Der taiwanische Chipauftragsfertiger TSMC hat für das zweite Quartal 2026 einen Konzernumsatz von rund 39,6 Milliarden US-Dollar ausgewiesen, ein Anstieg von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allein im Juni kletterte der Umsatz um 67,9 Prozent und übertraf den bisherigen Rekordmonat Mai deutlich. Grund für den Sprung ist die ungebrochene Nachfrage nach Chips für Anwendungen der künstlichen Intelligenz.
Junizahlen übertreffen den bisherigen Rekordmonat
Nach Angaben der TSMC-Investor-Relations-Seite erreichte der Umsatz im Juni 442,68 Milliarden Taiwan-Dollar, umgerechnet etwa 13,8 Milliarden US-Dollar. Das liegt 6,2 Prozent über dem Vormonat Mai, der zuvor mit 416,98 Milliarden Taiwan-Dollar den bis dahin höchsten Monatswert markierte. Der Anstieg durchbricht damit ein saisonales Muster: In den vier Jahren zuvor sank der Juni-Umsatz jeweils gegenüber dem Mai.
Für das erste Halbjahr 2026 summiert sich der Umsatz auf 2,4 Billionen Taiwan-Dollar, ein Plus von 35,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Quartalswert übertraf zudem die Konsensschätzung von zwanzig Analysten, die im Schnitt mit 1,264 Billionen Taiwan-Dollar gerechnet hatten, wie CNBC berichtete. Auch die eigene Prognose vom April, die einen Umsatz zwischen 39,0 und 40,2 Milliarden US-Dollar vorsah, wurde damit erreicht. Die TSMC-Aktie legte nach der Meldung um rund ein Prozent zu.
TSMC beliefert unter anderem Nvidia, Apple und AMD und gilt als größter Auftragsfertiger für fortschrittliche Chips weltweit. Der eigentliche Chipentwurf bleibt dabei Aufgabe der Kunden. TSMC übernimmt ausschließlich die Fertigung.
KI-Nachfrage bringt Fertigungskapazität an ihre Grenzen
Fortschrittliche Fertigungsprozesse ab sieben Nanometern trugen im ersten Quartal rund drei Viertel zum gesamten Wafer-Umsatz bei, allein die Drei-Nanometer-Technologie steuerte ein Viertel bei, wie aus TSMCs Quartalsbericht hervorgeht. Die Kapazität für die fortschrittliche CoWoS-Verpackungstechnik, die für KI-Beschleuniger benötigt wird, gilt für das gesamte Jahr 2026 als ausgebucht. Auch die modernste Fertigungslinie für Drei-Nanometer-Chips ist Marktbeobachtungen zufolge bis Jahresende praktisch komplett gebucht.
Unternehmenschef C. C. Wei beschrieb die Lage laut Tech Times als „äußerst knapp und bis Ende 2026 ausverkauft”. Nvidia sichert sich demnach rund 60 Prozent dieser Verpackungskapazität. Zusammen mit Broadcom und AMD entfallen damit etwa 85 Prozent auf die drei größten Abnehmer. Diese Kundenanteile stammen aus Brancheneinschätzungen und sind unabhängig nicht verifiziert.
Um die knappe Kapazität auszugleichen, erhöhte TSMC die Preise für Fertigungsprozesse ab sieben Nanometern nach übereinstimmenden Berichten um fünf bis zehn Prozent. KI-Kunden verkraften den Aufschlag demnach ohne Probleme, während Hersteller von Smartphones und PCs unter Druck geraten und die Mehrkosten voraussichtlich im vierten Quartal an Verbraucher weitergeben.
Vollständige Zahlen und US-Investitionen folgen am 16. Juli
Die bisher veröffentlichten Zahlen sind vorläufige Monatswerte, die TSMC nach eigenen Angaben nicht testiert. Den vollständigen Quartalsbericht mit Gewinn, Marge und aktualisierter Jahresprognose will das Unternehmen am 16. Juli 2026 vorlegen. Analysten achten dabei besonders darauf, ob TSMC die Prognose für das Gesamtjahr von bislang über 30 Prozent Umsatzwachstum in US-Dollar anhebt. Zudem verfolgen sie, ob das Unternehmen das Investitionsbudget von 52 bis 56 Milliarden Dollar für 2026 nach oben korrigiert.
Zusätzlich investiert TSMC nach eigenen Angaben 65 Milliarden US-Dollar in drei Fabriken im US-Bundesstaat Arizona. Ein weiteres Investitionspaket von 100 Milliarden Dollar für den Ausbau der US-Fertigung wurde bereits angekündigt. Mehr als 90 Prozent der weltweiten Fertigung modernster Chips laufen aktuell dennoch weiterhin in Taiwan, was Kunden und Investoren als geopolitisches Risiko gilt.
Wie stark diese Konzentration das Geschäft verwundbar macht, zeigte sich laut Tech Times zuletzt an der Berichtsverzögerung durch den Taifun Bavi, der die Veröffentlichung der Junizahlen um zwei Tage verschob.
Entscheidend wird, ob TSMC beim Earnings Call am 16. Juli die Jahresprognose tatsächlich anhebt. Ein höherer Ausblick würde signalisieren, dass der KI-Investitionszyklus trotz wachsender Zweifel von Anlegern an der Tragfähigkeit der milliardenschweren KI-Ausgaben ungebrochen weiterläuft. Bleibt die Prognose unverändert, dürfte das als erstes Anzeichen einer Abkühlung gewertet werden.


