Mistral hat sich am 8. September 2026 eine Finanzierungsrunde über drei Milliarden Euro gesichert, angeführt vom südkoreanischen Elektronikkonzern Samsung. Die Bewertung des französischen KI-Anbieters springt damit auf mehr als 21 Milliarden Euro – fast doppelt so viel wie vor einem Jahr. Es ist die größte Eigenkapitalrunde, die ein europäisches Technologieunternehmen je eingesammelt hat.
Samsung führt Investorenkreis mit neuen Geldgebern an
Angeführt wird die Series-D-Runde laut Mistrals eigener Mitteilung von Samsung Electronics gemeinsam mit dem EU-nahen Scaleup Europe Fund, der von der Investmentgesellschaft EQT verwaltet wird, sowie dem bestehenden Investor PSG Equity. Neu in den Investorenkreis steigen der Finanzinvestor Advent, von BlackRock verwaltete Fonds und das Großherzogtum Luxemburg ein. Von den bisherigen Geldgebern bleiben unter anderem der Chiphersteller ASML, der Wagniskapitalgeber a16z, General Catalyst, Index Ventures, Nvidia und Salesforce Ventures beteiligt.
Die neue Bewertung von über 21 Milliarden Euro liegt fast doppelt so hoch wie die 11,7 Milliarden Euro der Serie C vor einem Jahr, die ebenfalls von ASML angeführt worden war. Mistral bezeichnet die Runde selbst als größte Eigenkapital-Finanzierung eines europäischen Technologieunternehmens – eine Einschätzung, die auch CNBC und weitere Wirtschaftsmedien unabhängig teilen.
Kapital fließt in eigene Rechenzentren statt Mietcloud
Das frische Kapital fließt laut Unternehmensangaben vor allem in den Ausbau eigener Rechenzentren statt in gemietete Cloud-Kapazität bei Drittanbietern. Firmenchef Arthur Mensch kündigte gegenüber CNBC an, die selbst betriebene Rechenleistung solle in den kommenden fünf Jahren um rund 100 Prozent wachsen, während gleichzeitig größere und schnellere Modelle trainiert würden.
Der Kurs setzt eine Strategie fort, die Mistral bereits mit dem knapp vier Milliarden Euro schweren Infrastrukturprojekt Mistral Compute verfolgt: Ein Rechenzentrum bei Paris ist mit rund 13.800 Nvidia-Grafikprozessoren des Typs GB300 bereits in Betrieb, ein zweiter Standort in Schweden entsteht gemeinsam mit dem Betreiber EcoDataCenter. Bis Ende 2027 peilt Mistral europaweit 200 Megawatt Rechenkapazität an, für die Zeit danach ist zusammen mit dem Staatsfonds MGX aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Nvidia ein rund 1,4-Gigawatt-Campus in Frankreich in Planung. Bereits im Juli hatte Microsoft seine Partnerschaft mit Mistral um eine milliardenschwere Infrastrukturvereinbarung erweitert, blieb bei der aktuellen Runde als Investor aber außen vor.
Kundenzahl und Umsatzziel wachsen mit der Bewertung
Mistral beziffert seine Kundenbasis inzwischen auf mehr als 125 Unternehmen in 20 Ländern, darunter der Flugzeugbauer Airbus, der Chipausrüster ASML und die Bank HSBC. Firmenchef Arthur Mensch bezifferte den erwarteten Jahresumsatz auf über eine Milliarde Dollar noch vor Ende 2026 – eine Zahl, die unabhängig nicht verifiziert ist. Wer Kontrolle über KI-Systeme habe und sie an eigene Bedürfnisse anpassen könne, sei ihm zufolge ebenso wichtig wie deren reine Leistungsfähigkeit; das begründe den Fokus auf offene Modellgewichte neben eigener Infrastruktur. Kunden wollten KI in bereits komplexen Systemen industrialisieren, mit eigenen Daten, eigenen Werkzeugen und eigenen Compliance-Vorgaben.
Die Positionierung als europäischer, souveräner Gegenentwurf zu US-Anbietern wie OpenAI und Anthropic sowie zu chinesischen Modellen zieht sich damit vom Produkt bis zur Kapitalstruktur der neuen Runde: Mit dem EU-nahen Scaleup Europe Fund und dem Großherzogtum Luxemburg sitzen erstmals auch öffentlich getragene europäische Investoren mit am Tisch.
Offen bleibt, ob Mistral das selbst gesteckte Tempo beim Infrastrukturausbau halten kann: Der geplante 1,4-Gigawatt-Campus in Frankreich soll erst nach 2030 stehen, während Konkurrenten wie OpenAI und Anthropic schon heute über ein Vielfaches an Rechenleistung verfügen. Entscheidend wird auch, ob die neuen europäischen Geldgeber bei künftigen Runden nachziehen oder ob Mistral für den nächsten Kapazitätssprung erneut auf außereuropäisches Kapital wie das der VAE-Fonds MGX angewiesen bleibt.


