Gesellschaft

ChatGPT erreicht rund 90 Prozent der KI-Ausgaben im US-Kongress

2 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Mitarbeitende des US-Repräsentantenhauses gaben binnen eines Jahres mindestens 113.740 Dollar für KI-Chatbots aus, zeigt eine CNBC-Auswertung von Auszahlungsdaten. Rund 90 Prozent davon entfielen auf ChatGPT, nur gut 13.000 Dollar auf Anthropics Claude. Demokratische Büros zahlten dabei fast dreimal so viel wie republikanische.

Das US-Kapitol mit einer großen ChatGPT-Sprechblase im Vordergrund, die ein kleines Anthropic-Claude-Logo fast verdeckt Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • ChatGPT vereinnahmt mit 100.580 Dollar rund 90 Prozent der Kongress-KI-Ausgaben.
  • Claude kommt nur auf 13.160 Dollar bei 37 Einzelkäufen im selben Zeitraum.
  • Mindestens 71 Abgeordnetenbüros kauften ChatGPT-Zugänge – etwa jedes sechste Büro.
  • Demokratische Büros zahlten mit 54.165 Dollar knapp das Dreifache republikanischer Büros.
  • Die Auswertung erfasst weder kostenlose Konten noch gebündelte Tools wie Copilot.
  • OpenAI vergab erste Kongress-Lizenzen bereits 2023 an eine überparteiliche Mitarbeitergruppe.

Kongressbüros in Washington haben binnen eines Jahres mindestens 113.740 Dollar für kommerzielle KI-Chatbots ausgegeben, mit klarem Übergewicht für einen einzigen Anbieter. Das zeigt eine Auswertung von Auszahlungsunterlagen des US-Repräsentantenhauses durch den Sender CNBC. Rund 90 Prozent der Summe entfielen auf OpenAIs ChatGPT, nur ein Bruchteil auf die Konkurrenz von Anthropic.

CNBC wertet Auszahlungsdaten des Repräsentantenhauses aus

Die von CNBC untersuchten Unterlagen decken den Zeitraum von April 2025 bis Ende März 2026 ab. In dieser Zeit flossen 100.580 Dollar über 798 Einzeltransaktionen an ChatGPT – rund 90 Prozent der gesamten identifizierbaren KI-Ausgaben des Repräsentantenhauses. Anthropics Claude kommt im gleichen Zeitraum nur auf 13.160 Dollar bei 37 Transaktionen, also weniger als ein Achtel des ChatGPT-Betrags.

ChatGPT-Käufe lassen sich in mindestens 71 Abgeordnetenbüros nachweisen, wie TechCrunch unter Berufung auf die CNBC-Zahlen berichtet – rechnerisch etwa jedes sechste Büro im Repräsentantenhaus. Mitarbeitende setzen die Werkzeuge vor allem für drei Aufgaben ein: das Verfassen von Memos, das Zusammenfassen von Gesetzentwürfen und die Beantwortung von Bürgeranfragen. Auch zur Vorbereitung von Anhörungsmaterial und für allgemeine Politikrecherche kommen die Chatbots zum Einsatz. Das Magazin Quartz bestätigte die zentralen Zahlen der CNBC-Auswertung unabhängig. Eine eigene, offizielle Statistik zu KI-Ausgaben veröffentlicht das Repräsentantenhaus bislang nicht – die Zahlen stammen ausschließlich aus der journalistischen Auswertung einzelner Auszahlungsposten. Der Kongress reiht sich damit in einen breiteren Trend ein: ChatGPT etabliert sich zunehmend als Werkzeug für Büroaufgaben. OpenAI trieb diese Entwicklung im Juli 2026 mit dem eigenständig arbeitenden Agenten ChatGPT Work weiter voran.

