Das US-Verteidigungsministerium verhandelt laut einem Bericht des Wall Street Journal über einen Kredit von fünf Milliarden Dollar an den KI-Cloud-Anbieter Fluidstack. Es wäre der bisher größte Einzelkredit des zuständigen Pentagon-Programms Office of Strategic Capital. Das Geld solle nicht neue Rechenzentren finanzieren, sondern die US-Lieferkette für elektrische Bauteile stärken.
Pentagon-Kreditbüro erweitert Rahmen auf über 210 Milliarden
Das Office of Strategic Capital entstand durch das Verteidigungshaushaltsgesetz für 2024 und vergab sein erstes Programm im März jenes Jahres. Damals standen bis zu 984 Millionen Dollar für rund zehn Unternehmen bereit, in Tranchen zwischen 10 und 150 Millionen Dollar. Der Rahmen ist seither auf über 210 Milliarden Dollar gewachsen, wie Direktor David Lorch im Juni auf einer Veranstaltung des Center for Strategic and International Studies mitteilte. Das Büro konzentriere sich künftig auf Kredite zwischen einer und fünf Milliarden Dollar pro Vorhaben.
Der Fluidstack-Kredit würde diesen neuen Zuschnitt ausreizen und laut Wall Street Journal den bisherigen Rekord des Büros übertreffen. Unabhängig nicht verifiziert ist die Zahl bislang: Weder das Pentagon noch Fluidstack haben die Gespräche bestätigt. Konkret solle das Geld in die heimische Fertigung von Bauteilen wie Transformatoren und Schaltanlagen fließen, nicht in den Bau neuer Rechenzentren. Der Zeitpunkt fällt mit einem Dekret von Präsident Trump vom 26. August zusammen, das wegen ausländischer Netzkomponenten einen nationalen Notstand erklärt. Das Energieministerium muss die zugehörigen Umsetzungsregeln bis zum 24. Dezember veröffentlichen.
Fluidstack baut Rechenzentren für Anthropic, Nvidia und Meta
Fluidstack wurde 2017 an der Universität Oxford gegründet und hat seinen Hauptsitz heute in New York. Das Unternehmen verwaltet nach eigenen Angaben mehr als 100.000 Grafikprozessoren und baut kundenspezifische Rechenzentren für große KI-Anbieter. Zu den auf der eigenen Website gelisteten Kunden zählen Anthropic, Nvidia und Meta. Als weitere Auftraggeber nennt das Unternehmen unter anderem Mistral, Character.AI, Poolside und Black Forest Labs.
Berichten zufolge hat Fluidstack in diesem Jahr zunächst 830 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 7,5 Milliarden Dollar eingesammelt. Eine spätere, von Jane Street angeführte Runde über 1,5 Milliarden Dollar soll die Bewertung auf 18 Milliarden Dollar getrieben haben. Fluidstack selbst hat diese Zahlen bislang nicht bestätigt.
Anthropic wählte Fluidstack im vergangenen Jahr aus, um im Rahmen einer 50-Milliarden-Dollar-Investition in US-Rechenzentren Standorte in New York und Texas zu bauen. Das Vorhaben reiht sich in eine Serie milliardenschwerer Rechenleistungs-Deals ein, mit denen sich Anthropic seit Monaten Kapazität für sein Sprachmodell Claude sichert. Erst Anfang September sicherte sich das Unternehmen zusätzliche Kapazität beim Anbieter Lambda für 35 Milliarden Dollar.
Entscheidend wird, ob das Verteidigungsministerium den Kredit noch vor der Frist zur Umsetzungsverordnung am 24. Dezember offiziell bestätigt. Auffällig ist der Kontrast zum eigenen Verhältnis des Pentagons zu Anthropic: Während das Ministerium möglicherweise einen zentralen Infrastruktur-Partner des Unternehmens mitfinanziert, läuft das hauseigene KI-Programm GenAI.mil weiterhin ohne Anthropics Modell Claude.


