeter Produktionsfläche umfassen. Erste Prototypen sollen Anfang 2027 starten, die kommerzielle Flotte soll bis Ende desselben Jahres auf ein Gigawatt Rechenleistung anwachsen. Langfristig soll die Flotte laut Musk auf bis zu eine Million Satelliten anwachsen – eine Größenordnung, die weit über die bislang konkretisierten Pläne hinausgeht. SpaceX bezifferte seinen Börsenwert beim Börsengang im selben Monat auf rund 75 Milliarden Dollar. Die hohe Bewertung begründete das Unternehmen auch mit dem Potenzial der Orbit-Rechenzentren als zusätzlichem Geschäftsfeld neben dem klassischen Raketen- und Satellitengeschäft.
Google und Start-ups verfolgen eigene Satellitenpläne
Auch andere Unternehmen arbeiten an Rechenzentren im Orbit. Google kündigte im November 2025 das Forschungsprojekt Suncatcher an: einen Verbund solarbetriebener Satelliten mit eigenen Tensor Processing Units, der künftig maschinelles Lernen im All berechnen soll. Zusammen mit dem Partner Planet will Google Anfang 2027 zwei Testsatelliten in den Orbit bringen, um die Hardware erstmals unter realen Bedingungen zu prüfen.
Das von Nvidia unterstützte Start-up Starcloud trainierte im Dezember 2025 nach eigenen Angaben das erste KI-Modell im Weltraum und bereitet mit Starcloud-2 einen größeren Satelliten mit GPU-Cluster vor. Das ebenfalls junge Unternehmen Cowboy Space sammelte im Mai 2026 in einer von Index Ventures angeführten Finanzierungsrunde 275 Millionen Dollar bei einer Bewertung von zwei Milliarden Dollar ein. Das von Robinhood-Mitgründer Baiju Bhatt geleitete Unternehmen will die ausgebrannte zweite Raketenstufe direkt als Rechenzentrums-Behälter weiterverwenden. Jedes Modul soll rund ein Megawatt Rechenleistung mit etwa 800 Grafikprozessoren liefern. Beide Vorhaben befinden sich noch in einer frühen Testphase und haben bislang keine Rechenleistung im industriellen Maßstab im Orbit nachgewiesen.
Analysten bezweifeln die Wirtschaftlichkeit im Orbit
Mehrere Marktanalysen stellen infrage, ob sich Rechenzentren im All in absehbarer Zeit rentieren. Wood Mackenzie beziffert die Kosten eines ein Gigawatt starken Orbital-Rechenzentrums auf rund 170 Milliarden Dollar, etwa das Dreifache einer vergleichbaren Anlage am Boden. Rund sechzig Prozent davon entfallen der Analyse zufolge auf Raketenstarts und Satellitenbau. Forschungsdirektor Robert Liew zufolge sei eine Kostensenkung um etwa siebzig Prozent nötig, um mit Bodenanlagen gleichzuziehen.
Die Analysefirma SemiAnalysis kommt zu einem ähnlichen Bild: Rechenleistung im Orbit koste aktuell etwa das Vierfache der terrestrischen Variante, umgerechnet rund 10,91 Dollar pro Grafikprozessor-Stunde gegenüber 2,49 Dollar am Boden. Kostenparität erwarten die Analysten frühestens um das Jahr 2040, vorausgesetzt, SpaceX senkt die Startkosten seiner Falcon-9-Rakete von derzeit rund 1.400 bis 1.800 Dollar auf etwa 250 Dollar pro Kilogramm. Diese Zeitachse ist unabhängig nicht verifiziert und hängt von mehreren, gleichzeitig eintretenden Kostensenkungen ab. Hinzu kommen technische Unsicherheiten: Kühlung, Wartung und die Vernetzung großer Satellitenflotten im kommerziellen Maßstab hat bislang kein Unternehmen im großen Stil erprobt.
Befeuert wurde die Debatte in dieser Woche durch einen öffentlichen Schlagabtausch zwischen den früheren OpenAI-Mitgründern Elon Musk und Sam Altman. Der Streit folgte auf Apples Klage gegen OpenAI wegen mutmaßlich gestohlener Geschäftsgeheimnisse. Altman schrieb auf X, Musk verkaufe Börseninvestoren kurzfristig ausgelegte Weltraum-Rechenzentren als Anlageversprechen, woraufhin Musk erwiderte, die Flotte fliege bereits im kommenden Jahr. Entscheidend wird, ob die für Anfang 2027 geplanten Testflüge von Google und SpaceX die Hardware im rauen Orbit-Umfeld als zuverlässig bestätigen. Bislang bleibt das für beide Projekte unbewiesen.


