Anthropic hat im September laut einem Bericht der New York Times eine annualisierte Umsatzrate von mehr als 100 Milliarden Dollar überschritten. Das sind gut 50 Prozent mehr als die zuvor gemeldeten 65 Milliarden Dollar von Ende Juli. Der Sprung nährt laut Wall Street Journal die Erwartung, dass der für November angepeilte Börsengang mit einer Zielbewertung von rund zwei Billionen Dollar stattfinden kann.
Umsatz wächst binnen neun Monaten auf mehr als das Zehnfache
Ende 2025 lag Anthropics annualisierte Umsatzrate noch bei rund neun Milliarden Dollar. Bis Ende Juli 2026 stieg sie auf 65 Milliarden Dollar, im September übersprang sie nun die Marke von 100 Milliarden Dollar. Bis zum Jahresende dürfte sie sogar mehr als 110 Milliarden Dollar erreichen. Als Haupttreiber gelten die Unternehmensprodukte Claude Code für Softwareentwicklung sowie Cowork, das Anthropic Mitte September vollständig in den regulären Claude-Chat integriert hat. Beide Werkzeuge verzeichnen eine breite Nachfrage von Geschäftskunden, die damit Routineaufgaben automatisieren. Konkurrent OpenAI kam im Juli Berichten zufolge nur auf eine Rate von rund 40 Milliarden Dollar – deutlich weniger als Anthropic zum gleichen Zeitpunkt. Bei einem Fortbestand dieses Tempos würde Anthropic bis Jahresende unter die fünfzig umsatzstärksten Unternehmen der Vereinigten Staaten aufsteigen, obwohl das 2021 gegründete Unternehmen erst seit rund fünf Jahren überhaupt am Markt aktiv ist. Anthropic äußerte sich auf Anfrage nicht zu den genannten Zahlen und bestätigte sie nicht unabhängig.
Banken bereiten Notierung mit Blick auf die Quartalszahlen vor
Anthropic hatte bereits im Juni vertraulich einen Zulassungsantrag für die Börse eingereicht und den Zeitplan seither mehrfach angepasst – zuletzt verschob sich die Vermarktung der Aktien auf frühestens Mitte Oktober. Mit den neuen Umsatzzahlen rückt nun der November als Zeitpunkt für die eigentliche Notierung in den Vordergrund, da sich damit frische Quartalsergebnisse in den Prospekt aufnehmen lassen. Banken sollen mit einem möglichen Emissionserlös von bis zu 100 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von rund zwei Billionen Dollar kalkulieren. Damit würde Anthropic den bisherigen Rekord von SpaceX übertreffen, das bei seiner Erstnotiz im Juni rund 86 Milliarden Dollar einsammelte. OpenAI-Chef Sam Altman äußerte sich dagegen deutlich zurückhaltender: Ein eigener Börsengang in diesem Jahr wäre nach seinen Worten „unklug”. Als Handelsplatz ist der Nasdaq im Gespräch, an dem im Juni bereits SpaceX debütierte. Ein Bankenkonsortium um Morgan Stanley, Goldman Sachs und JPMorgan begleitet den Prozess seit dem Sommer und dürfte künftige Investoren vor allem zu Rechenkosten, Kundenkonzentration und den Ausgaben für das Training neuer Modelle befragen. Offiziell bestätigt sind Termin, Bewertung und Erlösziel bislang nicht.
Die genannte Umsatzrate von über 100 Milliarden Dollar ist unabhängig nicht verifiziert, da weder Anthropic noch die beteiligten Banken eigene Zahlen veröffentlicht haben. Entscheidend wird, ob der offizielle Börsenprospekt diese Wachstumsrate mit geprüften Zahlen untermauert oder ob sich beim Blick in die Bücher ein anderes Bild zeigt – gerade bei einem so kapitalintensiven Geschäft wie dem Training großer Sprachmodelle bleibt der Unterschied zwischen kurzfristiger Vertragsdynamik und nachhaltigem Wachstum eine offene Frage.


