Sicherheit

LiteLLM-Leck: Hudson Rock findet 153-Gigabyte-Archiv mit Zugangsdaten

3 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Hudson Rock hat einen Datensatz aus dem LiteLLM-Angriff öffentlich gemacht, der Zugangsdaten von mutmaßlich 2488 Unternehmen bündelt. Das 153 Gigabyte große Archiv umfasst 433.909 Einzeldateien und nennt erstmals auch Samsung, ServiceNow und Deloitte als mögliche Ziele. Ein kostenloser Domain-Check zeigt betroffenen Firmen, ob eigene Zugänge enthalten sind. Laut FBI bleiben die im März kopierten Zugangsdaten weiter ein Angriffsrisiko.

Eine Lupe mit der Aufschrift Hudson Rock vergrößert einen aufgerissenen Container mit der Aufschrift LiteLLM, aus dem goldene Schlüssel auf ein Aktenarchiv fallen. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • Hudson Rock ordnet 118.829 CI-Runner-Dumps insgesamt 2488 Firmendomains zu.
  • Das Archiv misst 153 Gigabyte und enthält 433.909 Einzeldateien aus dem März-Vorfall.
  • Neu genannt werden unter anderem Samsung, ServiceNow, Deloitte, John Deere und BT Group.
  • Ein kostenloser Lookup unter hudsonrock.com/litellm prüft, ob die eigene Domain betroffen ist.
  • Verifizierte Firmen erhalten über die Plattform Cavalier Zugriff auf ihre eigenen Funde.
  • Das FBI warnt weiterhin vor Missbrauch der bereits im März gestohlenen Zugangsdaten.

Die Sicherheitsfirma Hudson Rock hat ein Archiv mit gestohlenen Zugangsdaten aus dem LiteLLM-Angriff vom März 2026 ausgewertet und öffentlich gemacht. Die 153 Gigabyte große Sammlung enthält 433.909 Dateien, die Analysten 2488 Firmendomains zuordnen – deutlich mehr Detailtiefe als die bisherige Schätzung von Anfang August.

Archiv bündelt Rohdaten aus Zehntausenden Pipelines

Laut Hudson-Rock-Mitgründer Alon Gal stammen die Daten aus automatisiert mitgeschnittenen CI-Runner-Umgebungen, die im März durch die eingeschleuste Datei litellm_init.pth abgegriffen wurden. Von den 433.909 Dateien im Archiv ordnet die Firma 118.829 CI-Runner-Dumps konkreten Firmendomains zu, für den Rest fehlt bislang eine eindeutige Zuordnung. Das Paket bündelt AWS-Zugangsschlüssel, Azure-Umgebungsvariablen, Slack-Signierschlüssel, Salesforce-Client-Secrets, interne JWT-Tokens, Datenbankpasswörter sowie Zugangsschlüssel für KI-Anbieter. Zusätzlich fanden sich lokale Konfigurationsdateien wie .aws/credentials und .kube/config sowie GitLab-Zugangsdaten, die auf direkten Zugriff auf Entwicklerrechner hindeuten.

Der ursprüngliche Angriff ist damit nicht neu: Wie beckmann.ai bereits berichtete, hatte die Gruppe TeamPCP im März den Scanner Trivy kompromittiert und darüber zwei manipulierte LiteLLM-Versionen auf PyPI veröffentlicht. Neu ist der Umfang der jetzt ausgewerteten Rohdaten: Wo der CloudSEK-Bericht vom 11. August auf abgeglichene Domainlisten setzte, veröffentlicht Hudson Rock nun das zugrunde liegende 153-Gigabyte-Archiv selbst zur Prüfung und speist es in die eigene Bedrohungsdatenbank Cavalier ein. Zum Vergleich: Die Datenmenge entspricht etwa 30.000 Fotos in hoher Auflösung – gebündelt in reinen Text- und Konfigurationsdateien aus Firmensystemen.

Weitere Großkonzerne stehen jetzt auf der Liste

Über die sechs bereits aus dem CloudSEK-Bericht bekannten Namen Nvidia, Amazon Web Services, Cisco, Salesforce, Orange und Siemens hinaus nennt Hudson Rock nun zusätzlich Samsung, ServiceNow, S&P Global, Deloitte, John Deere, Epic Games und den britischen Telekommunikationskonzern BT Group als Organisationen mit Treffern im Archiv. Die übrigen rund 300.000 Dateien ließen sich bislang keiner Domain eindeutig zuordnen, die Zahl der tatsächlich betroffenen Organisationen könnte damit weiter steigen.

Auffällig ist der Anteil an Fertigungs- und Landtechnikzulieferern wie John Deere neben Finanzdienstleistern wie S&P Global und Beratungshäusern wie Deloitte – Branchen, in denen gestohlene Cloud-Zugänge besonders große Folgeschäden anrichten können. Gerade Beratungsfirmen verwalten oft Zugänge zu den Systemen ihrer eigenen Kunden, wodurch ein einzelnes kompromittiertes Konto weitere Organisationen mittelbar betreffen kann.

