Die Sicherheitsfirma Hudson Rock hat ein Archiv mit gestohlenen Zugangsdaten aus dem LiteLLM-Angriff vom März 2026 ausgewertet und öffentlich gemacht. Die 153 Gigabyte große Sammlung enthält 433.909 Dateien, die Analysten 2488 Firmendomains zuordnen – deutlich mehr Detailtiefe als die bisherige Schätzung von Anfang August.
Archiv bündelt Rohdaten aus Zehntausenden Pipelines
Laut Hudson-Rock-Mitgründer Alon Gal stammen die Daten aus automatisiert mitgeschnittenen CI-Runner-Umgebungen, die im März durch die eingeschleuste Datei litellm_init.pth abgegriffen wurden. Von den 433.909 Dateien im Archiv ordnet die Firma 118.829 CI-Runner-Dumps konkreten Firmendomains zu, für den Rest fehlt bislang eine eindeutige Zuordnung. Das Paket bündelt AWS-Zugangsschlüssel, Azure-Umgebungsvariablen, Slack-Signierschlüssel, Salesforce-Client-Secrets, interne JWT-Tokens, Datenbankpasswörter sowie Zugangsschlüssel für KI-Anbieter. Zusätzlich fanden sich lokale Konfigurationsdateien wie .aws/credentials und .kube/config sowie GitLab-Zugangsdaten, die auf direkten Zugriff auf Entwicklerrechner hindeuten.
Der ursprüngliche Angriff ist damit nicht neu: Wie beckmann.ai bereits berichtete, hatte die Gruppe TeamPCP im März den Scanner Trivy kompromittiert und darüber zwei manipulierte LiteLLM-Versionen auf PyPI veröffentlicht. Neu ist der Umfang der jetzt ausgewerteten Rohdaten: Wo der CloudSEK-Bericht vom 11. August auf abgeglichene Domainlisten setzte, veröffentlicht Hudson Rock nun das zugrunde liegende 153-Gigabyte-Archiv selbst zur Prüfung und speist es in die eigene Bedrohungsdatenbank Cavalier ein. Zum Vergleich: Die Datenmenge entspricht etwa 30.000 Fotos in hoher Auflösung – gebündelt in reinen Text- und Konfigurationsdateien aus Firmensystemen.
Weitere Großkonzerne stehen jetzt auf der Liste
Über die sechs bereits aus dem CloudSEK-Bericht bekannten Namen Nvidia, Amazon Web Services, Cisco, Salesforce, Orange und Siemens hinaus nennt Hudson Rock nun zusätzlich Samsung, ServiceNow, S&P Global, Deloitte, John Deere, Epic Games und den britischen Telekommunikationskonzern BT Group als Organisationen mit Treffern im Archiv. Die übrigen rund 300.000 Dateien ließen sich bislang keiner Domain eindeutig zuordnen, die Zahl der tatsächlich betroffenen Organisationen könnte damit weiter steigen.
Auffällig ist der Anteil an Fertigungs- und Landtechnikzulieferern wie John Deere neben Finanzdienstleistern wie S&P Global und Beratungshäusern wie Deloitte – Branchen, in denen gestohlene Cloud-Zugänge besonders große Folgeschäden anrichten können. Gerade Beratungsfirmen verwalten oft Zugänge zu den Systemen ihrer eigenen Kunden, wodurch ein einzelnes kompromittiertes Konto weitere Organisationen mittelbar betreffen kann.
Diese Zuordnung ist unabhängig nicht verifiziert: Sie beruht auf Hudson Rocks eigenem Abgleich der in den Dumps enthaltenen Metadaten mit bekannten Firmendomains, eine Bestätigung der genannten Unternehmen liegt nicht vor. Der Sicherheitsforscher Kevin Beaumont ordnet den Fund einer schwachen DevOps-Sicherheit bei den betroffenen Organisationen zu.
Betroffene Firmen können ihre Daten einsehen
Hudson Rock bietet unter der Adresse hudsonrock.com/litellm einen kostenlosen Abgleich an: Firmen geben ihre Domain ein und erfahren, ob Zugangsdaten aus ihrem Unternehmen im Archiv auftauchen. Wer eine Übereinstimmung bestätigt, erhält im Rahmen eines weltweiten Offenlegungsprogramms Einblick in die eigenen Funde über die Plattform Cavalier, die die Firma sonst für eigene Bedrohungsanalysen nutzt.
Gal beschreibt das Vorgehen als Versuch, Betroffene direkt zu erreichen, statt die Rohdaten unkontrolliert zirkulieren zu lassen. Hudson Rock setzt ein vergleichbares Verfahren nach eigenen Angaben regelmäßig bei Funden aus Infostealer-Kampagnen ein, um Unternehmen vor kriminellem Zugriff auf ihre Zugangsdaten zu warnen.
Das FBI hatte bereits im Juli in einer Flash-Warnmeldung davor gewarnt, dass im März kopierte Zugangsdaten unabhängig vom Status der betroffenen Softwareversion weiter für neue Angriffe missbraucht werden können. Für Sicherheitsteams heißt das: Ein deinstalliertes Paket beendet das Risiko nicht, solange die damals kopierten Schlüssel nicht aktiv ausgetauscht wurden. Wer die eigene Domain nicht in der Liste findet, ist deshalb nicht automatisch aus dem Schneider – die 2488 zugeordneten Domains bilden nur den bislang identifizierten Teil des Archivs.
Entscheidend wird, wie viele der nun genannten Konzerne den Abgleich tatsächlich nutzen und ihre Schlüssel rotieren, bevor Kriminelle die seit fünf Monaten kursierenden Zugangsdaten für neue Angriffe verwerten. Ein ähnliches Muster hatte CrowdStrike zuletzt bei gestohlenen KI-Zugängen über gekaperte npm-Pakete beschrieben – gestohlene Zugangsdaten für KI-Dienste bleiben demnach auch Monate nach ihrer Entdeckung ein lukratives Ziel.


