KI-Wirtschaft

ChatGPT und Grok starten im Pentagon – ohne Claude

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TL;DR Too Long; Didn’t read

Drei Millionen Pentagon-Beschäftigte erhalten seit dem 1. September 2026 über die Plattform GenAI.mil Zugang zu ChatGPT Mil und Grok for Government. Anthropics Claude fehlt in der Aufstellung, obwohl eine US-Bundesrichterin die Einstufung des Unternehmens als Sicherheitsrisiko Ende August für rechtswidrig erklärt hatte. Der im Frühjahr verhängte Auftragsausschluss gegen Anthropic besteht trotz des Urteils fort.

Die Logos von ChatGPT und Grok gehen durch ein offenes Tor am Pentagon-Gebäude, am Nachbartor hängt das Anthropic-Logo an einem Vorhängeschloss fest. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • GenAI.mil bindet seit 1. September 2026 ChatGPT Mil und Grok for Government für rund drei Millionen Pentagon-Beschäftigte ein.
  • 1,7 Millionen Nutzer waren zuvor bereits über Google Gemini auf der im Dezember 2025 gestarteten Plattform aktiv.
  • Beide neuen Werkzeuge tragen die Sicherheitsfreigabe Impact Level 5 für kontrollierte, nicht klassifizierte Informationen.
  • Anthropics Claude fehlt weiter, nachdem das Pentagon das Unternehmen im März 2026 als Lieferkettenrisiko einstufte.
  • Eine Bundesrichterin erklärte die Einstufung am 27. August 2026 als rechtswidrige Vergeltung für öffentliche Kritik.
  • Anthropic bestand auf Zusagen gegen autonome Waffen und Massenüberwachung, das Pentagon wollte uneingeschränkten Zugriff.

Das US-Verteidigungsministerium hat OpenAIs ChatGPT Mil und die von xAI-Tochter Starshield betriebene Software Grok for Government seit dem 1. September 2026 auf seiner internen Plattform GenAI.mil freigeschaltet, zugänglich für rund drei Millionen zivile und militärische Beschäftigte. Anthropics Claude fehlt weiterhin – obwohl eine Bundesrichterin die Einstufung des Unternehmens als Sicherheitsrisiko Ende August als rechtswidrig verwarf.

GenAI.mil erhält zwei neue Werkzeuge für Millionen Beschäftigte

GenAI.mil ging bereits im Dezember 2025 mit Googles Gemini als zentralem, gesichertem Portal für kommerzielle KI-Modelle an den Start. Sensible Regierungsdaten sollen dort nicht über gewöhnliche Verbraucherkanäle laufen, und die Dienste sind von der sonst üblichen Datensammlung der zivilen Versionen ausgenommen, wie TechCrunch berichtet. Bislang hätten sich 1,7 der insgesamt 3 Millionen Beschäftigten des Ministeriums auf der Plattform angemeldet. ChatGPT Mil richte sich vor allem an dokumentenlastige, unklassifizierte Alltagsarbeit wie Verwaltung, Logistik, Planung und Richtlinienarbeit und biete Chats, Dateiablage, Projekte und angepasste GPTs. Grok for Government bringe laut Pentagon-Angaben mehrstufiges Schlussfolgern mit den Modi Auto, Fast und Expert, dauerhafte Projekte sowie wiederverwendbare „Playbooks” für Marktanalysen und Lieferkettenmanagement mit. Beide neuen Werkzeuge besitzen die Sicherheitsfreigabe Impact Level 5, die den Umgang mit kontrollierten, aber nicht klassifizierten Informationen erlaubt. Diese Einstufung sagt laut Pentagon jedoch nichts über die inhaltliche Eignung eines Modells für eine bestimmte Aufgabe aus. Verwandte Werkzeuge wie OpenAIs Agent ChatGPT Work zielen im zivilen Markt auf ganz ähnliche Aufgaben.

Ein Streit um Zusagen führte im Frühjahr zur Sperre

Der Ausschluss geht auf einen Konflikt zurück, der lange vor dem aktuellen Rollout begann. Im Juli 2025 hatte das Pentagon vier Anbietern – Anthropic, Google, OpenAI und xAI – zu identischen Bedingungen Verträge über je bis zu 200 Millionen Dollar für „agentische” KI-Fähigkeiten erteilt. Das Ministerium wollte damit ausdrücklich Wettbewerb sichern und eine Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter vermeiden. Als es im weiteren Verlauf um die konkrete Anbindung von Claude an GenAI.mil ging, verlangte das Ministerium uneingeschränkten Zugriff auf das Modell für jeden rechtmäßigen Zweck. Anthropic bestand dagegen auf vertraglichen Zusagen, dass seine Technik nicht für vollautonome Waffensysteme oder die inländische Massenüberwachung eingesetzt werde. Im Februar 2026 bezeichneten Präsident Donald Trump und Verteidigungsminister Pete Hegseth das Unternehmen öffentlich als Sicherheitsrisiko. Im März folgte die formelle Einstufung als „Lieferkettenrisiko” nach US-Recht – faktisch ein Ausschluss von Regierungsaufträgen. Anthropic-Chef Dario Amodei hielt an seiner Position fest und zog vor Gericht, scheiterte dort im April zunächst mit dem Versuch, die Einstufung im Eilverfahren vorläufig zu stoppen.

