Das US-Verteidigungsministerium hat OpenAIs ChatGPT Mil und die von xAI-Tochter Starshield betriebene Software Grok for Government seit dem 1. September 2026 auf seiner internen Plattform GenAI.mil freigeschaltet, zugänglich für rund drei Millionen zivile und militärische Beschäftigte. Anthropics Claude fehlt weiterhin – obwohl eine Bundesrichterin die Einstufung des Unternehmens als Sicherheitsrisiko Ende August als rechtswidrig verwarf.
GenAI.mil erhält zwei neue Werkzeuge für Millionen Beschäftigte
GenAI.mil ging bereits im Dezember 2025 mit Googles Gemini als zentralem, gesichertem Portal für kommerzielle KI-Modelle an den Start. Sensible Regierungsdaten sollen dort nicht über gewöhnliche Verbraucherkanäle laufen, und die Dienste sind von der sonst üblichen Datensammlung der zivilen Versionen ausgenommen, wie TechCrunch berichtet. Bislang hätten sich 1,7 der insgesamt 3 Millionen Beschäftigten des Ministeriums auf der Plattform angemeldet. ChatGPT Mil richte sich vor allem an dokumentenlastige, unklassifizierte Alltagsarbeit wie Verwaltung, Logistik, Planung und Richtlinienarbeit und biete Chats, Dateiablage, Projekte und angepasste GPTs. Grok for Government bringe laut Pentagon-Angaben mehrstufiges Schlussfolgern mit den Modi Auto, Fast und Expert, dauerhafte Projekte sowie wiederverwendbare „Playbooks” für Marktanalysen und Lieferkettenmanagement mit. Beide neuen Werkzeuge besitzen die Sicherheitsfreigabe Impact Level 5, die den Umgang mit kontrollierten, aber nicht klassifizierten Informationen erlaubt. Diese Einstufung sagt laut Pentagon jedoch nichts über die inhaltliche Eignung eines Modells für eine bestimmte Aufgabe aus. Verwandte Werkzeuge wie OpenAIs Agent ChatGPT Work zielen im zivilen Markt auf ganz ähnliche Aufgaben.
Ein Streit um Zusagen führte im Frühjahr zur Sperre
Der Ausschluss geht auf einen Konflikt zurück, der lange vor dem aktuellen Rollout begann. Im Juli 2025 hatte das Pentagon vier Anbietern – Anthropic, Google, OpenAI und xAI – zu identischen Bedingungen Verträge über je bis zu 200 Millionen Dollar für „agentische” KI-Fähigkeiten erteilt. Das Ministerium wollte damit ausdrücklich Wettbewerb sichern und eine Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter vermeiden. Als es im weiteren Verlauf um die konkrete Anbindung von Claude an GenAI.mil ging, verlangte das Ministerium uneingeschränkten Zugriff auf das Modell für jeden rechtmäßigen Zweck. Anthropic bestand dagegen auf vertraglichen Zusagen, dass seine Technik nicht für vollautonome Waffensysteme oder die inländische Massenüberwachung eingesetzt werde. Im Februar 2026 bezeichneten Präsident Donald Trump und Verteidigungsminister Pete Hegseth das Unternehmen öffentlich als Sicherheitsrisiko. Im März folgte die formelle Einstufung als „Lieferkettenrisiko” nach US-Recht – faktisch ein Ausschluss von Regierungsaufträgen. Anthropic-Chef Dario Amodei hielt an seiner Position fest und zog vor Gericht, scheiterte dort im April zunächst mit dem Versuch, die Einstufung im Eilverfahren vorläufig zu stoppen.
Ein Gerichtsurteil kassiert die Einstufung, der Ausschluss bleibt
Am 27. August 2026 gab Bundesrichterin Rita Lin Anthropic in der Hauptsache recht. Die Einstufung als Lieferkettenrisiko verstoße gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung und gegen den Anspruch auf ein ordentliches Verfahren, wie Fortune aus der Urteilsbegründung zitiert. Das Ministerium habe Anthropic aus Arroganz bestraft, heiße es darin, und die bloße Berufung auf nationale Sicherheit sei kein Freibrief, um Kritiker der Regierung zu bestrafen. Die Richterin hob Hegseths Einstufung förmlich auf und untersagte deren weitere Durchsetzung. Am Rollout von ChatGPT Mil und Grok wenige Tage später änderte das Urteil nichts. Claude taucht in keiner der bisherigen Ankündigungen zu GenAI.mil auf, und das Ministerium äußerte sich bislang nicht dazu, ob und wann es Claude nachträglich zulassen will. Anthropics separater Rechtsstreit vor einem Gericht in Washington läuft nach eigenen Angaben unabhängig davon weiter. Bereits zum Urteil selbst hatte sich abgezeichnet, dass der Auftragsausschluss trotz des juristischen Erfolgs zunächst bestehen bleibt. Diese Einschätzung hat sich mit dem Start von ChatGPT Mil und Grok nun bestätigt.
Entscheidend wird, ob das Pentagon seine Haltung nach der gerichtlichen Niederlage überhaupt revidiert oder ob Anthropic trotz des Urteils dauerhaft von einem der größten KI-Beschaffungsprogramme der US-Regierung ausgeschlossen bleibt. Der Fall zeigt zugleich, wie unmittelbar politische Konflikte über Waffeneinsatz und Überwachung durch KI-Modelle über Marktanteile in einem milliardenschweren Vertragsgeschäft entscheiden können. Ein ähnliches Muster zeigte sich bereits bei der Verteilung der KI-Ausgaben im US-Kongress, wo ChatGPT ebenfalls einen deutlich größeren Anteil als Claude erreichte.


