Zwei Forschungsteams haben unabhängig voneinander mit OpenAIs Sprachmodell GPT-5.6 Sol Ultra ein sechs Jahre altes Problem der Quantenkryptografie gelöst: die effiziente unklonierbare Verschlüsselung. MIT-Doktorand Seyoon Ragavan und die Kryptografen Prabhanjan Ananth und Amit Sahai reichten ihre Beweise am 23. Juli 2026 im Abstand von rund drei Stunden bei arXiv ein.
Zwei Teams lösen dasselbe Rätsel unabhängig
Unklonierbare Verschlüsselung sorgt dafür, dass sich ein abgefangenes Chiffrat nicht in zwei separate, jeweils entschlüsselbare Kopien aufspalten lässt - eine Eigenschaft, die klassische Verschlüsselung nicht bieten kann, Quantenzustände aber erlauben. Eine effiziente, beweisbar sichere Konstruktion dafür ohne zusätzliche Sicherheitsannahmen blieb sechs Jahre lang offen. Das Problem tauchte im Juli 2026 erneut in einem Vortrag am Simons Institute der University of California, Berkeley auf. Ragavan hatte sich schon Jahre zuvor erfolglos daran versucht und wunderte sich, dass es weiterhin ungelöst war. Er setzte daraufhin GPT-5.6 Sol Ultra auf die Aufgabe an und ließ das Modell in Etappen von jeweils zwei Stunden arbeiten, kontrollierte die Zwischenergebnisse und griff bei Bedarf steuernd ein, bevor er die fertige Konstruktion aufräumte und strukturierte. Sein Papier „Efficient Unclonable Encryption from Pauli Eigenstates“ beschreibt ein Verfahren, bei dem ein zufälliger Pauli-Operator auf mehreren Qubits ein einzelnes klassisches Bit codiert. Parallel dazu arbeiteten Ananth (UC Santa Barbara) und Sahai (UCLA) an derselben Frage, ohne von Ragavans Versuch zu wissen. Sie nutzten ein an der UCLA entwickeltes System, das die KI abwechselnd Lösungsvorschläge erarbeiten und die eigenen Zwischenschritte kritisieren lässt. Ihr Papier „Unconditional Unclonable Encryption“ beschreibt eine Konstruktion ohne zusätzliche Sicherheitsannahmen mit exponentiell kleinem Unterscheidungsvorteil für Angreifer. Erst der UC-Santa-Barbara-Doktorand Yao-Ting Lin bemerkte die Überschneidung, nachdem beide Papiere bereits eingereicht waren.
Fachwelt diskutiert Nutzen und Fairness
Nach Angaben von Scientific American deckte sich die ursprüngliche KI-Idee zunächst mit einer früheren Arbeit der Gruppe um Anne Broadbent aus dem Jahr 2026; die eigentliche Neuheit lag im anschließenden Beweis stärkerer Sicherheitseigenschaften. Ananth bringt die neue Praxis auf den Punkt: Tauche ein offenes Problem auf, prüfe man zuerst, ob GPT es löse. Ragavan kommentierte den zeitlichen Zusammenfall mit den Worten „Dieser Zeitablauf ist verrückt“. Die Physikerin Anne Broadbent von der University of Ottawa sieht das Vorgehen kritischer: Automatisierte Beweise träfen vor allem jene Aufgaben, die bislang Doktorandinnen und Doktoranden zugewiesen würden - eine Frage nach Chancengleichheit in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die Ergebnisse beider Teams sind unabhängig nicht verifiziert, da eine Begutachtung durch Fachkolleginnen und -kollegen noch aussteht; beide Papiere werden derzeit von der Kryptografie-Community geprüft und möglicherweise zu einer gemeinsamen Fassung zusammengeführt. Die Debatte reiht sich damit in eine breitere Diskussion ein, wie Fachzeitschriften und Konferenzen künftig mit KI-unterstützten Einreichungen umgehen, etwa bei Autorenschaft und Begutachtungsfristen.
Entscheidend wird, ob sich das Muster wiederholt: GPT-5.6 Sol Ultra hatte zuvor bereits eine zwanzig Jahre alte Statistikannahme widerlegt und einen mutmaßlichen Beweis zu einer fünfzig Jahre alten Graphentheorie-Vermutung geliefert. Offen bleibt, wie die Kryptografie-Community mit gleichzeitig eingereichten, KI-gestützten Lösungen für dieselbe Frage künftig umgeht - etwa bei der Zuschreibung wissenschaftlicher Urheberschaft.