Demokratische Büros geben deutlich mehr aus als republikanische

Bei der Verteilung nach Parteien zeigt sich ein deutliches Gefälle: Demokratische Abgeordnetenbüros gaben im untersuchten Zeitraum 54.165 Dollar für KI-Werkzeuge aus, republikanische Büros dagegen nur 15.782 Dollar. Zusammen ergeben beide Summen rund 70.000 Dollar – der Rest der Gesamtausgaben entfällt auf institutionelle Konten und Ausschüsse, die sich keiner einzelnen Fraktion zuordnen lassen. Einen offiziellen Grund für das Gefälle zwischen den Parteien nennt die Auswertung nicht. Er dürfte eher aus unterschiedlicher Beschaffungsbereitschaft einzelner Büros stammen als aus einer zentralen Vorgabe der jeweiligen Fraktion.

CNBC weist selbst darauf hin, dass die Zahlen die vollständige KI-Nutzung im Kongress nicht abbilden. Kostenlose Konten tauchen in den Auszahlungsunterlagen nicht auf, ebenso wenig KI-Funktionen, die bereits in bestehende Softwareverträge wie Microsoft Copilot eingebettet sind. Auch der Großteil der Ausgaben im Senat fehlt in der Erhebung. Die zweite Kongresskammer regelt ihre eigenen Konten getrennt vom Repräsentantenhaus und lässt Claude nach eigenen Kammerregeln für dienstliche Zwecke bislang ohnehin nicht zu.

Der Vorsprung von ChatGPT reicht zudem historisch weiter zurück. Bereits 2023 vergab der House Digital Service, die IT-Abteilung des Repräsentantenhauses, die ersten 40 ChatGPT-Plus-Lizenzen an eine überparteilich zusammengesetzte Mitarbeitergruppe. OpenAI kooperierte anschließend mit der Congressional Management Foundation bei Schulungen für Kongressmitarbeitende.

Entscheidend wird, ob sich das Übergewicht eines einzelnen Anbieters auch bei künftigen Auszahlungsprüfungen bestätigt oder ob wachsender Wettbewerb es aufweicht. Für öffentliche Institutionen, die sich früh auf einen Chatbot festlegen, entsteht dabei eine Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter, die über den US-Kongress hinaus Fragen aufwirft.

Häufige Fragen

Warum kauft der Kongress überhaupt kommerzielle KI-Chatbots ein, statt nur kostenlose Versionen zu nutzen?

Kostenpflichtige Konten bieten in der Regel höhere Nutzungsgrenzen, mehr Datenschutz-Zusicherungen und Enterprise-Funktionen, die für dienstliche Kongressarbeit als notwendig gelten. Kostenlose Konten sind in der CNBC-Auswertung ohnehin nicht erfasst.

Warum liegt Claude im Kongress so weit hinter ChatGPT zurück?

Ein Grund ist der zeitliche Vorsprung: ChatGPT ist seit 2023 im Repräsentantenhaus im Einsatz, während Claude später hinzukam. Zudem lässt der Senat Claude nach eigenen Kammerregeln bislang gar nicht für dienstliche Zwecke zu.

Erfasst die Analyse die gesamte KI-Nutzung im US-Kongress?

Nein. Kostenlose Konten, in Softwarepakete wie Microsoft Copilot gebündelte KI-Funktionen und der Großteil der Senats-Ausgaben fehlen in den ausgewerteten Auszahlungsunterlagen.

Wofür nutzen Kongressmitarbeitende die Chatbots konkret?

Vor allem zum Verfassen von Memos, Zusammenfassen von Gesetzentwürfen, Beantworten von Bürgeranfragen, Vorbereiten von Anhörungsmaterial und für allgemeine Politikrecherche.

Seit wann nutzt der Kongress ChatGPT offiziell?

Der House Digital Service vergab bereits 2023 die ersten 40 ChatGPT-Plus-Lizenzen an eine überparteiliche Gruppe von Mitarbeitenden, begleitet von Schulungen über die Congressional Management Foundation.

Quellen (3)
  1. CNBC: OpenAI's ChatGPT dominates AI spending in Congress
  2. TechCrunch: Congress's favorite AI tool? ChatGPT
  3. Quartz: House AI spending analysis

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