Kongressbüros in Washington haben binnen eines Jahres mindestens 113.740 Dollar für kommerzielle KI-Chatbots ausgegeben, mit klarem Übergewicht für einen einzigen Anbieter. Das zeigt eine Auswertung von Auszahlungsunterlagen des US-Repräsentantenhauses durch den Sender CNBC. Rund 90 Prozent der Summe entfielen auf OpenAIs ChatGPT, nur ein Bruchteil auf die Konkurrenz von Anthropic.
CNBC wertet Auszahlungsdaten des Repräsentantenhauses aus
Die von CNBC untersuchten Unterlagen decken den Zeitraum von April 2025 bis Ende März 2026 ab. In dieser Zeit flossen 100.580 Dollar über 798 Einzeltransaktionen an ChatGPT – rund 90 Prozent der gesamten identifizierbaren KI-Ausgaben des Repräsentantenhauses. Anthropics Claude kommt im gleichen Zeitraum nur auf 13.160 Dollar bei 37 Transaktionen, also weniger als ein Achtel des ChatGPT-Betrags.
ChatGPT-Käufe lassen sich in mindestens 71 Abgeordnetenbüros nachweisen, wie TechCrunch unter Berufung auf die CNBC-Zahlen berichtet – rechnerisch etwa jedes sechste Büro im Repräsentantenhaus. Mitarbeitende setzen die Werkzeuge vor allem für drei Aufgaben ein: das Verfassen von Memos, das Zusammenfassen von Gesetzentwürfen und die Beantwortung von Bürgeranfragen. Auch zur Vorbereitung von Anhörungsmaterial und für allgemeine Politikrecherche kommen die Chatbots zum Einsatz. Das Magazin Quartz bestätigte die zentralen Zahlen der CNBC-Auswertung unabhängig. Eine eigene, offizielle Statistik zu KI-Ausgaben veröffentlicht das Repräsentantenhaus bislang nicht – die Zahlen stammen ausschließlich aus der journalistischen Auswertung einzelner Auszahlungsposten. Der Kongress reiht sich damit in einen breiteren Trend ein: ChatGPT etabliert sich zunehmend als Werkzeug für Büroaufgaben. OpenAI trieb diese Entwicklung im Juli 2026 mit dem eigenständig arbeitenden Agenten ChatGPT Work weiter voran.
Demokratische Büros geben deutlich mehr aus als republikanische
Bei der Verteilung nach Parteien zeigt sich ein deutliches Gefälle: Demokratische Abgeordnetenbüros gaben im untersuchten Zeitraum 54.165 Dollar für KI-Werkzeuge aus, republikanische Büros dagegen nur 15.782 Dollar. Zusammen ergeben beide Summen rund 70.000 Dollar – der Rest der Gesamtausgaben entfällt auf institutionelle Konten und Ausschüsse, die sich keiner einzelnen Fraktion zuordnen lassen. Einen offiziellen Grund für das Gefälle zwischen den Parteien nennt die Auswertung nicht. Er dürfte eher aus unterschiedlicher Beschaffungsbereitschaft einzelner Büros stammen als aus einer zentralen Vorgabe der jeweiligen Fraktion.
CNBC weist selbst darauf hin, dass die Zahlen die vollständige KI-Nutzung im Kongress nicht abbilden. Kostenlose Konten tauchen in den Auszahlungsunterlagen nicht auf, ebenso wenig KI-Funktionen, die bereits in bestehende Softwareverträge wie Microsoft Copilot eingebettet sind. Auch der Großteil der Ausgaben im Senat fehlt in der Erhebung. Die zweite Kongresskammer regelt ihre eigenen Konten getrennt vom Repräsentantenhaus und lässt Claude nach eigenen Kammerregeln für dienstliche Zwecke bislang ohnehin nicht zu.
Der Vorsprung von ChatGPT reicht zudem historisch weiter zurück. Bereits 2023 vergab der House Digital Service, die IT-Abteilung des Repräsentantenhauses, die ersten 40 ChatGPT-Plus-Lizenzen an eine überparteilich zusammengesetzte Mitarbeitergruppe. OpenAI kooperierte anschließend mit der Congressional Management Foundation bei Schulungen für Kongressmitarbeitende.
Entscheidend wird, ob sich das Übergewicht eines einzelnen Anbieters auch bei künftigen Auszahlungsprüfungen bestätigt oder ob wachsender Wettbewerb es aufweicht. Für öffentliche Institutionen, die sich früh auf einen Chatbot festlegen, entsteht dabei eine Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter, die über den US-Kongress hinaus Fragen aufwirft.