Diese Zuordnung ist unabhängig nicht verifiziert: Sie beruht auf Hudson Rocks eigenem Abgleich der in den Dumps enthaltenen Metadaten mit bekannten Firmendomains, eine Bestätigung der genannten Unternehmen liegt nicht vor. Der Sicherheitsforscher Kevin Beaumont ordnet den Fund einer schwachen DevOps-Sicherheit bei den betroffenen Organisationen zu.

Betroffene Firmen können ihre Daten einsehen

Hudson Rock bietet unter der Adresse hudsonrock.com/litellm einen kostenlosen Abgleich an: Firmen geben ihre Domain ein und erfahren, ob Zugangsdaten aus ihrem Unternehmen im Archiv auftauchen. Wer eine Übereinstimmung bestätigt, erhält im Rahmen eines weltweiten Offenlegungsprogramms Einblick in die eigenen Funde über die Plattform Cavalier, die die Firma sonst für eigene Bedrohungsanalysen nutzt.

Gal beschreibt das Vorgehen als Versuch, Betroffene direkt zu erreichen, statt die Rohdaten unkontrolliert zirkulieren zu lassen. Hudson Rock setzt ein vergleichbares Verfahren nach eigenen Angaben regelmäßig bei Funden aus Infostealer-Kampagnen ein, um Unternehmen vor kriminellem Zugriff auf ihre Zugangsdaten zu warnen.

Das FBI hatte bereits im Juli in einer Flash-Warnmeldung davor gewarnt, dass im März kopierte Zugangsdaten unabhängig vom Status der betroffenen Softwareversion weiter für neue Angriffe missbraucht werden können. Für Sicherheitsteams heißt das: Ein deinstalliertes Paket beendet das Risiko nicht, solange die damals kopierten Schlüssel nicht aktiv ausgetauscht wurden. Wer die eigene Domain nicht in der Liste findet, ist deshalb nicht automatisch aus dem Schneider – die 2488 zugeordneten Domains bilden nur den bislang identifizierten Teil des Archivs.

Entscheidend wird, wie viele der nun genannten Konzerne den Abgleich tatsächlich nutzen und ihre Schlüssel rotieren, bevor Kriminelle die seit fünf Monaten kursierenden Zugangsdaten für neue Angriffe verwerten. Ein ähnliches Muster hatte CrowdStrike zuletzt bei gestohlenen KI-Zugängen über gekaperte npm-Pakete beschrieben – gestohlene Zugangsdaten für KI-Dienste bleiben demnach auch Monate nach ihrer Entdeckung ein lukratives Ziel.

Häufige Fragen

Ist mein Unternehmen automatisch betroffen, wenn es in der Liste genannt wird?

Nein. Hudson Rock ordnet Domains anhand von Metadaten in den gestohlenen Dateien zu, eine Bestätigung durch die genannten Firmen liegt nicht vor. Der eigene Domain-Check schafft hier mehr Klarheit als die reine Namensnennung.

Wie bekommen betroffene Firmen Zugriff auf ihre Daten?

Über den kostenlosen Abgleich auf hudsonrock.com/litellm. Wer eine Übereinstimmung bestätigt, erhält im Rahmen des Offenlegungsprogramms Einblick in die eigenen Funde über die Plattform Cavalier.

Worin unterscheidet sich dieser Fund vom CloudSEK-Bericht vom 11. August?

CloudSEK hatte die betroffenen Firmen anhand eines eigenen Domainabgleichs benannt. Hudson Rock veröffentlicht nun die zugrunde liegenden Rohdaten selbst und ergänzt bislang unbekannte Firmen sowie zusätzliche Datentypen wie lokale Konfigurationsdateien und GitLab-Zugangsdaten.

Reicht es, die kompromittierte LiteLLM-Version zu deinstallieren?

Nein. Laut FBI bleiben im März kopierte Zugangsdaten unabhängig vom Softwarestatus nutzbar, solange Unternehmen sie nicht aktiv rotieren.

Hat sich LiteLLM zu dem neuen Archiv geäußert?

Eine gesonderte Stellungnahme zum Hudson-Rock-Archiv liegt bislang nicht vor. Die Maintainer hatten die kompromittierten Konten und Build-Ketten bereits im März ausgetauscht.

Quellen (3)
  1. Hudson Rock: Largest AI Supply Chain Breach of 2026 – Ethical Disclosure
  2. Help Net Security: 153GB of stolen credentials surface after LiteLLM supply chain attack
  3. CyberInsider: LiteLLM breach data shows supply chain attack impacted 2,488 firms

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