KI-Wirtschaft

US-Gemeinden bremsen KI-Rechenzentren für 68 Milliarden Dollar

2 Min. Lesezeit

TL;DR Too Long; Didn’t read

Lokale Bürgerinitiativen in den USA haben im zweiten Quartal 2026 45 geplante Rechenzentren für Künstliche Intelligenz mit einem Gesamtwert von 68 Milliarden Dollar blockiert oder verzögert. Betroffen sind unter anderem Großprojekte in Virginia, Pennsylvania und Kentucky. Die Zahl aktiver Bürgerinitiativen liegt inzwischen bei 843 in 49 Bundesstaaten. Der Bericht der Analysefirma Data Center Watch zeigt damit anhaltenden Widerstand gegen den KI-Infrastruktur-Ausbau.

Anwohner mit Protestschildern blockieren die Zufahrt zu einem großen Rechenzentrum, eine gelbe Absperrung mit der Aufschrift „Gestoppt" liegt quer über der Straße Generiertes Bild mit GPT Image 2

Das Wichtigste in Kürze

  • In Virginia strich eine Behörde das Drei-Milliarden-Dollar-Projekt Hercules des Entwicklers Avaio vollständig.
  • Pennsylvania: Der Gemeinderat von Archbald Borough lehnte das Rechenzentrum Project Scott mit fünf zu null Stimmen ab.
  • Im ersten Quartal 2026 war mit 130 Milliarden Dollar noch deutlich mehr Bauvolumen betroffen als jetzt.
  • Dreißig US-Landesparlamente haben inzwischen eigene Regeln zu Standort-, Strom- und Wasserverbrauch von Rechenzentren erlassen.
  • Erste Bürgerproteste gegen Rechenzentren registriert Data Center Watch inzwischen auch in Europa, Australien und Südafrika.
  • Eine Petition gegen ein Tennessee-Projekt sammelte binnen eines Quartals mehr als 500.000 Unterschriften.

Der Widerstand gegen den Bau von KI-Rechenzentren in den USA hat sich im zweiten Quartal 2026 verschärft: Kommunen und Bürgerinitiativen brachten Bauvorhaben im Wert von 68 Milliarden Dollar zu Fall oder auf Eis, zeigt ein neuer Report der Analysefirma Data Center Watch, über den zuerst Bloomberg berichtete. Damit blieben 45 Projekte auf der Strecke – nahezu so viele wie im Vorquartal.

Gemeinden stoppen mehrere Milliardenprojekte einzeln

Mehrere der betroffenen Vorhaben sind für sich genommen milliardenschwer. In Appomattox County im US-Bundesstaat Virginia strich die zuständige Behörde das mit drei Milliarden Dollar bezifferte Projekt Hercules des Entwicklers Avaio vollständig. Der Gemeinderat von Archbald Borough in Pennsylvania lehnte das geplante Rechenzentrum Project Scott mit fünf zu null Stimmen ab. In North Carolina zog der Entwickler den New Hill Digital Campus komplett zurück, während Project Tango in Palm Beach County in Florida weiter im Genehmigungsverfahren feststeckt. Auch das sechs Milliarden Dollar teure Project Lincoln im kentuckyschen Oldham County kam bislang nicht über die Planungsphase hinaus. Ähnliche Bedenken über Luftqualität und Wasserverbrauch hatten Anwohner zuvor bereits gegen ein Gaskraftwerk für ein Amazon-Rechenzentrum in Texas vorgebracht, wo die Umweltorganisation Public Citizen vor Folgen für die Atemwege warnte. Alle fünf Fälle folgen einem Muster, das sich quer durch die USA wiederholt: Genehmigungsbehörden und Gemeinderäte reagieren zunehmend ablehnend auf großflächige Rechenzentrumspläne, sobald Anwohner öffentlich Einspruch erheben.

Bürgerinitiativen wachsen schneller als das Bauvolumen

Der Widerstand ist inzwischen strukturell geworden. Mittlerweile sind 843 Bürgerinitiativen in 49 der 50 US-Bundesstaaten aktiv, nur Hawaii bleibt bislang ausgenommen. Dreißig Landesparlamente haben zudem eigene Regeln zu Standortwahl, Stromnetzanschluss oder Wasserverbrauch von Rechenzentren erlassen oder eingebracht. Im ersten Quartal 2026 war das dokumentierte Bauvolumen mit rund 130 Milliarden Dollar bei 75 Fällen zwar noch höher – laut Analyst Miquel Vila von Data Center Watch habe sich die Zahl aktiver Gruppen seither aber mehr als verdoppelt, was für einen dauerhaften Trend statt eines einmaligen Ausschlags spreche. Eine Petition gegen ein Projekt in Tennessee sammelte binnen des Quartals mehr als 500.000 Unterschriften, gut ein Drittel aller im Bericht erfassten Petitionsunterschriften. Erste vereinzelte Fälle organisierten Protests registriert Data Center Watch mittlerweile auch außerhalb der USA, etwa in Europa, Australien und Südafrika.

Entscheidend wird, ob Betreiber wie Amazon, Meta oder OpenAI ihre Standortwahl an die neue Widerstandsgeografie anpassen oder verstärkt auf Bundesstaaten mit lockereren Regeln ausweichen. Auffällig ist der Kontrast zur Bundesrepublik: Während US-Kommunen ihre Vorgaben verschärfen, lockert die Bundesregierung derzeit die Meldepflichten für Rechenzentren hierzulande. Ob sich die US-Betreiber von der wachsenden Protestbewegung beeindrucken lassen, zeigt frühestens der nächste Report von Data Center Watch für das dritte Quartal im kommenden Herbst.

Häufige Fragen

Was ist Data Center Watch?

Data Center Watch ist ein Projekt des Analyseunternehmens 10a Labs, das vierteljährlich blockierte und verzögerte Rechenzentrumsprojekte in den USA erfasst und öffentlich dokumentiert.

Was bedeutet 'blockiert oder verzögert' konkret?

Der Bericht fasst darunter sehr unterschiedliche Fälle zusammen: abgelehnte Bauanträge wie bei Project Scott, zurückgezogene Projekte wie den New Hill Digital Campus und Vorhaben, die wie Project Tango weiter im Genehmigungsverfahren feststecken.

Betrifft der Widerstand auch Rechenzentren in Deutschland oder Europa?

Die dokumentierten Fälle konzentrieren sich bislang auf die USA. Data Center Watch registriert aber erste vereinzelte Proteste auch in Europa, Australien und Südafrika, belastbare Zahlen für Deutschland liegen noch nicht vor.

Welche Gründe nennen die Bürgerinitiativen am häufigsten?

Im Vordergrund stehen Sorgen um Stromverbrauch, Trinkwasserknappheit, Lärmbelastung sowie fehlende Transparenz bei Genehmigungsverfahren.

Wann veröffentlicht Data Center Watch den nächsten Bericht?

Die Analysen erscheinen vierteljährlich; der nächste Report für das dritte Quartal 2026 wird im Herbst erwartet.

Quellen (2)
  1. Bloomberg: New Data Centers Worth $68 Billion Disrupted in US, Data Show
  2. Data Center Watch: Q2 2026 Report

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