Der Widerstand gegen den Bau von KI-Rechenzentren in den USA hat sich im zweiten Quartal 2026 verschärft: Kommunen und Bürgerinitiativen brachten Bauvorhaben im Wert von 68 Milliarden Dollar zu Fall oder auf Eis, zeigt ein neuer Report der Analysefirma Data Center Watch, über den zuerst Bloomberg berichtete. Damit blieben 45 Projekte auf der Strecke – nahezu so viele wie im Vorquartal.
Gemeinden stoppen mehrere Milliardenprojekte einzeln
Mehrere der betroffenen Vorhaben sind für sich genommen milliardenschwer. In Appomattox County im US-Bundesstaat Virginia strich die zuständige Behörde das mit drei Milliarden Dollar bezifferte Projekt Hercules des Entwicklers Avaio vollständig. Der Gemeinderat von Archbald Borough in Pennsylvania lehnte das geplante Rechenzentrum Project Scott mit fünf zu null Stimmen ab. In North Carolina zog der Entwickler den New Hill Digital Campus komplett zurück, während Project Tango in Palm Beach County in Florida weiter im Genehmigungsverfahren feststeckt. Auch das sechs Milliarden Dollar teure Project Lincoln im kentuckyschen Oldham County kam bislang nicht über die Planungsphase hinaus. Ähnliche Bedenken über Luftqualität und Wasserverbrauch hatten Anwohner zuvor bereits gegen ein Gaskraftwerk für ein Amazon-Rechenzentrum in Texas vorgebracht, wo die Umweltorganisation Public Citizen vor Folgen für die Atemwege warnte. Alle fünf Fälle folgen einem Muster, das sich quer durch die USA wiederholt: Genehmigungsbehörden und Gemeinderäte reagieren zunehmend ablehnend auf großflächige Rechenzentrumspläne, sobald Anwohner öffentlich Einspruch erheben.
Bürgerinitiativen wachsen schneller als das Bauvolumen
Der Widerstand ist inzwischen strukturell geworden. Mittlerweile sind 843 Bürgerinitiativen in 49 der 50 US-Bundesstaaten aktiv, nur Hawaii bleibt bislang ausgenommen. Dreißig Landesparlamente haben zudem eigene Regeln zu Standortwahl, Stromnetzanschluss oder Wasserverbrauch von Rechenzentren erlassen oder eingebracht. Im ersten Quartal 2026 war das dokumentierte Bauvolumen mit rund 130 Milliarden Dollar bei 75 Fällen zwar noch höher – laut Analyst Miquel Vila von Data Center Watch habe sich die Zahl aktiver Gruppen seither aber mehr als verdoppelt, was für einen dauerhaften Trend statt eines einmaligen Ausschlags spreche. Eine Petition gegen ein Projekt in Tennessee sammelte binnen des Quartals mehr als 500.000 Unterschriften, gut ein Drittel aller im Bericht erfassten Petitionsunterschriften. Erste vereinzelte Fälle organisierten Protests registriert Data Center Watch mittlerweile auch außerhalb der USA, etwa in Europa, Australien und Südafrika.
Entscheidend wird, ob Betreiber wie Amazon, Meta oder OpenAI ihre Standortwahl an die neue Widerstandsgeografie anpassen oder verstärkt auf Bundesstaaten mit lockereren Regeln ausweichen. Auffällig ist der Kontrast zur Bundesrepublik: Während US-Kommunen ihre Vorgaben verschärfen, lockert die Bundesregierung derzeit die Meldepflichten für Rechenzentren hierzulande. Ob sich die US-Betreiber von der wachsenden Protestbewegung beeindrucken lassen, zeigt frühestens der nächste Report von Data Center Watch für das dritte Quartal im kommenden Herbst.


