Forschung

GPT-5.6 löst sechs Jahre altes Quantenkryptografie-Rätsel doppelt

2 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Zwei Forschungsteams haben unabhängig voneinander ein sechs Jahre altes Problem der Quantenkryptografie gelöst und dabei OpenAIs Modell GPT-5.6 Sol Ultra eingesetzt. Ihre Beweise zur unklonierbaren Verschlüsselung gingen am 23. Juli 2026 im Abstand von gut drei Stunden bei arXiv ein, ohne dass die Teams voneinander wussten. Eine unabhängige Fachbegutachtung der Ergebnisse steht noch aus.

Zwei identische goldene Schlüssel schweben spiegelbildlich vor einem zerspringenden Quantenbit-Symbol, während eine Hand eine Kopie eines Schlüssels greift, die zu Lichtpartikeln zerfällt. Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • MIT-Doktorand Seyoon Ragavan sowie die Kryptografen Prabhanjan Ananth und Amit Sahai lösten das Problem parallel und unabhängig voneinander.
  • Beide Papiere gingen am 23. Juli 2026 innerhalb von drei Stunden und achtzehn Minuten bei arXiv ein.
  • Ragavan steuerte GPT-5.6 Sol Ultra in Etappen von zwei Stunden und prüfte jedes Zwischenergebnis selbst.
  • Ananth und Sahai setzten ein eigenes System ein, das die KI Lösungen erarbeiten und kritisieren lässt.
  • Kryptografin Anne Broadbent warnt, die Automatisierung treffe vor allem Aufgaben von Doktorandinnen und Doktoranden.
  • Keines der beiden Papiere durchlief bislang eine unabhängige Fachbegutachtung.

Zwei Forschungsteams haben unabhängig voneinander mit OpenAIs Sprachmodell GPT-5.6 Sol Ultra ein sechs Jahre altes Problem der Quantenkryptografie gelöst: die effiziente unklonierbare Verschlüsselung. MIT-Doktorand Seyoon Ragavan und die Kryptografen Prabhanjan Ananth und Amit Sahai reichten ihre Beweise am 23. Juli 2026 im Abstand von rund drei Stunden bei arXiv ein.

Zwei Teams lösen dasselbe Rätsel unabhängig

Unklonierbare Verschlüsselung sorgt dafür, dass sich ein abgefangenes Chiffrat nicht in zwei separate, jeweils entschlüsselbare Kopien aufspalten lässt - eine Eigenschaft, die klassische Verschlüsselung nicht bieten kann, Quantenzustände aber erlauben. Eine effiziente, beweisbar sichere Konstruktion dafür ohne zusätzliche Sicherheitsannahmen blieb sechs Jahre lang offen. Das Problem tauchte im Juli 2026 erneut in einem Vortrag am Simons Institute der University of California, Berkeley auf. Ragavan hatte sich schon Jahre zuvor erfolglos daran versucht und wunderte sich, dass es weiterhin ungelöst war. Er setzte daraufhin GPT-5.6 Sol Ultra auf die Aufgabe an und ließ das Modell in Etappen von jeweils zwei Stunden arbeiten, kontrollierte die Zwischenergebnisse und griff bei Bedarf steuernd ein, bevor er die fertige Konstruktion aufräumte und strukturierte. Sein Papier „Efficient Unclonable Encryption from Pauli Eigenstates“ beschreibt ein Verfahren, bei dem ein zufälliger Pauli-Operator auf mehreren Qubits ein einzelnes klassisches Bit codiert. Parallel dazu arbeiteten Ananth (UC Santa Barbara) und Sahai (UCLA) an derselben Frage, ohne von Ragavans Versuch zu wissen. Sie nutzten ein an der UCLA entwickeltes System, das die KI abwechselnd Lösungsvorschläge erarbeiten und die eigenen Zwischenschritte kritisieren lässt. Ihr Papier „Unconditional Unclonable Encryption“ beschreibt eine Konstruktion ohne zusätzliche Sicherheitsannahmen mit exponentiell kleinem Unterscheidungsvorteil für Angreifer. Erst der UC-Santa-Barbara-Doktorand Yao-Ting Lin bemerkte die Überschneidung, nachdem beide Papiere bereits eingereicht waren.