Ein Gerichtsurteil kassiert die Einstufung, der Ausschluss bleibt

Am 27. August 2026 gab Bundesrichterin Rita Lin Anthropic in der Hauptsache recht. Die Einstufung als Lieferkettenrisiko verstoße gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung und gegen den Anspruch auf ein ordentliches Verfahren, wie Fortune aus der Urteilsbegründung zitiert. Das Ministerium habe Anthropic aus Arroganz bestraft, heiße es darin, und die bloße Berufung auf nationale Sicherheit sei kein Freibrief, um Kritiker der Regierung zu bestrafen. Die Richterin hob Hegseths Einstufung förmlich auf und untersagte deren weitere Durchsetzung. Am Rollout von ChatGPT Mil und Grok wenige Tage später änderte das Urteil nichts. Claude taucht in keiner der bisherigen Ankündigungen zu GenAI.mil auf, und das Ministerium äußerte sich bislang nicht dazu, ob und wann es Claude nachträglich zulassen will. Anthropics separater Rechtsstreit vor einem Gericht in Washington läuft nach eigenen Angaben unabhängig davon weiter. Bereits zum Urteil selbst hatte sich abgezeichnet, dass der Auftragsausschluss trotz des juristischen Erfolgs zunächst bestehen bleibt. Diese Einschätzung hat sich mit dem Start von ChatGPT Mil und Grok nun bestätigt.

Entscheidend wird, ob das Pentagon seine Haltung nach der gerichtlichen Niederlage überhaupt revidiert oder ob Anthropic trotz des Urteils dauerhaft von einem der größten KI-Beschaffungsprogramme der US-Regierung ausgeschlossen bleibt. Der Fall zeigt zugleich, wie unmittelbar politische Konflikte über Waffeneinsatz und Überwachung durch KI-Modelle über Marktanteile in einem milliardenschweren Vertragsgeschäft entscheiden können. Ein ähnliches Muster zeigte sich bereits bei der Verteilung der KI-Ausgaben im US-Kongress, wo ChatGPT ebenfalls einen deutlich größeren Anteil als Claude erreichte.

Häufige Fragen

Was ist GenAI.mil?

Ein zentrales, gesichertes Online-Portal des US-Verteidigungsministeriums, über das Beschäftigte seit Dezember 2025 auf kommerzielle KI-Modelle zugreifen können, ohne Daten über gewöhnliche Verbraucherkanäle zu leiten.

Warum ist Claude nicht auf GenAI.mil verfügbar?

Weil das Pentagon Anthropic im März 2026 als Lieferkettenrisiko einstufte, nachdem sich das Unternehmen weigerte, uneingeschränkten Zugriff auf Claude für jeden rechtmäßigen Zweck zu gewähren.

Was hat das Gericht im August entschieden?

Eine Bundesrichterin erklärte die Einstufung für rechtswidrig und wertete sie als Vergeltung gegen Kritik sowie als Verstoß gegen das Recht auf ein ordentliches Verfahren. Der Auftragsausschluss bestand zum Zeitpunkt des Urteils dennoch fort.

Was kosten ChatGPT Mil und Grok for Government das Pentagon?

Das Verteidigungsministerium hat dazu bislang keine konkreten Vertragssummen genannt; bekannt sind nur die identischen 200-Millionen-Dollar-Rahmenverträge aller vier Anbieter aus dem Jahr 2025.

Können Beschäftigte in Deutschland oder der EU auf GenAI.mil zugreifen?

Nein, die Plattform ist ein internes Werkzeug ausschließlich für Beschäftigte des US-Verteidigungsministeriums.

Quellen (4)
  1. TechCrunch: The Pentagon now has its own version of ChatGPT and Grok
  2. Fortune: The Pentagon is giving 3 million military and civilian workers access to ChatGPT and Grok
  3. Fortune: Judge: Pentagon punished Anthropic for 'arrogance,' and that's illegal
  4. CNBC: Anthropic, Google, OpenAI and xAI granted up to $200 million for AI work from Defense Department

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