ChatGPT kann ab sofort Dateien aus Google Drive direkt im Chat-Fenster öffnen und bearbeiten. Wer eine Google-Docs-, -Sheets- oder -Slides-Datei per @-Erwähnung einfügt, sieht sie neben dem Gespräch und kann sie per Texteingabe verändern lassen. Die Änderungen landen sofort in der echten Datei in Drive, ein Hochladen oder Herunterladen entfällt.
ChatGPT öffnet Google-Dateien jetzt direkt neben dem Chat
Bislang bedeutete die Arbeit mit ChatGPT an einer Google-Tabelle oder einem Google-Dokument meist Umwege: Datei aus Drive herunterladen, in ChatGPT hochladen, Ergebnis speichern und wieder zurück nach Drive laden. Wie OpenAI über den offiziellen ChatGPT-Account ankündigte, entfällt dieser Umweg jetzt. Wer den Google-Drive-Zugang einmal in ChatGPT verbunden hat, öffnet über das Plus-Symbol neben dem Eingabefeld den Punkt „Aus Bibliothek hinzufügen” oder holt eine Datei direkt mit einer @-Erwähnung in den Chat. Die Google-Docs-, -Sheets- oder -Slides-Datei erscheint dann als eigenes Fenster neben dem Gesprächsverlauf, ohne dass eine Kopie entsteht. ChatGPT liest den Inhalt als Kontext und kann auf Zuruf zusammenfassen, vergleichen oder Änderungen direkt einarbeiten. Ein OpenAI-Mitarbeiter bestätigte gegenüber Nutzenden, ChatGPT bearbeite dabei „die eigentliche Datei in Google Drive, nicht eine statische Kopie”. Wer bereits die PowerPoint-Anbindung von ChatGPT kennt, findet hier ein ähnliches Prinzip: Die KI arbeitet im gewohnten Programm mit, statt Nutzende in ein Extra-Fenster zu zwingen.
So spart die Anbindung Zeit im Büroalltag
Ein Beispiel aus dem Vertriebsinnendienst: Eine Sachbearbeiterin pflegt eine Angebotsliste mit vierzig Positionen als Google-Tabelle. Bisher musste sie die Datei jedes Mal exportieren, wenn sie ChatGPT um das Entfernen doppelter Einträge oder eine fehlende Rabattspalte bat, und den bearbeiteten Stand anschließend manuell zurückspielen. Jetzt öffnet sie das Sheet direkt per @-Erwähnung im Chat, bittet um die Bereinigung und eine neue Spalte mit Rabatt-Prozentsätzen – und die Änderung erscheint sofort in der Originaldatei. Kolleginnen und Kollegen mit Zugriff auf dieselbe Tabelle sehen den neuen Stand ohne weiteren Schritt, ganz ohne dass jemand eine neue Version verschickt oder ablegt.
So lässt sich die Funktion starten:
- In ChatGPT auf das Plus-Symbol neben dem Eingabefeld klicken.
- „Aus Bibliothek hinzufügen” wählen und Google Drive verbinden, falls noch nicht geschehen.
- Gewünschte Datei auswählen oder per @-Erwähnung eintippen.
- Änderungswunsch in normaler Sprache formulieren, während die Datei daneben sichtbar bleibt.
- Ergebnis prüfen – die Anpassung steht bereits in der echten Drive-Datei.
Kosten, Zugang und Grenzen der neuen Funktion
Kostenlose ChatGPT-Konten bleiben außen vor. Nötig ist mindestens ein Abo der Stufe Plus, die in Deutschland rund 23 Euro im Monat kostet; auch Pro-, Business- und Enterprise-Konten haben Zugriff. Die günstigere Einstiegsstufe ChatGPT Go zählt nach bisherigem Stand nicht dazu. Verfügbar ist die Anbindung bislang nur am Computer im Webbrowser, mobile Apps sollen erst folgen. Geteilte Ablagen, sogenannte Shared Drives, unterstützt ChatGPT ebenfalls noch nicht – nur die eigene Ablage und direkt mit der eigenen Person geteilte Dateien lassen sich einbinden. Anders als bei Googles eigener Suche über mehrere Dateien in Drive, die bislang nur Fragen beantwortet, kann ChatGPT jetzt auch aktiv Änderungen zurückschreiben. Eine Nachverfolgung einzelner Bearbeitungsschritte wie bei der Kommentar- oder Versionsfunktion in Google Docs fehlt bei ChatGPT bislang.
Entscheidend wird, ob Unternehmen den direkten Schreibzugriff einer externen KI auf Firmendokumente erlauben wollen. Anders als beim bisherigen Hochladen einer Kopie verändert ChatGPT jetzt die Originaldatei in Drive, ohne dass sich einzelne Bearbeitungsschritte bislang sauber zurückverfolgen lassen. Wer Kunden- oder Vertragsdaten einbindet, sollte deshalb vorher klären, ob interne Richtlinien den direkten KI-Zugriff auf die eigene Drive-Ablage überhaupt erlauben.