Fachwelt diskutiert Nutzen und Fairness

Nach Angaben von Scientific American deckte sich die ursprüngliche KI-Idee zunächst mit einer früheren Arbeit der Gruppe um Anne Broadbent aus dem Jahr 2026; die eigentliche Neuheit lag im anschließenden Beweis stärkerer Sicherheitseigenschaften. Ananth bringt die neue Praxis auf den Punkt: Tauche ein offenes Problem auf, prüfe man zuerst, ob GPT es löse. Ragavan kommentierte den zeitlichen Zusammenfall mit den Worten „Dieser Zeitablauf ist verrückt“. Die Physikerin Anne Broadbent von der University of Ottawa sieht das Vorgehen kritischer: Automatisierte Beweise träfen vor allem jene Aufgaben, die bislang Doktorandinnen und Doktoranden zugewiesen würden - eine Frage nach Chancengleichheit in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die Ergebnisse beider Teams sind unabhängig nicht verifiziert, da eine Begutachtung durch Fachkolleginnen und -kollegen noch aussteht; beide Papiere werden derzeit von der Kryptografie-Community geprüft und möglicherweise zu einer gemeinsamen Fassung zusammengeführt. Die Debatte reiht sich damit in eine breitere Diskussion ein, wie Fachzeitschriften und Konferenzen künftig mit KI-unterstützten Einreichungen umgehen, etwa bei Autorenschaft und Begutachtungsfristen.

Entscheidend wird, ob sich das Muster wiederholt: GPT-5.6 Sol Ultra hatte zuvor bereits eine zwanzig Jahre alte Statistikannahme widerlegt und einen mutmaßlichen Beweis zu einer fünfzig Jahre alten Graphentheorie-Vermutung geliefert. Offen bleibt, wie die Kryptografie-Community mit gleichzeitig eingereichten, KI-gestützten Lösungen für dieselbe Frage künftig umgeht - etwa bei der Zuschreibung wissenschaftlicher Urheberschaft.

Häufige Fragen

Was ist unklonierbare Verschlüsselung?

Sie stellt sicher, dass sich ein verschlüsselter Quantenzustand nicht in zwei separate, jeweils entschlüsselbare Kopien aufspalten lässt. Das verhindert, dass eine abgefangene Nachricht heimlich dupliziert und später erneut genutzt wird.

Warum lösten zwei Teams das Problem gleichzeitig?

Ein Vortrag am Simons Institute in Berkeley brachte das Problem im Juli 2026 erneut in Umlauf. Beide Gruppen griffen unabhängig voneinander darauf zurück und wussten zunächst nichts vom jeweils anderen Versuch.

Ist einer der beiden Beweise schon bestätigt?

Nein. Beide Papiere sind bislang nicht von Fachkolleginnen und -kollegen begutachtet worden. Die Kryptografie-Community prüft die Ergebnisse derzeit und diskutiert eine mögliche Zusammenführung.

Welche Rolle spielte GPT-5.6 Sol Ultra konkret?

Das Modell lieferte laut den Forschenden die zentralen Konstruktionsideen und Beweisschritte. Menschliche Fachleute steuerten den Prozess, prüften Zwischenergebnisse und verfeinerten die endgültigen Beweise.

Hat der Fund praktische Auswirkungen auf heutige Verschlüsselung?

Kurzfristig kaum: Unklonierbare Verschlüsselung mit einzelnen Quantenbits ist ein theoretisches Teilgebiet ohne breiten Praxiseinsatz. Relevanter ist der Beleg, dass KI-Modelle bei ungelösten Forschungsfragen mittlerweile eigenständig beitragen können.

Quellen (3)
  1. Scientific American: AI helped produce two proofs for the same cryptography problem
  2. arXiv: Efficient Unclonable Encryption from Pauli Eigenstates (Ragavan)
  3. arXiv: Unconditional Unclonable Encryption (Ananth, Sahai)

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